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Milder Winter in Baden-Württemberg – droht nun eine Wespenplage?

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Von: Michaela Ebert

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Die frühlingshaften Temperaturen im Januar 2023 locken derzeit zahlreiche Insekten hervor. Viele von ihnen würden normalerweise im Winter sterben – droht jetzt eine Wespenplage im Sommer?

Frühlingshafte Temperaturen statt klirrend kalter Wintertage bestimmen den Januar 2023 in Baden-Württemberg. Das lockt neben uns Menschen eben auch viele Insekten hervor. Die kleinen Krabbler und Flieger kommen aus ihren Verstecken, Löchern und Nestern und gerade Bienen scheinen sich, gepackt von den Frühlingsgefühlen, fleißig auf Nahrungssuche zu begeben – vielen Imkern macht dieser Gedanke jedoch schwer zu schaffen.

Immerhin fehlen in der aktuellen Jahreszeit schlichtweg die lebensnotwendigen Blühpflanzen, die das Volk der fleißigen Arbeiterinnen mit ausreichend Energie versorgen könnten. Anders sieht das allerdings bei deren unbeliebten Schwestern aus: Auch Wespen lassen sich bei dem milden Wetter immer häufiger blicken. Das bereitet vielen Menschen Sorge, denn es gilt die landläufige Annahme: Ein milder Winter beschert eine Plage im Sommer. Aber stimmt das wirklich? echo24.de hat nachgefragt.

Wespenplage im Sommer? Insektenexperte mit Prognose

Johann Ekov, Insektenexperte und Schädlingsbekämpfer aus Heilbronn sagt: „Ja. Wenn das Wetter so bleibt, ist das natürlich für die Wespen vorteilhaft.“ Denn die wärmeliebenden Tiere profitieren nicht nur vom milden Wetter, sie finden dazu noch ausreichend Nahrung – häufig versteckt in unseren menschlichen Abfällen und Essensresten.

Davon profitieren dann besonders die „Altnester“. Im Normalfall wird dieses nämlich von der sogenannten Jungkönigin verlassen. Diese fliegt mit ihrem eigenen, kleinen Volk jährlich zur Sommerzeit aus, um sich anderswo neu anzusiedeln. Die Population des alten Nestes sowie die Altkönigin überleben den Winter im Normalfall jedoch nicht. Das reiche Nahrungsangebot und die hohen Temperaturen begünstigen jedoch ihr Fortbestehen – sowohl das der neuen, als auch das der alten Nester.

Zu trocken oder zu nass: Einige Umstände können Wespenplage beeinflussen

Beste Voraussetzungen also für eine Plage im Sommer? Nicht ganz. Denn ganz so robust sind die Tiere dann wohl doch nicht. Sollte es – wie für einen Winter eigentlich üblich – noch mal richtig kalt werden, kann dies fatale Folgen haben. „Die Gefahr ist dann für die Tiere, dass sie einfach einfrieren, wenn es zu plötzlich zu kalt wird“, so der Experte.

European common wasp (Vespula vulgaris) coming out of the nest.
Jedes Jahr verlässt eine Jungkönigin der Wespen ihr Nest, um sich neu anzusiedeln. © picture alliance / Zoonar | Stefan Sutka

Im Falle eines heftigen Temperatursturzes würden also viele der Tiere verenden. Doch auch die aktuell milde Wetterlage kann den gestreiften Jägerinnen unter Umständen gefährlich werden. Grund dafür ist das eher feuchte Klima, das mit den warmen Westwinden häufig viel Niederschlag nach Deutschland bringt.

„Dann hat es sich mit den Wespen relativ schnell erledigt“

Zu viel davon schadet nämlich den Insekten. Denn: Wo Wärme und Feuchtigkeit herrschen, bleibt Schimmel selten fern. „Wenn dies der Fall sein sollte, dann werden auch bereits relativ weit entwickelte Nester durch die Pilze angegriffen und gehen dadurch natürlich auch kaputt.“ Sollte dies also passieren, „hat es sich mit den Wespen relativ schnell erledigt. Ganze Völker sterben daran.“ Und gerade in den nächsten beiden Monaten, Februar und März, ist reichlich Niederschlag alles andere als ungewöhnlich.

Wespen überleben den Winter: Erste Einsätze als Schädlingsbekämpfer bereits im Februar

Doch wer weiß schon, wie trocken es in den kommenden Monaten wirklich wird? Immerhin gilt das vergangene Jahr als eines der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Laut der Prognose von Insektenexperte Ekov ist in der kommenden Saison jedoch mit einer ähnlich großen Zahl an Wespenvölkern zu rechnen, wie bereits in 2022. Es seien im vergangenen Sommer zwar viele Wespen gewesen, von einer Plage müsse jedoch noch nicht gesprochen werden.

Seine ersten Einsätze als Schädlingsbekämpfer hatte der Heilbronner dort übrigens schon im Februar – wenn natürlich auch nicht im selben Maße wie in der sommerlichen Hochsaison. Wie oft er im Sommer 2023 dann ausrücken muss, um Wespennester artgerecht zu beseitigen, hängt schließlich schlichtweg vom Wetter der kommenden Monate ab.

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