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Vogelspinnen-Angriff auf ein Dorf: Droht nun eine weltweite Invasion?

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Von: Olaf Kubasik

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Unzählige Vogelspinnen greifen ein Dorf in Indien an: Medien sprechen von einer neuen Art, aber bis heute herrscht keine Klarheit.

Es ist ein Albtraum-Szenario, das einem Horrorfilm entsprungen sein könnte: Unzählige riesige, haarige Giftspinnen überfallen ein kleines Dorf in Nord-Indien. Die aggressiven Tiere beißen Berichten zufolge „mindestens zwölf Bewohner“. Zwei Menschen sollen an den Folgen gestorben sein. In den weltweiten Medien wird von einer „unbekannten Spezies“ gesprochen, die einer womöglich bald auch Deutschland erreichenden „Tarantel“ gleicht. NUR: Offiziell wurde der achtbeinige Täter des Vorfalls nie verkündet, wie echo24.de berichtet.

Die große haarige Giftspinnen-Attacke in einem indischen Dorf des Bundesstaates Assam ereignete sich vor zehn Jahren. Und könnte sich aufgrund des Klimawandels auch anderswo durchaus wiederholen, wie Wissenschaftler betonen. Allerdings ist die medial weltweit als „unbekannte Todesspinne“ verkaufte Art, garantiert keine tödliche. UND: Im Reigen der fünf gefährlichsten Spinnen der Welt dürfte sie nicht einmal Erwähnung finden. Aber wie kam dann diese Horror-Meldung über eine womögliche Tarantel-Art zustande?

Vogelspinnen töten Menschen in Indien: Angriff-Horror oder Mythos?

Dazu muss man wissen: Taranteln gibt es eigentlich nicht. Der schaurige Name vereint eigentlich nur Vertreter der Familien der Wolfs- und Vogelspinnen, zu denen auch ein wahrhaft erschreckender Gigant zählt. Das kleine Dorf in Indien ist wohl Opfer eines besonderen Phänomens geworden, dessen sich Vogelspinnen-Freunde lebhaft annehmen. Im Forum der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde DGHT) hinterlässt ein Nutzer einen wichtigen Hinweis: „Ich würde mal darauf tippen, dass gerade ein paar Vogelspinnen-Männchen auf Wanderschaft waren und den Dorfbewohnern über die Füße gelaufen sind!“

FamilieVogelspinnen (Theraphosidae)
OrdnungWebspinnen (Araneae)
Artenreichtum979
Nahrunggrößere Insekten, Skorpione, Tausendfüßer, kleine Echsen, Giftschlangen und Nagetiere sowie junge oder kranke Vögel
Biss-Wirkung auf den Menschenvon harmlos, aber schmerzhaft bis hin zu Muskelkrämpfen und Benommenheit

Dass Vogelspinnen-Männchen sich für die Brautschau auf Wanderschaft begeben, ist allerdings nicht aus Sri Lanka oder Indien bekannt – sondern eher aus Südamerika. Doch dort sind die haarigen Achtbeiner, zu der auch ein in Deutschland vorkommender Vertreter der Unterordnung „Vogelspinnenartiger“ zählt, wesentlich harmloser.

In Asien beheimatete Vogelspinnen verfügen laut einer Doktorarbeit von Ruth Beckstein an der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München jedoch über einen Giftbiss, der bei Menschen folgende Symptome auslösen kann:

Zwei Todesopfer nach Vogelspinnen-Angriff auf ein indisches Dorf: Das steckt dahinter

Damit sind wohl in dieser Gegend hauptsächlich vorkommende Tiere der aufgrund ihrer wundervollen Färbung im Deutschen als Tiger- oder Ornament-Vogelspinnen bezeichnete Achtbeiner gemeint. Und diese verfügen über ein weitaus stärkeres Gift. ABER: Deren Unterfamilie Poecilotheria gilt zwar als leicht aggressiv, kann aber nicht für eine derartige indische Invasion herhalten, wie es die giftigste Spinne der Welt immer wieder in Australien zu schaffen vermag. Was für eine Vogelspinne ist es dann? Und wie kommt es zu einer möglichen Vermischung der Arten?

Die aggressiven Vogelspinnen sollen zahlreichen Medien-Berichten zufolge schwarz gewesen sein. Wobei die Beschreibung der Vorfälle die Dramatisierung wiederum ins Abenteuerliche zieht – DENN: Gefährlicher als die Bisse der Tiere selbst sind laut welt.de „die Behandlung durch Wunderheiler, die die Wunden (nach Giftbissen) mit Rasierklingen aufschneiden“. Infektionen sorgen demnach für die gemeldeten Toten, die eine invasive Spinne in Europa ohne Einfluss menschlicher „Wunderheiler“ zu schaffen vermag. Und dass Tiere sich durch den weltweiten Handel ausbreiten, vermehren und durchaus anpassen, ist bekannt.

Neue Vogelspinnen-Art überfällt Dorf: Klima-Erwärmung und Globalisierung fördern Ausbreitung

Bekannt ist nur bis heute ist nicht, welche neue Vogelspinnen-Art sich hinter diesem Phänomen in Nord-Indien verbirgt. Als Fakt gilt bloß, dass die Menschen sowohl die Klima-Erwärmung als auch den globalen Handel forcieren. Ein fataler Mix, der dafür sorgt, dass achtbeinige Neozoen sich ausbreiten. Wie diese acht Spinnen-Arten. Für genügend Panik sorgen eingeschleppte Tiere vor allem in Supermärkten.

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