Tödliches Monster soll sein Unwesen treiben

Handteller große Spinne in Kriegsgebieten: Sind Berichte Wahrheit oder Mythos?

Eine Kamelspinne
+
Vor Kamelspinnen fürchten sich selbst die härtesten Elite-Soldaten.
  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
    schließen

Walzenspinnen sorgen immer wieder für Schreckensmeldungen von Soldaten in Wüsten-Kriegen - mittlerweile sind die Tiere auch in Europa angekommen.

Sie haben den Tod stets vor Augen, weil sie von dessen Hauch angezogen werden wie Motten vom Licht. Zahlreiche Ex-Elitesoldaten kämpfen deshalb momentan freiwillig für die Ukraine gegen ein invasives Russland. Angst vor dem eigenen Ableben scheinen diese getrimmten Kampfmaschinen nicht zu kennen. Doch ein seltsames Spinnentier aus den Afghanistan- und Irak-Kriegen beschert selbst diesen harten Typen Wackel-Knie. Ein Achtbeiner, der selbst eine für Amputationen sorgende europäische Spinne in den Schatten stellen soll...

Elite-Soldaten berichteten nach ihrer Rückkehr aus den Kriegsgebieten Irak und Afghanistan von einer Handteller großen Spinne, die mit ihren gigantischen Mundwerkzeugen Kamele angegriffen und ihnen die Genitalien abgebissen habe. Zudem ihre Bäuche aufgerissen, um sich an den Eingeweiden gütlich zu tun. Von einem Monster, dass sich nachts schlafenden Soldaten-Kameraden nähere, um sie heimtückisch zu töten. Von hinten. Blitzschnell. Und aggressiver als die tödlichste Spinne der Welt, wegen der in Deutschland immer wieder Supermärkte evakuiert werden. Doch was steckt hinter diesem Mörderspinnen-Mythos rund um die Kamelspinne?

ArtKamelspinne (Galeodes arabs)
KlasseWalzenspinnen (Solifugae)
VorkommenTrockengebiete wie Wüsten und Steppen
NahrungInsekten, Eidechsen, kleine Nagetiere und Vögel
Körperlänge/Beinlänge6 cm/bis zu 15 cm

Horror-Spinne verängstigt Elite-Soldaten: Mörder-Monster in Kriegsgebieten?

Dass sie Handteller groß ist, stimmt. Und die Schnelligkeit der Kamelspinne ist hinlänglich bewiesen. Bis zu 16 Kilometern pro Stunde kann das Tier über eine kurze Strecke flitzen. Auch die Mundwerkzeuge von Galeodes arabs sind extrem kräftig. Ihr Biss ist zwar nicht giftig, jedoch äußerst schmerzhaft und kann aufgrund von Keimen starke Infektionen in der Wunde hervorrufen. Allerdings: Gebissen wird von einer Kamelspinne nur, wer sie in die Enge treibt oder sich an ihren Kokons mit Eier zu schaffen macht. Womit sie genauso reagiert wie zum Beispiel auch der in Baden-Württemberg heimische Ammen-Dornfinger.

Doch eigentlich ist die Kamelspinne gar keine „echte“ Spinne, sondern - als der Klasse der Walzenspinnen angehörend - lediglich ein Spinnentier. Als ihre nächsten Verwandten gelten sogenannte „Pseudoskorpione“ - aufgrund des gleichen Tracheensystems und der ähnlichen Beschaffenheit der Mundwerkzeuge. Mittlerweile hat sich das Vorkommen der Walzenspinnen (ähnlich diesem achtbeinigen Giganten) auch auf Europa ausgeweitet, wie das Naturhistorische Museum in Wien zu berichten weiß: „In Europa gibt es im Südosten einige Arten, darunter die Griechische Walzenspinne.“ Bei Galeodes grecos gelten übrigens die gleichen menschlichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei der Kamelspinne.

Elite-Soldaten in Furcht: Aggressive Horror-Spinne sucht in der Wüste direkte Nähe

Warum haben furchtlose Elite-Soldaten dennoch so eine große Angst vor Kamelspinnen? Ganz einfach: In wüstenhaften Kriegsgebieten nähern sich ihnen die Achtbeiner rasend schnell, um den Schatten der Menschenkörper zu suchen. Aber selbst wenn die vermeintlichen Horror-Spinnen aufgrund ihres enormen Nahrungsbedarfs sehr aggressiv erscheinen, ist das kein Grund zur Panik. Gegenüber spiegel.de beschwichtigt Martin Kreuels von der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft: „80 Kilogramm Fleisch mit einem Maschinengewehr in der Hand sind keine Beute für eine Spinne.“ Selbst nicht für eine Art, die mit dem Vampir Nosferatu verglichen wird...

Der fiese Biss der Walzenspinnen

Die Beißwerkzeuge der Walzenspinnen zählen zu den stärksten im gesamten Tierreich, insofern sie in Relation zur Körpergröße eines Tieres betrachtet werden. Mittels ihnen können die Solifugae Gestein bearbeiten und in zähen Kadavern sowie an Säugetieren tiefe Fleischwunden reißen.