Chilenische Winkelspinne breitet sich aus

Kein Gegengift für Menschen: Ist diese Spinne die gefährlichste der Welt?

Eine Chilenische Winkelspinne auf einem Stein
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Gegen ihren Biss gibt es kein Gegengift - Gott sei Dank ist die Chilenische Winkelspinne nicht aggressiv.
  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
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Die hochgiftige Chilenische Winkelspinne kann jedes Land erobern. Die Tiere sind nicht aggressiv, doch gegen ihren Biss gibt es kein Gegengift.

Er hatte es eilig, sehr eilig. Weil er verschlafen hatte – und schleunigst zur Arbeit musste. Also gab der Südamerikaner im fortgeschrittenen Alter mächtig Gas beim morgendlichen Ankleiden, kontrollierte dabei jedoch nicht seine rasch angezogene Hose. Ein fataler Fehler. Weil dabei die Attacke eines Tieres erfolgte, das sich in einem Hosenbein befand und sich durch die unerwartete Quetschung bedroht fühlte. Der Biss der Chilenischen Winkelspinne endete für den Mann letztlich mit dem Tod.

Die Chilenische Winkelspinne zählt zu den giftigsten Spinnen der Welt, landet in der Top-5 aber „nur“ auf dem dritten Platz. Und das hat seine Gründe: Loxosceles laeta ist nachtaktiv und gilt nicht als aggressiv. Deshalb wird sie von der Sydney-Trichternetzspinne und der Brasilianischen Wanderspinne vermeintlich in den Schatten gestellt. Zu Unrecht, wie viele südamerikanische Experten behaupten. Denn im Unterschied zu den beiden „Ranking-Führern“ gibt es für ihren Gewebe zersetzenden Biss kein Gegenmittel.

ArtChilenische Winkelspinne (Loxosceles laeta)
VorkommenSüdamerika, stellenweise Nordamerika und Mittelamerika sowie Finnland
Gesamtlängedrei bis fünf Zentimeter
NahrungGliederfüßer
Biss-Wirkung bei Menschenvier Prozent der Gebissenen sterben

Kein Gegengift: Diese Spinne ist für Menschen die gefährlichste der Welt

Ursprünglich stammt die Chilenische Winkelspinne – wie ihr Name verrät – vornehmlich aus Chile, wo sie neuesten Untersuchungen zufolge „praktisch in jedem Haushalt vorkommen“ soll. Aber der Achtbeiner hat sich mittlerweile auf ganz Südamerika sowie Teile Nord- und Mittelamerikas ausgebreitet und weist dabei wie eine in Europa angekommene Schreckensspinne große invasive Fähigkeiten auf.

In der größten Sammlung wissenschaftlicher E-Paper Brasiliens (SciELO) heißt es: „Unter den südamerikanischen Arten hat Loxosceles laeta die weiteste geografische Verbreitung – eine Tatsache, die mit ihrer Resistenz gegen lange Perioden ohne Nahrung oder Wasser in Verbindung gebracht werden kann.“

Über ein Jahr können Chilenische Winkelspinnen ohne Nahrung auskommen, werden in freier Wildbahn bis zu vier Jahre alt. Und ihr Fortpflanzungspotenzial ist enorm, wie echo24.de-Recherchen bei SciELO ergeben haben: „Jedes Weibchen kann während seines Lebens bis zu 15 Eiersäcke produzieren - und jeder von diesen kann 50 bis 150 Eier enthalten.“

Mit tödlichen Folgen für Menschen, wie die chilenischen Gesundheitsbehörden angeben. Laut des chilenischen Mikrobiologen Demitri Parra wurden „zwischen 1985 und 1995 insgesamt 43 Todesfälle durch Spinnenbisse im Land gezählt - jedoch inklusive Schwarzer Witwen, von denen es auch einen europäischen Vertreter gibt.

Das Jagdverhalten der Chilenischen Winkelspinne (Loxosceles laeta)

Chilenische Winkelspinnen jagen frei und spinnen keine Netze, um ihre Beute zu fangen. Die Tiere nutzen Spinnenseide, um einen Schlupfwinkel in einer Spalte oder einem Hohlraum anzulegen - zumeist in Häusern oder Wohnungen, in denen sie die Tagstunden verbringen und nachts zuschlagen. 

Gegen den Biss dieser invasiven Giftspinne gibt es kein Gegengift für Menschen

Doch was sind die Symptome bei Menschen, wenn die Chilenische Winkelspinne zubeißt? Das ist unterschiedlich, zumal es immer darauf ankommt, wie lange Loxosceles Laeta vor dem Zubeißen gefastet hat. Denn dadurch wird die Stärke ihrer Giftwirkung maßgeblich beeinflusst. Diese Merkregel gilt südamerikanischen Experten zufolge: Je länger die letzte Nahrungsaufnahme des Tieres zurückliegt, desto giftiger ist sein Biss. Mögliche Folgen (vor allem bei alten Menschen und Kindern):

  • Immer stärkere Schmerzen um die Bissstelle (zwei bis 18 Stunden)
  • Starke Gewebeschäden
  • Leberversagen (Tod)

Dass der Mensch mit der Chilenischen Winkelspinne jedoch durchaus leben kann, beweist das naturhistorische Museum in Finnland. Dort kommen Unmengen der hochgiftigen Tiere vor – und leben im Einklang mit Besuchern und Mitarbeitern. Welt.de schreibt: „Wie die Exoten ihren Weg ins kühle Helsinki gemacht haben, kann nur vermutet werden. Eine Theorie besagt, dass einige Exemplare mit einer Apfellieferung aus Argentinien gekommen wären. Möglicherweise stammten sie aber auch aus südamerikanischen Hölzern, die damals für die Haltung von Nagetieren verwendet wurden.“ Demnach ist es nur eine Frage der Zeit, bis die wohl gefährlichste Spinne der Welt wie schon diese gefährliche Art Deutschland erobert...