Anschauen, aber nicht anfassen!

Giftiger Schmetterling in BW: In diesen Regionen gilt besondere Vorsicht

Ein Esparsetten-Widderchen sucht auf Thymian nach Nahrung.
+
Ein Esparsetten-Widderchen sucht auf Thymian nach Nahrung.
  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
    schließen

Das Esparsetten-Widderchen ist ein besonderer Schmetterling, weil er wunderschön und gefährlich zugleich ist, aber Menschen auch ein Spektakel bietet.

Seine Erscheinung wirkt anziehend. Glänzend schwarz sind die Vorderflügel, auf denen sich fünf bis sechs rote Flecken befinden. Perfekt dazu abgestimmt auf seinem etwa 35 Millimeter langen Körper sitzend: die kleineren roten sowie schwarz umrandeten Hinterflügel. Das auch in Baden-Württemberg vorkommende Esparsetten-Widderchen ist ein rundum traumhafter Schmetterling. Und wurde 2008 in Deutschland und Österreich nicht ohne Grund zum „Insekt des Jahres“ gekürt. Doch hinter seiner faszinierenden Farb-Fassade verbirgt sich ein Gift-Geheimnis, das auch eine Gefahr für Menschen darstellt.

Wie der ebenfalls in Baden-Württemberg heimische Schwarzblaue Ölkäfer mag das Esparsetten-Widderchen eine hübsche Erscheinung sein, doch im Körper des tagaktiven Nachtfalters lauert der Tod. Die markante Färbung dient dabei als Warnung an alle Fressfeinde - heißt: „Achtung, ich bin hochgiftig!“ Und das gilt nicht nur bei adulten Tieren, sondern auch bei ihren hellgrün bis gelblich gefärbten Raupen. Natürlich würde kein erwachsener Mensch diesen wunderschönen Schmetterling oder seine Raupen verzehren, doch wenn kleine Kinder die Tiere in den Mund stecken, kann es lebensgefährlich werden...

ArtEsparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica)
OrdnungSchmetterlinge
KlasseInsekten
VorkommenSüd- und Mitteleuropa
GiftstoffeBlausäure, Acetylcholin, Histamin

Schmetterling mit Gift-Geheimnis - Gefahr für Menschen bei Verschlucken

Die lebensgefährliche Ursache lauert im Gewebe des Esparsetten-Widderchens, das auch Krainer Widderchen genannt wird. In Form von Pflanzengiften, die Zygaena carniciola hauptsächlich mit dem Hornklee aufnimmt - um sich vor Fressfeinden zu schützen und Parasitenbefall vorzubeugen. Beim Abbau der Gifte setzen die Tiere dann tödliche Blausäure frei. Doch damit nicht genug: Denn Esparsetten-Widderchen enthalten zudem Acethylcholin und Histamin. Wirkstoffe, die für ein gesteigertes Schmerzempfinden sorgen. Eine leichte Berührung der Falter und Raupen stellt im Gegensatz zur Goldafterraupe keine Gefahr für Menschen dar.

Hochgefährlich werden Esparsetten-Widderchen und ihre Raupen im Falle eines Verschluckens. Denn: Bereits 70 Milligramm einer verschluckten Blausäure-Substanz können zum Tod führen. Laut MedLexi.de gilt: „Teilweise wird eine tödlichen Wirkung ab einer Aufnahme von 1 bis 2 mg Blausäure je Kilo Körpergewicht angenommen.“ Die Vergiftung erfolge durch Zyanwasserstoff, der die Zellatmung blockiere und damit ein „inneres Ersticken“ herbeiführe.  Und weiter: „Bei weniger starken Konzentrationen von Blausäure kann eine schnelle Behandlung mit Cyanid bindenden oder Cyanid abbauenden Substanzen das Leben retten.“ 

Baden-Württemberg: Schöner Gift-Schmetterling bietet Menschen ein Spektakel

Esparsetten-Widderchen bevorzugen sonnige Trocken- und Magerrasen auf kalkhaltigen Böden. Laut der Landesanstalt für Umwelt kommt der schöne, aber hochgiftige Schmetterling in Baden-Württemberg „auf der Schwäbischen Alb und der Baar sowie im Neckar-Tauber-Land vor“.

Daher hat das Esparsetten-Widderchen seinen Namen

Die Esparsette dient den Raupen des Schmetterlings als Hauptnahrungsquelle. Zudem legen die ausgewachsenen Weibchen ihre Eier hauptsächlich auf Esparsetten und Hornklee ab. Die Fühler des Esparsetten-Widderchen sind verdickt und gebogen und erinnern deshalb an die Hörner eines Widders, wie der NABU Deutschland erklärt.

Während seine Raupen nach der Winterruhe ab April/Mai erneut aktiv werden, sind die Falter von Juni bis August zu beobachten. Und bieten dabei ein besonderes Spektakel: In den Abendstunden werden sie magnetisch von bestimmten Blüten angezogen, um auf ihnen eng aneinander geschmiegt die Nacht zu verbringen - jedoch streng nach Geschlechtern getrennt.

Mehr zum Thema