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Droht Baden-Württemberg jetzt eine Kettennatter-Invasion?

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Von: Mia Köhler

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Die Kalifornische Kettennatter
Droht Baden-Württemberg eine Kettennatter-Invasion? © Andrea Warnecke/dpa

Kettennatterfunde in Baden-Württemberg geben Grund zur Befürchtung einer Invasion. Experten äußern sich besorgt.

Eine Schlangenart auf Wanderschaft. Ihre Reise begann in den USA und Mexiko, von dort aus führte der Weg auf die spanische Kanareninsel Gran Canaria und nun wurde die Schlange in der Nähe von Offenburg und Freiburg entdeckt. Droht Baden-Württemberg jetzt sogar eine Kettennatter-Invasion?

Die bis zu eineinhalb Meter lange kalifornische Kettennatter wurde durch Urlaubsgäste auf den Kanaren ausgesetzt, dort wird sie als invasive Art eingestuft. Auch in Deutschland stellt sie eine Gefahr für andere Reptilien dar. 

Baden-Württemberg: Invasion auf den Kanaren sorgen für schlechte Vorahnungen

Die kalifornische Kettennatter, auch Lampropeltis californiae genannt, hat meist ein eher eintönig gefärbtes Muster, oftmals in Braun- oder Schwarztönen und Ringe oder Streifen. Sie ernährt sich von kleineren Säugetieren, Amphibien, Reptilien und sogar Aas, ebenso neigt sie zu Kannibalismus. Die Schlange ist nicht giftig und ungefährlich für Menschen, umso mehr bedroht sie jedoch andere Reptilienarten.

Auf Gran Canaria hat sich die Kettennatter eingebürgert und richtet dort beträchtlichen Schaden an, da sie einheimische Reptilien wie die Gran-Canaria-Rieseneidechse jagt. In Gebieten, in denen die Kettennatter verbreitet ist, sind die Bestände der anderen Reptilienarten um 90 Prozent gesunken.

Kettennattern: Verbote sollen eine Invasion verhindern

Nach mehreren Funden in Baden-Württemberg befürchten Experten, dass die kalifornische Kettennatter ähnlich invasiv werden kann und die Bestände einheimischer Reptilienarten dezimieren wird. Gefährdet sind dabei hauptsächlich die Smaragdeidechse am Kaiserstuhl und die Zauneidechse. Ob die Schlangenart letzten Endes überleben kann oder gar invasiv wird, kann man bisher nicht bestimmen. Wenn man jedoch die heutigen klimatischen Veränderungen betrachtet, durch die es hier teils wärmer ist als auf den Kanaren, kann eine Vermehrung durchaus möglich sein. Auch dass die Kettennatter in Terrarien in Europa beliebt ist, kann zu der Vermehrung beitragen.

Seit Anfang August steht die Kettennatter auf der Unionsliste der invasiven Arten, es besteht ein EU-weites Handels- und Nachzuchtverbot, der Besitz bereits vorhandener Tiere ist jedoch nicht verboten. Viele verantwortungsbewusste Hobbyzüchter verlieren aufgrund der Verbote nun das Interesse an den Tieren, die als “Anfänger-Nattern” gelten und einfach zu halten sind.

Kettennattern: Bisher noch keine akute Gefahr, präventive Maßnahmen sind jedoch nötig

Wie unter anderem in einer Studie des Fachjournals „Science of the Total Environment“ ausgeführt wird, so betragen die Kosten für Maßnahmen seit 1960 gegen invasive Verbreitung weltweit  84 Milliarden Euro. Bislang besteht keine allzu große Gefahr einer rasanten Verbreitung, da Individuen der Art erst nach einigen Jahren geschlechtsreif sind und der bisher noch kalte Winter in Deutschland ein Hindernis darstellt.

Wenn die Auswirkungen invasiver Arten auf die Umwelt entdeckt werden, sind diese oftmals schon fest eingebürgert und weit verbreitet. Da die kalifornische Kettennatter bisher kein akutes Problem darstellt, ist es schwer, Entscheidungsträger von Investitionen zu überzeugen, gegen eine Invasion anzukämpfen.

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