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Gefährlicher als die Nosferatu-Spinne: „Falsche Witwe“ ist schon in Deutschland

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Von: Olaf Kubasik

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Edele Kugelspinne (Steatoda nobilis)
Die Edle Kugelspinne hat Deutschland erreicht - und wird sich Forschern zufolge ausbreiten. © AdobeStock

Deutschland ist derzeit mit der Einwanderung der Nosferatu-Spinne beschäftigt, doch eine viel schlimmere Art ist mittlerweile auf dem Weg - und angesiedelt.

Sie sieht nicht so erschreckend aus wie die Nosferatu-Spinne, die sich derzeit rasant in Deutschland ausbreitet. Wesentlich kleiner ist sie und auch nicht haarig. Doch wenn die Edle Kugelspinne zubeißt, drohen Menschen schreckliche Folgen: schmerzhafte, Gewebe zersetzende Wunden, die bis zur Amputation betroffener Gliedmaße führen können. Und DAS Schlimmste: Biologen gehen fest davon aus, dass die invasive Steatoda nobilis sich bald auch in Deutschland dauerhaft ansiedeln wird.

Die Heimat der oftmals auch als „Falschen Witwe“ bezeichneten Edlen Kugelspinne sind ursprünglich die Kanaren und die Insel Madeira. Doch mittlerweile hat sich der kleine, eigentlich überhaupt nicht aggressive Achtbeiner extrem verbreitet, ist nicht nur in West- und Teilen Mitteleuropas sowie Nordafrikas, sondern auch in den USA und den südamerikanischen Ländern Chile, Ecuador und Kolumbien heimisch geworden. Dank des weltweiten Handels. Diesmal in Form von Pflanzen-Importen.

Nosferatu-Spinne ist bereits da - jetzt folgt die Invasion der hochgefährlichen „Falschen Witwe“

In Deutschland wurde die Nosferatu-Spinne erstmals 2005 nachgewiesen, die Edle Kugelspinne erst 2017. Experten sind jedoch der festen Überzeugung, dass das allen in Mitteleuropa heimischen Spinnen-Arten überlegene Tier keine zwölf Jahre benötigen wird, um hierzulande allgegenwärtig zu werden. Zumal sich Edle Kugelspinnen klimatischen Bedingungen bestens anpassen scheinen zu können. Siehe das Vereinigte Königreich, das bereits mit Steatoda nobilis leben muss. Und für Horror-Meldungen sorgt.

Zuletzt traf es Adam Roberts, wie mirror.co.uk berichtet. Der 37-jährige Familienvater wurde auf einem Campingplatz in Mablethorpe im Schlaf von einer Edlen Kugelspinne in den Ringfinger der linken Hand gebissen. Trotzdem fuhr er - den Schmerz ignorierend - zurück nach Dorset. Erst als sein Arm wie Feuer brannte, begab er sich ins Krankenhaus. Die Ärzte gingen zu 90 Prozent von einer Amputation aus, konnten Roberts‘ Finger jedoch retten. Fühlen kann er damit allerdings nichts mehr. Der Biss einer Braunen Violinspinne sorgt ebenfalls für sogenannte Nekrosen.

Nach Nosferatu-Spinne: Edle Kugelspinne deutlich schlimmer für Mensch und Tier

Doch nicht nur für Menschen ist die Edle Kugelspinne der Albtraum, sondern auch für heimische Tiere wie Fledermäuse. Eine neue Studie des Ryan Institute der National University of Ireland (NUI) in Galway stellte jetzt nach fünfjähriger Forschung fest, „dass Steatoda nobilis 95 Prozent ihrer Gegner tötete und fraß“.  Das NUI-Team unter der Leitung von Dr. Michel Dugon bemerkte zudem die Fähigkeit der Spinne, „ihren Giftverbrauch je nach Verfügbarkeit zu regulieren“.

ArtEdle Kugelspinne (Steatoda nobilis)
OrdnungWebspinnen (Araneomorphae)
HerkunftMadeira, Kanaren
Körperlänge1,4 Zentimeter

Die Edle Kugelspinne mag zwar schüchtern sein, ist aber kühl kalkulierend bei ihrer Jagd: Die Studie des NUI-Teams habe laut Irish Examiner ergeben, dass die Spinne eine Taktik namens Seidenschnippen und Beutewickeln vor der Vergiftung als Mittel zur Giftkonservierung anwendet. Denn ihr Gift verwendet Steatoda nobilis klug - wie die gefährlichste Spinne der Welt. Aber zurück zu ihrer Ausbreitung in Deutschland. Es heißt, die Art sei in zwei Gartencentern und deren Umgebung in Köln gesichtet worden. Biologen gehen deshalb davon aus, dass die Tiere sich dort bereits fest angesiedelt haben...

Nicht das Gift der Edlen Kugelspinne ist gefährlich...

Im Rahmen der Untersuchung der National University of Ireland wurden Edlen Kugelspinnen Bakterienproben entnommen. Dabei fanden die Forscher 22 Arten, von denen für Menschen zwölf potenziell krankmachend sind. Einige davon sind multiresistent, sodass sie mit regulären Medikamenten nur ganz schwer behandelt werden können. Selbst Antibiotika hilft deswegen nicht.

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