Invasion der Sydney-Trichternetzspinnen

Hochwasser in Australien: Giftigste Spinne der Welt sucht Zuflucht bei Menschen

  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
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Die giftigste Spinne der Welt flüchtet vor Überschwemmungen in Australien in die Häuser von Menschen.

Die australische Metropole Sydney wird derzeit wieder von Überschwemmungen geplagt - nach Starkregenfällen. Aus mehreren Stadtteilen sind bereits Menschen evakuiert worden, Schulen mussten geschlossen werden. Doch die Wassermassen sind beileibe nicht das einzige Problem der Bewohner. Denn die Fluten setzen auch den Tieren zu. Und die suchen in Scharen Zuflucht in Gebäuden. Darunter auch die giftigste Spinne der Welt: die Sydney-Trichternetzspinne.

13 Menschen haben Bisse der Sydney-Trichternetzspinne das Leben gekostet. Seit 1981 - dem Jahr der Entwicklung eines Gegengifts - gab es jedoch keinen verzeichneten Todesfall mehr. Glück im Unglück hatte vor zwei Jahren ein zehnjähriger Australier, der einen Biss von Atrax robustus nur überlebte, weil ihm zwölf Dosen Gegengift verabreicht worden waren. Örtliche Medien sprachen dabei von „einer Rekordmenge“.

ArtSydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus)
Vorkommenrund um die australische Stadt Sydney
Gesamtlängeetwa acht Zentimeter (Weibchen)
NahrungGliederfüßer, Schnecken, kleine Wirbeltiere
Biss-Wirkung bei Menschenohne Gegengift tödlich

Im Gegensatz zur tödlichsten Spinne der Welt besteht außerhalb der Region um das australische Sydney keine Gefahr für Menschen, dem hochgiftigen Achtbeiner zu begegnen. Und selbst dort kommt es - abseits von Überschwemmungen - fast nur zu einem Zusammentreffen, wenn die Männchen der Sydney-Trichternetzspinne auf Partnersuche gehen. biologie-seite.de schreibt dazu: „Auf ihren Wanderschaften dringen sie oft in Häuser ein und sind relativ aggressiv.“

Hochwasser in Australien: Schlimmste Giftspinne der Welt sucht Nähe zu Menschen

Überhaupt sind es bei den Sydney-Trichterspinnen die Männchen, von denen die Gefahr für Menschen ausgeht. Obwohl sie wesentlich kleiner als die Weibchen sind, ist ihr Gift bis zu sechsmal stärker. Wie wissenschaft.de berichtet, haben Forscher um Bryan Fry von der University of Queensland in Brisbane herausgefunden, dass die Trichternetzspinnen die Delta-Hexatoxine in ihrem Giftcocktail „modifiziert“ haben. Damit dienten diese weniger dem Beutefang, sondern stellten vielmehr eine Waffe gegen Räuber dar.

Dass die Männchen der Sydney-Trichternetzspinne wesentlich giftiger sind, begründet Bryan Fry gegenüber wissenschaft.de wie folgt: „Wenn sie geschlechtsreif werden, verlassen sie die Sicherheit ihres Baues und überwinden auf der Suche nach Weibchen erhebliche Distanzen. Diese Wanderschaft ist allerdings gefährlich, denn einige Wirbeltiere verspeisen bekanntlich gerne Spinnen.“ Das Gift der Spinnen diene deshalb der Räuberabwehr. Zum Pech der Menschen laut Fry - DENN: „Wir sind ebenfalls Wirbeltiere.“

Schlimmste Giftspinne der Welt: 40 Menschen in Australien werden jährlich gebissen

Sydney-Trichternetzspinnen können mit ihren mächtigen Kieferklauen sogar Schuhoberflächen durchbeißen, um ihr Gift zu injizieren. Ein Gift, das wesentlich gefährlicher ist als das der Europäischen Schwarzen Witwe. Bis zu 40 Menschen werden jährlich von Atrax robustus gebissen. Das Gegengift wird allerdings nur verabreicht, wenn das Bissopfer Vergiftungssymptome aufweist. Grund: Nicht jeder Biss einer Sydney-Trichternetzspinne ist mit einer Injektion verbunden. Anfängliche Symptome für eine Vergiftung sind:

  • Schweißausbrüche
  • Atemnot
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Speichelfluss und Muskelzucken

Im Anschluss an die Erstsymptome kann es nach einem Giftbiss der Sydney-Trichternetzspinne zu Verwirrung und einer Taubheit des Gesichts kommen. Sollte dann keine Behandlung mit einem Gegengift erfolgen, treten Bluthochdruck, ein beschleunigter Puls und Herzrhythmusstörungen auf. In schwerwiegenden Fällen drohen Herzinfarkt, Kreislaufversagen, Koma und Tod.

Jagdverhalten der Sydney-Trichternetzspinne

Die Sydney-Trichternetzspinne jagt wie alle Arten der Familie der Atracidae mittels eines bis zu 60 Zentimeter langen Trichternetzes, das in einer selbstgegrabenen Erdröhre mündet. Zusätzlich kann sie Beutetiere aber auch freilaufend außerhalb ihres Unterschlupfes erlegen. Auf ihrem Speiseplan stehen Käfer, Schaben, Tausendfüßer, verschiedene Insektenlarven, Schnecken, Frösche und kleinere Eidechsen.

Doch der Giftcocktail der Sydney-Trichternetzspinne scheint auch etwas Gutes zu haben, wie nationalgeographic.de berichtet: „Laut bisherigen Forschungsergebnissen soll er bei der Behandlung von Nervenschäden nach Schlaganfällen oder der Verlängerung der Haltbarkeit von Transplantationsorganen helfen.“

Rubriklistenbild: © Ken Griffiths