Keine Panik bei ekligen Hundertfüßern

Spinnenläufer vermehrt in BW: Unter diesen Umständen beißen sie Menschen

Ein Spinnenläufer in Nahaufnahme und in Gänze.
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Spinnenläufer sind Nützlinge, erschrecken Menschen aber durch ihr Aussehen und ihr hohes Tempo.
  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
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In Baden-Württemberg verbreitet sich ein Hundertfüßer extrem - doch Panik ist bei diesem Tier aus einem Grund der falsche Ratgeber.

Zartbesaitete dürften bei ihrem Anblick vor Schreck erstarren. Denn niedliche Tiere sehen anders aus, haben weder kräftige Giftklauen noch Panzerplatten. Und schon gar nicht sehr, sehr viele Beine und Fühler, die ihnen eine Gesamtlänge von bis zu 15 Zentimetern verleihen. Den Horror perfekt macht, dass diese alienhaften Horror-Krabbler namens Spinnenläufer auch Menschen beißen können. Als Neozoen mittlerweile vermehrt in Baden-Württemberg.

Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, wurden die Hundertfüßer wie eine hochgefährliche Spinne nach Mitteleuropa eingeschleppt. Dabei bevorzugen sie in Deutschland vor allem Weinbauregionen im Südwesten. Grund: Die dem Rebenwachstum zuträglichen Sommertemperaturen lieben auch Spinnenläufer. Wegen der Klimaerwärmung hat es sie jedoch mittlerweile auch in andere Regionen Baden-Württembergs gezogen. In Großstädten wie Stuttgart, Karlsruhe oder Heilbronn leben sie vornehmlich in Gebäuden. Ganzjährig!

ArtSpinnenläufer (Scutigera coleoptrata)
KlasseHundertfüßer (Chilopoda)
Gesamtlängebis zu 15 Zentimeter
Vorkommenweltweit
NahrungSpinnen, Fliegen, Schaben, Silberfische

Horror-Hundertfüßer vermehrt in BW - Spinnenläufer beißen auch Menschen

Spinnenläufer sind nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich im Freiland unter Steinen. Und in Gebäuden? Andreas Haselböck, Entomologe am Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart, erklärt auf seiner Internetseite naturspaziergang.de: „Hinter Bilderrahmen, Schränken oder in irgendwelchen Ritzen.“ Auf ihrem Speiseplan stehen Fliegen, Schaben (im Raum Heilbronn extrem aktiv), Spinnen und Silberfische. Dank seiner Fühler registriert der gierige Jäger die kleinste Bewegung seiner Beute. Dann geht alles blitzschnell: lähmender Biss. Und wenn das injizierte Sekret das Innere des Opfers vorverdaut hat, schlürft es der Spinnenläufer aus.

Spinnenläufer sind extrem schnelle Krabbler und können bis zu 1,5 Kilometer pro Stunde flitzen, was aufgrund ihrer Körpergröße einem menschlichen Weltklasse-Sprinter gleichkommt. Aber hohe Geschwindigkeit und erschreckendes Aussehen ist eine fatale Kombination, mit der ein anderer Gliedfüßer sogar gestandene Elite-Soldaten in Angst und Schrecken versetzt. Folge: Menschen geraten bei Erstkontakt in Panik und versuchen die Tiere zu töten. Zumeist gelingt das aufgrund des hohen Tempos der Tiere nicht. Die können jedoch unter extremster Bedrohung auch Menschen beißen. Und das ist KEIN Vergnügen!

Keine Sorge für Menschen in BW: Horror-Hundertfüßer frisst Schädlinge in Gebäuden

Denn an dünnen Stellen können Spinnenläufer mit ihren kräftigen Giftklauen die menschliche Haut durchdringen. Der dabei auftretende Schmerz ist vergleichbar mit einem Wespenstich - und dieser klingt laut inatura.at, das einen Fall im baden-württembergischen Kehl beschreibt, „nach drei Tagen wieder ab“ . Doch nicht bei allen Menschen - DENN: Die durch Scutigera coleoptrata verursachte Wunde kann sich auch infizieren. Solche Fälle sind aber in Baden-Württemberg allerdings reine Theorie, denn im Gegensatz zur tödlichsten Spinne der Welt sind die Hundertfüßer abseits einer Bedrohung überhaupt nicht aggressiv.

Die grobe Fortpflanzung der Spinnenläufer

Bei ihrer Fortpflanzung kennen Spinnenläufer so wenig Gnade wie bei ihrer Opferjagd. Bis zu 60 Mal in der Stunde kriecht das Männchen unter das Weibchen, bis ein kleines Spermienpaket ablegt ist - in Gebäuden in Ritzen. Danach wird das Weibchen heftig über das Samenpaket geschoben, damit es die Spermien mit der Geschlechtsöffnung aufnehmen kann. Von April bis in den Juli legt das Weibchen bis zu 60 Eier.

Falls Menschen in Baden-Württemberg einen Spinnenläufer in ihrer Wohnung entdecken, können sie vornehmlich froh sein. Darüber, dass das vermeintlich eklige Tier Schädlinge vertilgt. Wer sich in Gegenwart des Krabblers dennoch unsicher fühlt, für den hat Entomologe Haselböck einen Tipp bereit, der auch bei Entdecken einer im häufiger in Baden-Württemberg auftretenden großen Giftspinne gilt: „Besser als ihr Erschlagen ist das Einfangen mittels eines großen Gefäßes - auch wenn es sehr schwierig ist -, um sie dann irgendwo etwas weiter weg auszusetzen.“