Auwaldzecken sind ab April aktiv

Zecken in Deutschland: Experten mit überraschender Erkenntnis zu FSME-Fällen

  • Julia Cuprakowa
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Die Temperaturen steigen und damit auch die Gefahr von einer Zecke gestochen zu werden. Denn Anzahl der Zecken steigt, die FSME-Erkrankungen durch Zecken gehen aber deutlich zurück. Ein Experte klärt auf.

Momentan zeigt sich das Wetter in Deutschland und vor allem in Baden-Württemberg von seiner besten Seite – und die Temperaturen klettern langsam aber sicher nach oben. Über den beginnenden Frühling freuen sich jedoch nicht nur Menschen. Auch allerlei Insekten werden wieder aktiv, darunter: Zecken.

Zecken breiten sich in Deutschland vor allem in höher gelegenen Regionen aus – dort erkranken auch immer mehr Menschen an der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung FSME. Und trotzdem verzeichnen Experten deutlich weniger FSME-Fälle in Deutschland. Aber wie kann das sein?

Zecken in Deutschland: Experten mit überraschender Erkenntnis zu FSME-Fällen

Im Frühling und Sommer sind die Zecken besonders aktiv. Die Auwaldzecke breitet sich in Deutschland immer weiter aus und kann für Hunde und andere Tiere gefährlich werden. Denn die „Buntzecke“ – wie die Auwaldzecke noch genannt wird – kann die sogenannte Babesiose übertragen, auch Hundemalaria genannt. Wird die Krankheit nicht schnell behandelt, verläuft sie in der Regel tödlich. Aber auch für Menschen kann ein Stich gefährlich werden und nach neuesten Erkenntnissen FSME übertragen.

FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Gegen FSME gibt es eine Impfung, nicht jedoch gegen die ebenfalls von Zecken übertragene und wesentlich häufiger vorkommende Borreliose. Diese ist bundesweit verbreitet. Die meisten FSME-Infizierten bleiben zwar beschwerdefrei. Aber in schweren Fällen kann diese Viruserkrankung zu einer Gehirnentzündung führen und das Rückenmark schädigen.

Zecken-Experten stellten am Dienstag (8. März) bei einer Pressekonferenz der Universität Hohenheim in Stuttgart neue Forschungsergebnisse vor. Demnach werden in Höhenlagen von 500 bis 700 Metern zunehmend FSME-Erkrankungen registriert, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Die Forscher gehen davon aus, dass es den Zecken in den tiefer gelegenen Gebieten zunehmend zu warm ist. „In Tälern wird es Zecken zu ungemütlich“, sagte Biologe Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Zecken können Krankheiten übertragen – FSME-Erkrankungen gingen deutlich zurück

Trotz rasanter Ausbreitung ging die Zahl der bundesweit registrierten FSME-Erkrankungen im vergangenen Jahr deutlich zurück – und das obwohl, oder vielleicht gerade deshalb, die Experten im Jahr 2021 vor Zecken- und FSME-Jahr warnten. Die Infektionszahl sank, laut aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts, von 712 auf 417. Sie schwankt jedoch von Jahr zu Jahr unter anderem je nach Witterung und Freizeitverhalten deutlich.

Überraschenderweise sank die Zahl besonders in Bayern und Baden-Württemberg, auch wenn dort nach wie vor die meisten Menschen an FSME erkranken. In weiter nördlich gelegenen Bundesländern wie Sachsen und Niedersachsen wurde hingegen kein Rückgang verzeichnet. FSME breite sich in Norddeutschland zunehmend aus, sagte Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München.

„Fliegende Zecke“: Die Hirschlaus breitet sich in Deutschland aus

Wer das Risiko von einer Zecke gestochen zu werden minimieren möchte, sollte die typischen Lebensräume der Spinnentiere meiden. Zecken halten sich bevorzugt unter anderen in lichten Wäldern, Waldrändern, sowie Flächen mit hohem Gras oder Büschen.

Allerdings kann man sich dadurch nicht vor allem Zecken- oder zeckenähnlichen Insekten schützen. Denn: In Deutschland ist mittlerweile auch die Hirschlausfliege – „fliegende Zecke“ – heimisch. Die Hirschlausfliege ist zwischen fünf und sieben Millimetern groß. Im Gegensatz zur Zecke hat die Hirschlausfliege Flügel und kann fliegen – sie ist somit mobiler und schneller unterwegs als eine Zecke und hat eine große Auswahl an Wirten. Nach der Landung bricht die Hirschlaus ihre Flügel ab und sucht sich schneller als eine Zecke eine geeignete Stelle zum Festbeißen.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa