Ferien mit dem Virus

Urlaub trotz Corona? Quarantäne, Test, Reiseziel – das sind die Regeln

  • Simon Mones
    VonSimon Mones
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Trotz der Corona-Pandemie steht dem Sommerurlaub dank der sinkenden Infektionszahlen nichts im Wege. Urlauber müssen jedoch einiges beachten.

Der Sommer ist da und für viele steht der Sommerurlaub vor der Türe. Was normalerweise das Highlight des Jahres ist, wird in Zeiten der Corona-Pandemie fast schon zu einer Herkulesaufgabe. Doch auch in diesem Jahr muss der Sommerurlaub dank sinkender Infektionszahlen und gelockerter Einreisebeschränkungen nicht ausfallen. Allerdings ist viel Planung und Recherche erforderlich.

Schon bei der Wahl des Reiseziels spielt das Coronavirus eine wichtige Rolle, denn trotz sinkender Inzidenzen müssen Urlauber wissen, wie hoch das Ansteckungsrisiko am Urlaubsort ist. Ein Anhaltspunkt dafür ist das Robert Koch-Institut, das für die Einteilung in Risikogebiete, Hochinzidenzgebiete und Virusvariantengebiete zuständig ist. Aber auch die aktuelle 7-Tage-Inzidenz am Urlaubsort kann dabei helfen - diese ist zum Beispiel auf der Seite des ADAC zu finden.

Urlaub während Corona: Das Wichtigste zu Reisezielen, Tests und Quarantäne

Aktuell werden aber immer mehr Länder und Regionen von der Liste der Risikoländer gestrichen. Wie die Welt berichtet, fällt am 1. Juli auch die generelle Reisewarnung für Risikogebiete. Diese hatte vor allem eine abschreckende Wirkung, daher ändert sich für Reisende wenig.

Zumal die Quarantänepflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten bereits deutlich gelockert wurde. Zwar ist formal noch eine Quarantäne von 10 Tagen vorgeschrieben, allerdings kann diese vorzeitig beendet werden, wenn ein negativer Testnachweis, ein Genesenennachweis oder ein Impfnachweis über das Einreiseportal der Bundesrepublik übermittelt wird. Ähnliches gilt auch für die Hochrisikogebiete, hier kann man sich jedoch erst ab dem fünften Tag frei testen. Daran wird sich auch künftig erst mal nichts ändern, darauf haben sich die Gesundheitsminister geeinigt.

Urlaub und Coronavirus: Urlauber sollten sich beim Auswärtigen Amt informieren

Zudem sollten sich Urlauber bereits im Vorfeld der Reise über die Einreiseregelungen am Urlaubsziel informieren. „Die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes eignen sich dafür am besten“, betonte Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland in der Welt.

Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes erfahren Urlauber mit nur wenigen Klicks, welche Voraussetzungen für vollständig Geimpfte, von einer Covid-19-Erkrankung Genesene und Getestete gelten. Zudem finden sich Informationen darüber, ob und wenn ja welche Tests für die Einreise benötigt werden. Auch das sollte frühzeitig erledigt werden, da ein PCR-Test deutlich mehr Vorlauf braucht als beispielsweise ein Schnelltest.

Urlaub und Coronavirus: Unterschiedliche Regelungen bei Corona-Tests

Darüber hinaus informiert das Auswärtige Amt auch darüber, ob eine Einreiseanmeldung vorgeschrieben ist. „Das wird von vielen vergessen“, erklärt Anke Budde, Vizepräsidentin der Allianz selbstständiger Reiseunternehmen (asr), der Welt. „Es gibt Länder wie Portugal, wo Sie das noch schnell am Abflughafen machen können. In Griechenland zum Beispiel muss das bis 24 Stunden vor Reisebeginn gemacht sein. Sonst droht ein Bußgeld.“

Wie die Reisebüroinhaberin berichtet, stünden deswegen die aktuellen Corona-Regeln sowie die Einreisevorschriften im Zentrum der Beratung. „Oft gibt es noch Verwirrung darüber, welcher Test gebraucht wird“, sagte Budde. Gerade Familien sollten sich demnach darüber informieren, ob auch ein Negativtest der Kinder notwendig ist.

Urlaub und Coronavirus: Spanien und Kroatien mit drastischen Lockerungen - aber nicht für alle Bundesländer

Für Reisende, die bereits vollständig geimpft sind oder kürzlich eine Corona-Erkrankung überstanden haben, ist die Testfrage oft weniger relevant. Denn in vielen Ländern wird diese Gruppe bei der Einreise von der Testpflicht ausgenommen. In Spanien können Geimpfte und Genesen beispielsweise ohne weitere Auflagen einreisen.

Wer verreisen will braucht in der Regel einen negativern Test.

Inzwischen ist die Testpflicht in Spanien - sowie in Kroatien - allerdings generell für fast ganz Deutschland ausgesetzt, lediglich für Touristen aus dem Saarland und Baden-Württemberg ist ein Test weiterhin notwendig. Auch in Griechenland oder Portugal sind keine weiteren Tests notwendig. Italien hingegen verlangt weiterhin einen negativen Test.

Urlaub und Coronavirus: Geimpfte Urlauber haben es leichter

Allerdings gibt es auch als Geimpfter einiges zu beachten: So gilt man erst dann als vollständig geimpft, wenn seit der zweiten Impfungen (Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca) beziehungsweise der einzigen Impfung (Johnson & Johnson) mindestens 14 Tage vergangen sein.

„Hier kann es außerhalb von Europa aber durchaus Unterschiede geben“, betont Wojtal. Wie die Welt berichtet, verlangt beispielsweise Marokko künftig einen Abstand von vier Wochen zur letzten Impfung. Für die Urlauber heißt das, genau nachhaken, wie viel Zeit seit der abschließenden Impfung vergangen ist.

Urlaub und Coronavirus: Expertin rät zum Impfzertifikat

Dabei kann auch das Corona-Impfzeritfikat beziehungsweise der digitale Impfpass helfen, dieser zeigt in der Corona-Warn-App genau an, wie viele Tage noch bis zum vollständigen Impfschutz vergehen oder bereits vergangen sind. Neben der digitalen Version gibt es das europaweit gültige Zertifikat auch in der Papierform.

Der digitale Corona-Impfpass soll das Reisen in der EU erleichtern.

Wojtal rät dazu, von dem Angebot Gebrauch zu machen: „Für das Reisen in der EU ist das zwar nicht verpflichtend, aber ich habe die Gewähr, dass die Angaben dort einheitlich sind und das Dokument in anderen EU-Staaten akzeptiert wird.“ Für die Ausstellung sind in Deutschland derzeit die Apotheken verantwortlich.

Etwas schwieriger ist die Situation hingegen für Reisende, die aufgrund einer Corona-Infektion lediglich einmal geimpft wurden. Hier könnte es vor Ort zu Verständnis- oder Akzeptanzproblemen kommen, doch Wojtal hat einen einfachen Rat: „Es spricht viel dafür, sich das Zertifikat zumindest in Papierform zu besorgen.“

Urlaub und Coronavirus: Über Corona-Maßnahmen informieren

Ein weiter wichtiger Punkt, den Urlauber auf ihrer Checkliste für den Sommerurlaub abhaken sollten, ist die Maskenpflicht. Während diese in Deutschland derzeit zur Debatte steht und in Baden-Württemberg draußen bereits aufgehoben wurde, kann die Lage in anderen Ländern gänzlich anders sein.

„Im Ausland werden die Corona-Regeln teils noch viel strenger gehandhabt als in Deutschland“, betont Budde. „Kein Hotelier oder Restaurant möchte sich nämlich in der Zeitung wiederfinden. Es wird alles dafür getan, dass die Regeln auch beachtet werden.“ Allerdings könnten einige Maßnahmen in den Hotels etwas sehr strikt wirken. „Aber das dient alles der Sicherheit“, stellt Budde klar.

Entsprechend sollten genug Masken im Reisegepäck verstaut werden. Doch nicht nur die Auslegung der Maskenpflicht kann sich unterscheiden, auch die örtlichen Vorschriften für die Gastronomie oder Freizeiteinrichtungen können anders sein als in Deutschland. Doch das kann auch Vorteile haben, wie die Reisebüroinhaberin betont: „Auf Ausflügen zum Beispiel mit einem Boot haben Sie mehr Platz, weil die Belegung geringer ist.“

Urlaub und Coronavirus: Negativer Test auch bei der Rückreise Pflicht

Welche Corona-Maßnahmen und Testanforderungen vor Ort gelten, lässt sich über die EU-Website reopen.europa.eu/de herausfinden. Doch damit ist die Reisevorbereitung für den Corona-Sommerurlaub noch lange nicht abgeschlossen, denn auch für die Rückreise gibt es einiges zu beachten.

So schreibt die aktuelle Corona-Einreiseverordnung laut Welt vor, dass alle Urlauber, die mit dem Flugzeug nach Deutschland zurückreisen, schon beim Boarding am Flughafen einen negativen Antigen-Schnelltest vorlegen. Die Einstufung des Landes durch das RKI ist dabei egal. Ausgenommen sind lediglich Geimpfte oder Genesene. „Liegt die abschließende Impfung 14 Tage und länger zurück, ist für die Rückreise nach Deutschland mit dem Flugzeug kein Corona-Test mehr nötig“, betonte Budde. „Da reicht der Impfausweis.“

  • Anmeldepflicht: Urlauber sind nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet dazu verpflichtet, die digitale Einreiseanmeldung auszufüllen und die erhaltene Bestätigung bei Einreise mit sich zu führen. Die Bestätigung wird durch den Beförderer und gegebenenfalls zusätzlich durch die Bundespolizei im Rahmen grenzpolizeilicher Aufgabenwahrnehmung kontrolliert.
  • Nachweispflicht: Reisende nach Voraufenthalt in einem Hochinzidenz- oder Virusvariantengebiet müssen grundsätzlich bereits bei Einreise einen negativen Testnachweis mit sich führen und im Falle der Beanspruchung eines Beförderers diesem den Nachweis zum Zwecke der Beförderung vorlegen. Bei Voraufenthalten in einem Hochinzidenzgebiet ist auch die Vorlage eines Impf- oder Genesenennachweises möglich. Eine Beförderung ohne Nachweis ist ausgeschlossen. Bei Einreise nach Voraufenthalt in einem einfachen Risikogebiet müssen Reisende spätestens 48 Stunden nach Einreise ein negatives Testergebnis, einen Impf- oder Genesenennachweis besitzen. Die Nachweise müssen über das Einreiseportal hochgeladen werden.
  • Quarantänepflicht: Einreisende nach Voraufenthalt in Risikogebieten sind grundsätzlich verpflichtet, sich unverzüglich nach der Einreise auf direktem Weg zu Ihrem Wohnort oder in eine andere geeignete Unterkunft (z.B. Hotel) zu begeben und sich nach Ihrer Einreise ständig dort aufzuhalten (sog. Quarantäne). Die grundsätzliche Quarantänezeit nach Voraufenthalt in einem einfachen Risikogebiet oder einem Hochinzidenzgebiet beträgt 10 Tage und nach Voraufenthalt in einem Virusvariantengebiet 14 Tage.
  • Beendigung der Quarantäne: Wer aus einem Risikogebiet einreist, kann die Quarantäne beenden, wenn  ein negativer Testnachweis, ein Genesenennachweis oder ein Impfnachweis über das Einreiseportal der Bundesrepublik übermittelt wird. Wer in einem Hochinzidenzgebiet war, kann sich nach fünf Tagen freitesten. Nach Aufenthalt in Virusvariantengebieten sind auch Personen mit Test-, Genesenen- oder Impfnachweis zu einer vierzehntägigen Quarantäne verpflichtet. Diese kann auch nicht vorzeitig beendet werden.

Entsprechend sollten sich Reisende vor Ort erkundigen, wo Testzentren sind, so der Rat der Reiseexpertin. „Am besten im Hotel nachfragen, die wissen das.“ Wann man sich darum kümmern sollte, ist jedem selbst überlassen und hängt auch etwas von der Infrastruktur ab. Teilweise brauchen Urlauber aber auch nicht lange suchen, weil das Hotel selbst Tests anbietet. Anders als in Deutschland sind diese aber nicht immer kostenfrei. Wer hingegen mit dem Auto reist, hat nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet 48 Stunden Zeit, sich testen zu lassen.

Urlaub und Coronavirus: Expertin mahnt zur Vorsicht

Unabhängig von Corona empfiehlt es sich zudem zu überprüfen, ob man eine Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen hat. Über diese werden sämtliche Kosten abgerechnet, die die gesetzliche Krankenkasse bei einer medizinisch notwendigen Behandlung im Ausland nicht übernimmt. Sofern eine Pandemie nicht ausgeschlossen ist, gilt das also auch im Fall einer Erkrankung mit Covid-19.

Denn auch wenn die Infektionszahlen aktuell niedrig sind, die Pandemie ist noch nicht überwunden. Das weiß auch Verbraucherschützerin Wojtal: „Urlauber sollten vorsichtig sein. Es können weiter lokale Hotspots entstehen. Wer jetzt reist, kann das tun, und die Bedingungen könnten sehr viel schlechter sein. Aber ich darf nicht erwarten, dass es schon die Rückkehr zur Normalität sein wird.“ Ähnlich sieht es auch Budde: „Man sollte sich jetzt auf den Urlaub freuen – auch wenn es ein bisschen mehr Bürokratie ist als sonst.“

Rubriklistenbild: © Clara Margais/dpa

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