Tatort, ARD

Neuer Tatort aus Saarbrücken: „Das fleißige Lieschen“ ist übermotiviert

Da schauen sie und wir auch: Sträßer, Westernströer, Urhausen und Burlakov (v.l.n.r.). Manuela Meyer/SR
+
Da schauen sie und wir auch: Sträßer, Westernströer, Urhausen und Burlakov (v.l.n.r.). 
  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
    schließen

Die neuen Tatort-Ermittler aus Saarbrücken stellen sich mit einem effektvollen Auftakt vor.

  • Tatort: Neue Ermittler in Saarbrücken
  • Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer in der ARD
  • „Das fleißige Lieschen“ - Tatort am Ostermontag

Es fängt wie immer ungewöhnlich an. Beim Erfinden der ersten Szene für einen ersten Tatort-Team-Einsatz muss der Druck irrsinnig sein. Das Ergebnis diesmal: Eine unorthodoxe Handgreiflichkeit im ÖPNV, und der Täter erweist sich wenige Minuten später als der neue Kommissar. Darf ein Polizist das? Selbstverständlich darf er es nicht, aber er hat es schlau angestellt, keinerlei Zeugen auf seiner Seite des Bildschirms. Und die paar Millionen Menschen auf der anderen Seite warten bestimmt erstmal ab.

Der andere neue Kommissar, den aber nur wir noch nicht kennen – es klingt zart an, dass er sein Leben komplett in Saarbrücken verbracht hat –, ringt mit den Ärgernissen einer internen Ermittlung. Bei ihm verhält es sich umgekehrt: Er schießt anscheinend selbst dann nicht, wenn es nach polizeilichem Ermessen geboten wäre.

Tatort in der ARD: Neues Ermittlerteam in Saarbrücken im Einsatz

Ein seltsames Paar, Leo Hölzer und Adam Schürk, zwei junge Typen – als Gastrollen wären sie ein undurchsichtiges Team aus einer Werbeagentur, zum Beispiel –, die sich von früher kennen und mögen. Leo (Vladimir Burlakov) ist der Mann, der nicht schießt, Adam (Daniel Sträßer) ist der Mann, der nicht nur schießt. Jetzt fängt das Drehbuch von Hendrik Hölzemann sofort an, das näher auszuführen – nun hat Leo schon wieder nicht geschossen, während Adam sofort geschossen hat, und so weiter, denn dem Publikum soll die künftige Konstellation klar vor Augen stehen. Der eine ist so, der andere so. Aber die neuen Saarbrücker – die nach 18-mal Palu (Jochen Senf), siebenmal Kappl (Maximilian Brückner) und achtmal Stellbrink (Devid Striesow) übernehmen – haben noch mehr auf Lager.

„Tatort: Das fleißige Lieschen“,  ARD, Ostermontag, 20.15 Uhr.

In Rückblenden zeigen Hölzemann und Regisseur Christian Theede Szenen aus Leos und Adams Kindheit. Da läuft einiges schief, da bahnt sich Böses an, und man ahnt das Böse, dann sieht man das Böse, dann begreift man, wie es heute noch eine Rolle spielt im Leben von Leo und Adam, eine böse Rolle. Eine tragische. Auf einer Aufdringlichkeits-Skala von 1 bis 10 (10 wäre die höchste Aufdringlichkeit) liegt das Engagement, mit dem diese Vorgeschichte erzählt und verdeutlicht und schließlich noch mehr verdeutlicht wird, bei 7 bis 8. Aber man ist sehr interessiert.

Das macht Theedes ruhiges Erzählen und knapp nicht zu aufdringliches In-Szene-Setzen (nirgends eine 10). Und das macht das gerade in seiner smarten Gewöhnlichkeit originelle Ermittlerpaar, zwei introvertierte Männer, die so tun, als wüssten sie nicht, wie hübsch sie sind und wie hübsch sie ihr Haar tragen, und die mit einer schweren Last leben müssen. Dazu zwei Kolleginnen (Brigitte Urhausen und Ines Marie Westernströer), die es wohl faustdick hinter den Ohren und nichts gegen dicke Luft im Büro haben. Unsympathisch, ungemütlich. Mal sehen, was daraus wird.

Tatort in der ARD: „Das fleißige Lieschen“ ist übermotiviert

Der Fall selbst, „Das fleißige Lieschen“ (wer sich den Titel merkt, muss nicht so lange rumraten), ist übermotiviert nach Art erster Tatort-Folgen. Die Geschichte von Leo und Adam spiegelt sich dabei in einer sämtliche Klischees von Fabrikantenfamilien perfekt reproduzierenden Fabrikantenfamilie. Als Alptraum eines Patriarchen ist Dieter Schaad ein genießerischer, faschistoider Rüpel und Lump. Der tote Enkel scheint dem Großpapa an sozial abgefedertem Schurkentum in nichts nachgestanden zu haben. Die Finsternis reicht tief in die Vergangenheit zurück.

Wer den feinen Leuten generell misstraut und zugleich immer schon Vorbehalte gegen eine bestimmte Berufsgruppe hatte (nein, nicht gegen Gärtner), der ist wie die beiden Ermittler auf der richtigen Spur. „Wer den Hund findet, findet den Täter“, das ist bei allen sanften Irreführungen und Verkomplizierungen der kriminalistischen Handlung eine schöne, solide Krimi-Weisheit.

Dann aber: Ein letzter Satz wie ein Donnerschlag, ein echter Cliffhanger.

Von Judith von Sternburg

Ein Spielfilm als Blick durchs Schlüsselloch in den inneren Zirkel der politischen Macht während der Krise im Sommer 2015.

Große Fragen, unaufgeregt verpackt: DerFrankfurt-Tatort „Die Guten und die Bösen“ mit Hannelore Elsner.

Darf er das? Die Antwort gibt der neue ARD-Tatort: "Das dürfen wir nicht!"

Im Tatort aus Köln ist Max Ballauf traumatisiert. Die Handlung führt in eine psychiatrische Klinik.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema