TV-Kritik zum Tatort

Schwarzwald-Tatort irrlichtert durch einen trostlosen Wald des Begehrens

David (Andrei Viorel Tacu) und Romy (Darja Mahotkin) lassen sich von der Fasnetstimmung mitreißen.
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David (Andrei Viorel Tacu) und Romy (Darja Mahotkin) lassen sich von der Fasnetstimmung mitreißen.
  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Der Schwarzwald-Tatort „Ich hab im Traum geweinet“ erzählt zur Fasnet Geschichten des fatalen Begehrens.

  • TV-Kritik zum Schwarzwald-Tatort im Ersten
  • Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner ermitteln zum vierten Mal
  • „Ich hab im Traum geweinet“ zeigt 08/15-Hotelzimmer und -betten

Als in der 37. Minute ein Polizeiabsperrband durchs Bild flattert, stellt sich bei der Rezensentin eine gewisse Erleichterung darüber ein, dass es sich ja doch irgendwie um einen Film der Reihe „Tatort“ zu handeln scheint. Und nicht um einen etwas unbeholfenen und chaotischen, hm, Softporno vielleicht? Denn im Schwarzwald, wo nun zum vierten Mal Eva Löbau als Hauptkommissarin Franziska Tobler und Hans-Jochen Wagner als Hauptkommissar Friedemann Berg ermitteln, ist diesmal Fasnet

Das ist kein Spaß – möchte jedenfalls meinen, wer aus einer eher karnevalsfernen Gegend kommt. Denn obwohl die schwäbisch-alemannische Fastnacht 2014 ins Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde, könnte man an diesem Sonntagabend auf die Idee kommen, dass es dabei ums Ficken, Saufen und höchstens noch straflose Zuschlagen geht.

Schwarzwald-Tatort im TV: Ein Titel nach Heine

Der feine Tatort-Titel, nach einem Gedicht von Heinrich Heine, lässt das nicht unbedingt erwarten: „Ich hab im Traum geweinet“. Berg haspelt Tobler zwar kurz den Suff-Traum runter, aus dem er just erwacht ist – es kommen vor: Frau mit Kind, Frau mit Maske, die dann stirbt –, aber anders als im Magdeburg-Polizeiruf vor gerade einer Woche dauert das kaum drei Sätze. Jan Eichberg, Buch, und Jan Bonny, Regie, lassen es auch nicht weiter wichtig sein.

Sie haben nämlich diesem Film die Fahrig- und Haltlosigkeit der Fasnet gegeben. Die Bilder schwanken, torkeln, reißen ab. Gerade hat man ein junges Paar mit Kind gesehen, das den Narren zusieht, dann schlagen diese schon zu, dann zofft sich das Paar schon, dann ist die junge Frau, Romy (Darja Mahotkin), schon mit einem anderen im Hotelzimmer, dann noch mit einem anderen ….

Der andere, Philip (Andreas Döhler), ist eigentlich mit seiner Frau Elena (Bibiana Beglau) angereist, die eine Schönheits-OP machen lassen will in der Klinik, in der Romy Krankenschwester ist und David Hans (Andrei Viorel Tacu), der junge Mann aus der ersten Szene, Arzt. Alle haben so ziemlich mit allen zu tun, denn Romy hat früher als Escort gearbeitet.

Schwarzwald-Tatort im TV: Ermittler wie der Elefant im Porzellanladen

„Tatort: Ich hab im Traum geweinet“, ARD, Sonntag, 23.02., 20.15 Uhr.

Sie kommt nicht los von den Männern, die Männer kommen nicht los von ihr. Und Matthias Reim singt: „Verdammt, ich lieb’‘ dich / Ich lieb’ dich nicht / Verdammt, ich brauch’ dich /Ich brauch’ dich nicht“. Und Britney Spears singt: „Oops, I did it again“. Eine fatal attraction, die hier allerdings wirklich gar nichts Glamouröses hat.

„Ich hab im Traum geweinet“ zeigt 08/15-Hotelzimmer und -betten, grobe Männer, kaum weniger grobe Frauen, dazu Ermittler, die nicht mehr stehen können vor lauter Saufen und das Fingerspitzengefühl eines Elefanten haben. „Verträgscht du nix mehr?“ fragt Tobler ihren Kollegen. Als Berg sich aufgerappelt hat, so einigermaßen, landen auch die beiden im Bett. Sie will am nächsten Tag tun, als sei nichts gewesen. Er nicht. Er nennt sie eine blöde Kuh. Sie schreit: Ich hasse dich!

Ein bisschen heillos waren die Schwarzwald-Tatorte von Anfang an*. Dieser nun irrlichtert durch einen dunklen, vor allem aber trostlosen Wald des Begehrens – aus dem die meisten Figuren nicht mehr hinausfinden werden. Einen Mord gibt es übrigens schon auch, die Polizei rückt, wie gesagt, in Minute 37 an, aber arg viel Aufmerksamkeit bekommt der Fall diesmal nicht.

Von Sylvia Staude

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