„Tatort“, ARD

Sein Kaugummi macht sie wahnsinnig

Und wie ihnen das stinkt (v. l.): Mitschowski, Faber, M. Scholz, Bönisch, Rettenbach, Ziesing, Chr. Scholz, Krusenstern, Möller.
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Und wie ihnen das stinkt (v. l.): Mitschowski, Faber, M. Scholz, Bönisch, Rettenbach, Ziesing, Chr. Scholz, Krusenstern, Möller.
  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Improvisation, Verwirrung, Psychospiel und Spaß bietet mit „Das Team“ der erste „Tatort“ (ARD) im neuen Jahr. Die TV-Kritik. 

Am Anfang herrscht Verwirrung. Ziemliche Verwirrung auch (oder gerade?) für eine regelmäßige „Tatort“-Guckerin. Da kommen in einem vom SEK bewachten Hotel Peter Faber und Martina Bönisch an, okay, und da ist auch Nadeshda Krusenstern, Dortmund und Münster also. Aber Kommissar Thiel, wird sich gleich rausstellen, ist angeschossen worden (nur „leicht verletzt“, keine Sorge) und kann nicht da sein. Hm. Krusenstern wird allerdings mehrfach mit ihm telefonieren, um sich in dieser ungewöhnlichen Situation Rat zu holen. Verständlich.

„Tatort: Das Team“ (ARD): Am Anfang herrscht Verwirrung 

Es treffen weitere Ermittler im streng bewachten, eigentlich leerstehenden Tagungshotel ein, Ermittler namens Franz Mitschowski, Marcus Rettenbach (den wir gerade erst zusammen mit Lena Odenthal gesehen haben, weil er von Ben Becker gespielt wird, aber da hat er sich am Schluss doch erschossen – und hieß er nicht auch anders?), Ermittler namens Nadine Möller und Sascha Ziesing. Letzerer aus Paderborn – nichts gegen Paderborn, aber seit wann wird dort ein „Tatort“ gedreht? Zwei Coaches, die Brüder Martin und Christoph Scholz, sollen das Beste bzw. neue Erkenntnisse bezüglich Morden an Kollegen aus den sieben nun versammelten (vielmehr: eingesperrten) Kommissaren rausholen. Coach Christoph Scholz wird von Charly Hübner gespielt; immerhin sieht der im Anzug anders aus als im „Polizeiruf“.

„Tatort: Das Team“ (ARD): Viel Spaß 

Hätte man sich vorher besser über den Regisseur des Tatorts „Das Team“ informiert, wäre man klüger gewesen: Jan Georg Schütte nämlich ist „Spezialist für Drehs ohne festes Drehbuch“. Und so hat er bekannte Darsteller wie eben Ben Becker, Jörg Hartmann, Nicholas Ofczarek (als Mitschowski), Bjarne Mädel (als Martin Scholz), Elena Uhlig (als Nadine Möller) improvisierend aufeinander gehetzt. Das Ergebnis ist ein bisschen seltsam und total unlogisch: Wie bei Agatha Christie sind Leute eingeschlossen und einer von ihnen muss der Mörder sein – aber warum sollte irgendwer sieben Kommissare zusammensperren, statt sie ordentlich recherchieren zu lassen?

Lesen Sie hier: Der aktuelle Tatort aus Saarbrücken - wie sich das neue Ermittlerpaar macht

Das Ergebnis ist aber auch ein ziemlicher Spaß. Und schließlich spricht zu Anfang Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet höchstpersönlich und sehr ernst von „unkonventionellen Maßnahmen“, die nun mal nötig seien, um den Mörder/ die Mörderin von vier Polizisten zu fassen. Dazu mahnt Charly Hübner, äh, Coach Scholz: „Ihr seid alle potentiell bedroht.“

„Tatort: Das Team“ (ARD): Es fliegen die Fetzen 

So spielen die fiktiven Kommissare (eher unwillig) und echten Schauspieler (eher als Gaudi) also Psycho-Spielchen mit: Sich paarweise in die Augen schauen; auf einem Stuhl im leeren Schwimmbecken sitzen und private Fragen beantworten; sich gar Handschellen anlegen lassen. Irgendwie mag fast jeder fast jeden nicht. Irgendwie hatte fast jeder mit fast jedem was. Und alle kannten, mehr oder weniger, die vier ermordeten Kollegen.

Man schaut sich grimmig an. Man sagt „fick dich“. Krusenstern raunt Bönisch (Friederike Kempter also Anna Schudt) zu: „Und ich hoff’, ich werd’ nicht wie du.“ (Hört Friederike Kempter etwa deswegen beim Münster-Tatort auf?) Krusenstern weiß außerdem, woher bloß?; dass Mitschowski eigentlich Aschenbrödel, nee, Achim Brödel heißt. Mitschowski sagt zu Ziesing (Friedrich Mücke): „Mit dir stimmt was nicht.“ Bönisch dafür zu ihm: „Dein Kaugummi macht mich wahnsinnig.“

Die Fetzen fliegen zwischen den sieben Ermittlern, Konfetti ist nichts dagegen. Scholz & Scholz sind verzweifelt – oder spielen es jedenfalls. Oder spielen, dass sie es spielen. Zwischendurch ermahnt man sich zu Ernsthaftigkeit, aber das nützt nicht viel. Auch nützt es am Ende nichts, dass Regisseur Schütte als SEK-Chef persönlich Wache steht: Eine weitere Person wird ermordet. Potzblitz. Das muss doch endlich rauszukriegen sein, wer es hier auf Polizisten abgesehen hat …

„Tatort: Das Team“, ARD, 1. Januar, 20.15 Uhr.

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