Bis zu sechs Monate Sportpause

Omikron überstanden? Ab wann Sie wieder Sport treiben dürfen – Herzspezialisten geben Empfehlung ab

  • Juliane Gutmann
    VonJuliane Gutmann
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Wer sich nach einem Infekt zu früh wieder stark verausgabt, riskiert eine Herzmuskelentzündung. Die US-Kardiologenvereinigung informiert, wie lange Sie sich nach Corona schonen sollten.

Immer wieder machen Berichte über Herzmuskelentzündungen* nach einer Corona-Infektion die Runde. Häufige Ursache für eine Herzmuskelentzündung ist ein vorangegangener, nicht vollständig auskurierter Infekt – dabei kann es sich um eine Corona-, aber auch um eine Grippevirusinfektion handeln. Daher gilt: Schonen Sie sich nach jeder Art der Viruserkrankung. Sehr wichtig ist, dass Sie nicht bei den ersten Zeichen der Besserung sofort wieder in den stressigen Alltag starten. Auch anstrengender Sport sollte vorerst gemieden werden. Doch wie lange? Reichen wenige Tage aus oder sollte man besser ein paar Wochen auf das Workout verzichten?

Die US-amerikanische Kardiologenvereinigung – American College of Cardiology, kurz ACC – gab kürzliche ein Empfehlungspapier heraus, das Ärztinnen und Ärzten eine einheitliche Orientierung bei derartigen Fragen bieten soll.

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Nach Covid-19 sollte man nicht sofort wieder mit dem Training starten.

Nach Corona auf Sport verzichten: Trainingsverzicht von Krankheitsverlauf abhängig

Die Herzspezialisten des ACC unterscheiden in ihrer Empfehlung zwischen asymptomatischem Corona-Verlauf, milden Beschwerden und einem schweren Krankheitsverlauf mit Herzbeteiligung. Der Sportverzicht* sollte entsprechend wie folgt angepasst werden:

  • Sie sind Corona-positiv, haben allerdings keine Symptome: Das ACC empfiehlt hier eine Sportpause von drei Tagen – für Leistungssportler. Sie sind Hobbysportler und symptomfrei? Die Krankenkasse IKK classic rät zu einer Trainingspause von einer Woche, selbst wenn Sie wenig bis keine Symptome haben. Starten Sie mit leichten Einheiten, die Sie langsam steigern, heißt es weiter vonseiten der IKK. Auch bei einem milden Verlauf solle man intensive Belastungen für etwa zwei Wochen vermeiden.
  • Die Corona-Infektion verläuft mild ohne Herz-Lungen-Beschwerden: Beginnen Sie erst dann wieder mit Sport, wenn Sie komplett beschwerdefrei sind und seit fünf Tagen kein Fieber mehr haben – so die IKK. Das Klinikum rechts der Isar in München empfiehlt bei Krankheitsanzeichen wie Husten oder Fieber eine Sportpause von zwei bis vier Wochen. Nur so kann gefährlichen Komplikationen wie Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Herzrhythmusstörungen, Vernarbungen an der Lunge (Fibrosen) oder Gefäßverschlüssen (Embolien, Thrombosen) effektiv vorgebeugt werden, heißt es weiter. „Eine Sporttauglichkeitsuntersuchung inklusive Ruhe-EKG empfehlen wir selbst bei einem symptomfreien Verlauf, denn Covid-19 führt auch zu einer Entzündung der Blutgefäße. (...) Intensive sportliche Belastungen während einer Entzündung können schwerwiegende Folgen haben, bis zum Herzstillstand oder plötzlichen Herztod“, so die Information vonseiten des Klinikums rechts der Isar.
  • Es liegt ein Corona-Infekt und eine diagnostizierte Herzmuskelentzündung vor: Sportler sollten in dem Fall laut ACC-Empfehlung drei bis sechs Monate pausieren und erst wieder mit dem Training starten, wenn keine Herz-Lungen-Beschwerden mehr vorhanden sind. Vor der Wiederaufnahme des Trainings sollte sich zudem die Leistungsfähigkeit des Herzens normalisiert haben und im Belastungstest dürfen keine Rhythmusstörungen auftreten, heißt es weiter in einer Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung. „Intensive sportliche Aktivitäten sollten nach einer sicher anzunehmenden Myokarditis etwa sechs Monate vermieden werden und erst nach einer kardiologischen Kontrolluntersuchung mit unauffälligen Befunden wieder aufgenommen werden“, so Professor Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Die oben genannten Informationen ersetzen nicht den Arztbesuch. Bei Brustschmerzen, Luftnot und Herzrasen/Herzstolpern in Verbindung mit einer Corona-Infektion sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen, der Sie gegebenenfalls an einen Kardiologen überweist. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sus Pons via www.imago-images.de

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