Corona-Impfung ohne Handschuhe

Aufschrei nach Lucha-Impfung: Wo war die Schutzkleidung?

Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) bei seiner Corona-Impfung in Ravensburg.
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Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) bei seiner Corona-Impfung in Ravensburg.
  • Christina Rosenberger
    vonChristina Rosenberger
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Auch Baden-Württembergs Sozial- und Gesundheitsminister Manne Lucha hat sich jetzt gegen Corona impfen lassen - doch es gab scharfe Kritik.

Manfred Lucha (Grüne) hat aktuell alle Hände voll zu tun. Der Sozial- und Gesundheitsminister des Südwestens ist mit vielen Aufgaben rund um das Thema Coronavirus betraut - auch die Impfkampagne liegt in seinem Themenbereich - da war es nur eine Frage der Priorisierung, bis Lucha sich selbst auch impfen lässt. Allerdings hätte der Minister wohl nicht mit diesem medialen Aufschrei gerechnet.

Auf der Homepage des Gesundheitsministeriums verkündete Manne Lucha am Freitag (23. April), er habe nun auch seine Corona-Impfung erhalten. Denn seit einer Woche sind jetzt alle Menschen ab 60 Jahren impfberechtigt. Das Präparat: der britische Wirkstoff Vaxzevria des Herstellers AstraZeneca. Der Gesundheitsminister habe sich ganz regulär online über den Impfterminservice angemeldet, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums, und so einen Termin im Kreisimpfzentrum in Ravensburg gebucht.

Corona-Impfung für Sozialminister Lucha: Aufschrei wegen fehlender Schutzkleidung?

Doch das Problem dabei war nicht etwa der Impftermin an sich, sondern eher das Pressefoto, das Lucha gemeinsam mit der Mitteilung veröffentlichte. Leser der Stuttgarter Zeitung machten ihrem Ärger Luft. Eine Leserin der StZ, die beruflich mit Gesundheitsthemen zu tun hat erklärte, es sei „schlimm“, dass Lucha ohne Schutzkleidung und ohne Handschuhe geimpft worden sei.

Hans-Otto Bürger, der Arzt, der den Landessozialminister ohne Schutzkleidung und Handschuhe geimpft hatte, hat dazu jetzt in der StZ Stellung genommen und erklärt: „Es bestehen klare Vorgaben für den Ablauf des Impfens.“ Die habe er auch bei der Impfung des Ministers in Ravensburg beachtet. Handschuhe zum Beispiel seien nur dann angebracht, wenn vom Arm des Patienten eine Infektionsgefahr ausgehe - etwa durch eine eitrige Wunde. Und selbst dann seien die Handschuhe nur zum Schutz des Arztes.

Corona-Impfung für Sozialminister Lucha: Welche Schutzmaßnahmen sind nötig?

Auch das Thema Schutzkittel hat Bürger gegenüber der StZ angesprochen und Entwarnung gegeben. Anfangs hätte man in den Impfzentren zwar noch Schutzkleidung getragen, doch das habe wahnsinnig viel Müll fabriziert. Außerdem sei die Schutzkleidung im Impfzentrum in Ravensburg mittlerweile unnötig, denn alle Impfenden dort vor Ort seien mittlerweile selbst geimpft. Sie könnten selbst entscheiden, ob sie ihre Dienstkleidung tragen wollen - ein Shirt mit Landkreiswappen - oder sich einen leichten OP-Kittel überziehen.

Denn komplett durchgeimpfte Personen scheiden nach aktuellem Stand des Robert Koch-Instituts durch ihre geringe Viruslast als Corona-Überträger aus. Viel wichtiger ist, dass die Einstichstelle gut und zeitgerecht desinfiziert wird, und dass die Impfnadel steril ist. Außerdem sollten sowohl der Impfende als auch der Impfling eine FFP2- oder OP-Maske tragen, weil Covid-19 hauptsächlich durch Aerosole übertragen wird.

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