Arzt kämpft gegen Impfstoffverschwendung

Landet Impfstoff im Müll? Arzt aus Bayern spricht Klartext und startet Petition

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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In der Pandemie ist eine Dosis Impfstoff sehr wertvoll. Trotzdem landen derzeit viele Impfstoffreste im Müll. Ein Arzt aus Bayern startet deshalb eine Petition.

Die Impfstoffe gegen das Coronavirus sind in Deutschland derzeit Mangelware. Umso unverständlicher ist es, dass eigentlich noch gute Impfstoffreste im Müll landen. Eine Tatsache, die auch Allgemeinmediziner Christian Kröner aus Neu-Ulm in Bayern nicht verstehen kann. Er sagt: „Aus fast jeder Ampulle des Impfstoffs von Biontech/Pfizer können sieben Impfstoffdosen gewonnen werden.“ Offiziell sei aber nur die Entnahme von sechs Dosen zugelassen, bemängelt der Mediziner.

Impfstoffverschwendung in Deutschland: Arzt findet Unglaubliches heraus

Laut der Deutschen-Presse-Agentur (DPA)  arbeitet Kröner selbst in einem Impfzentrum mit und kennt daher das Problem von zu wenig Impfstoffdosen nur zu genau. Dass pro Ampulle Impfstoff eine Impfstoffdose im Müll landet, ist für Kröner unverständlich. Deshalb startet der Arzt aus Neu-Ulm in Bayern eine Petition gegen das Wegwerfen der Impfstoffreste in Deutschland. Der Redaktion von echo24.de liegt die Petition von Kröner an die Landesparlamente im Original vor.

In der Petition von Kröner heißt es wörtlich: „Die Impfstoffverschwendung kostet massiv Menschenleben.“ Er könne es nicht mit seinem ärztlichen Gewissen vereinbaren, dass Impfstoffdosen derart verschwendet werden. Deshalb fordert der Mediziner aus Bayern in seiner Petition die Landtage der Bundesländer auf, „die Impfdosisentnahme unter der Voraussetzung der völligen Entnehmbarkeit einer vollständigen siebten Dosis zur Verwendung durch die Impfzentren freizugeben“.

Impfstoffverschwendung in Deutschland: So reagieren die Landesparlamente

Nicht nur aus Ampullen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer, sondern auch aus denen anderer Hersteller können mehr Impfstoffdosen gewonnen werden. So könnten laut Kröner aus einer Ampulle des Impfstoffs von AstraZeneca bis zu zwölf Impfstoffdosen entnommen werden. Bisher werden aus einem Fläschchen AstraZeneca lediglich zehn Impfstoffdosen gewonnen. Und auch aus Modernas Vakzin gegen das Coronavirus könne man mehr Impfstoffdosen gewinnen, schreibt Kröner in seiner Petition an die Landtage.

Impfstoffreste sollen nicht im Müll landen. Der bayrische Mediziner Christian Kröner starten deshalb eine Petition.

Erste Landesregierungen in Deutschland haben bereits auf die Petition von Christian Kröner reagiert. Die Regierungen in Hessen und Nordrhein-Westfalen haben mitgeteilt, dass die Ampullen ganz geleert werden dürfen. Heißt: Keine Dosis der wertvollen Vakzine landet dort mehr im Müll. Anders sieht das in Bayern und Baden-Württemberg aus. Wie die DPA berichtet, verweisen die Regierungen der beiden großen Bundesländer auf die europaweite Zulassung der Impfstoffe gegen das Coronavirus.

Impfstoffverschwendung in Deutschland: EU sagt: „Nur sechs Dosen“

Von der Europäischen Union heißt es, dass in den Arzneimittelfläschchen nur sechs Impfstoffdosen enthalten seien. Dennoch wollen die zuständigen Ministerien in Bayern und Baden-Württemberg pragmatische Lösungen nicht ausschließen. „Die Entscheidung, ob die siebte Dosis entnommen wird, sofern dies möglich ist, liegt bei den Verantwortlichen der Impfzentren“, sagt Markus Jox vom Sozialministerium Baden-Württemberg. Ein Regierungssprecher aus Bayern äußerte sich dazu ähnlich.

Die Impfstoffverschwendung kostet massiv Menschenleben.

Christian Kröner, Allgemeinmediziner aus Bayern

Übrigens: Jeder Bürger in Deutschland kann die Petition von Christian Kröner unterstützen. Einfach die Petition ausdrucken, unterschreiben und anschließend per Mail oder Post an die jeweilige Landesregierung schicken. Das Petitionsrecht gibt es in allen sechzehn Bundesländern. Auf der Homepage von Christian Kröner kann die Petition ganz einfach heruntergeladen und ausgedruckt werden. Je mehr Leute mitmachen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Petition in Deutschland durchkommt.

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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