Verlust von 15 Millionen Impfdosen

Europa als Leidtragender? Impfstoff-Panne bei Johnson & Johnson

Nach Thrombosefällen sollen in den USA Impfungen mit dem Corona-Vakzin von Johnson & Johnson vorerst ausgesetzt werden.
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Muss die EU weiterhin auf die Lieferungen von Johnson & Johnson warten?
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Seit 11. März ist der Johnson & Johnson-Impfstoff in der EU zugelassen – doch bisher wurde keine Dose geliefert. Nach der Panne in den USA sind Verzögerung möglich.

Im Kampf gegen das Coronavirus kommt es auf jede Impfstoffdose an. Um so dringender wartet die Europäische Union (EU) auf erste Lieferungen des US-Unternehmens Johnson & Johnson, dessen Impfstoff im März die Zulassung von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) erhalten hatte.

Bislang wartet man in Europa jedoch vergeblich, möglicherweise auch wegen eines Produktionsfehlers in den USA, durch den 15 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs unbrauchbar wurden. „Wir gehen derzeit weiter davon aus, dass wir unsere Zusage einhalten können, der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten im Jahr 2021 200 Millionen Dosen zu liefern“, erklärte eine Sprecherin der Johnson & Johnson-Tochter Janssen – die den Impfstoff in den Niederlanden herstellt – auf Anfrage des Spiegels.

Impfstoff von Johnson & Johnson: Produktion in den Niederlanden, Dosen-Abfüllung in den USA

Auf die mehrfache Nachfrage, ob Johnson & Johnson die mit der EU vereinbarte Lieferung von 55 Millionen Impfstoffdosen bis Ende Juni einhalten werde, antwortete die Sprecherin: „Wir (...) kommentieren einzelne Mengen nicht öffentlich.“ Sollte der US-Konzern die Lieferung nicht erfüllen, wäre das ein erneuter Rückschlag für die Impfkampagnen der EU-Länder sein.

Denn: Es ist unklar, ob für die 15 Millionen Impfdosen nun Ersatz aus dem Werk im niederländischen Leiden in die USA geliefert wird und ob Europa das Nachsehen hat. Wie der Spiegel weiter berichtet, wäre es nicht das erste Mal. Recherchen des Magazins hatten ergeben, das ein Großteil oder sogar alle Dosen des in den USA verimpften Johnson & Johnson-Impfstoffs aus den Niederlanden stammten.

Impfstoff von Johnson & Johnson: EU wegen Lieferung optimistisch

Die im dortigen Jenssen-Werk hergestellte Impfstoff-Substanz sei bislang ausschließlich in den USA abgefüllt worden, wo das Vakzin von Johnson & Johnson – das nur einmal geimpft werden muss – bereits millionenfach zum Einsatz kam. Die EU erwartete eine erste Lieferung bislang jedoch erst am 19. April, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nannte für die ersten Lieferungen nach Deutschland gar die Woche vom 12. April. Aufgrund von Problemen mit Blutgerinnseln verzögert sich die Auslieferung jedoch weiter.

Eine frühere Lieferung sei indes daran gescheitert, dass die USA „jeden Export blockiert“ hätten, wie EU-Binnenmarktkommissar und Leiter der Brüsseler Impfstoff-Taskforce, Thierry Breton, dem Spiegel mitteilte. In Brüssel zeigte man sich dennoch zuversichtlich, das Johnson & Johnson die zugesagte Lieferung erfüllt. So sagte eine Kommissionssprecherin dem Spiegel, sie sei „zuversichtlich, dass Johnson & Johnson die Kapazität hat, im zweiten Quartal die angekündigten 55 Millionen Dosen zu liefern“. Immerhin soll der Impfstoff künftig auch in Europa abgefüllt werden, dazu hatte das US-Unternehmen zuletzt mehrere Partnerschaften mit Unternehmen in Europa geschlossen.

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