Gibt es einen Zusammenhang?

AstraZeneca-Impfstoff: Nach Thrombose-Wirrwarr – EMA-Einscheidung gefallen

Europäische Arzneimittelbehörde EMA
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Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) in Amsterdam.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Thrombose-Fällen und dem AstraZeneca-Impfstoff? Die Europäische Arzneimittelbehörde hat nun über die Zukunft des Vakzins entschieden.

Update, 7. April: Gibt es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Impfung mit AstraZeneca und Thrombosen im Gehirn? Mit dieser Frage hat sich die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) in den vergangenen Tagen einmal mehr beschäftigt. Bereits am Dienstag wurde bekannt, dass die Behörde inzwischen von einem solchen Zusammenhang ausgehe.

Da die Prüfung allerdings noch nicht abgeschlossen war, gab es noch keine Entscheidung, wie es mit dem Impfstoff von AstraZeneca in der Europäischen Union weiter gehen soll. Inzwischen ist klar: Trotz der sehr seltenen Fälle von Hirnthrombosen hält die EMA an ihrer Empfehlung fest, Vaxzevria uneingeschränkt zu verwenden.

Astrazeneca-Impfstoff: EMA hält an Einschätzung fest

Somit folgen die Experten der EMA nicht der Einschätzung mehrerer Mitgliedsstaaten, die den Impfstoff nur noch für Menschen über 60 verwenden. „Covid-19 ist eine sehr schwere Erkrankung“, erklärte die EMA-Chefin Emer Cooke während einer Pressekonferenz der Behörde. Zudem betonte Cooke, dass das Vakzin von AstraZeneca effektiv gegen das Coronavirus schütze und alle Impfstoffe benötigt würden, „um eine Erkrankung zu verhindern.

Heißt im Klartext: Die Vorteile des Impfstoffs überwiegen die Risiken! So sieht es auch die Vorsitzende des Risikobewertungs-Komittees der EMA (Prac), Sabine Strauß. „Eine Ad-hoc-Expertengruppe hat eine detaillierte Analyse der 62 Fälle von Sinusvenenthrombosen vorgelegt“, erklärte Strauß laut Spiegel. Davon endeten 18 Fälle tödlich. „Nach ausführlichen Diskussionen kommen wir zu dem Schluss: Die Thrombosen im Gehirn sind sehr seltene Nebenwirkungen vom Impfstoff, weil mehr solcher Fälle auftreten als zu erwarten wäre in der Normalbevölkerung.“

AstraZeneca-Impfstoff: Thrombose-Wirrwarr – neue EMA-Einschätzung geplant

Update, 6. April um 21 Uhr: Die Prüfung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) – ob ein Zusammenhang zwischen den Hirnvenen-Thrombosefällen und einer Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca besteht – dauert weiterhin an. Zuletzt sorgte eine Aussage des Chefs der EMA-Impfabteilung erneut für Diskussionen – er soll gegenüber einer italienischen Zeitung gesagt haben, dass es ein Zusammenhang nicht länger bestritten werden könnte.

Die EMA hat nun allerdings klargestellt, dass die Prüfung von möglichen schweren Nebenwirkungen des AstraZeneca-Impfstoffes noch nicht abgeschlossen ist. Die Überprüfung durch den Sicherheitsausschuss laufe derzeit, sagte eine Sprecherin der EMA der Deutschen Presse-Agentur in Amsterdam. Ein Ergebnis der Europäischen Arzneimittel-Agentur werde für Mittwoch oder Donnerstag erwartet.

Impfstoff von AstraZeneca: Bewertung der möglichen Nebenwirkungen nicht abgeschlossen

In Deutschland hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wegen der Thrombose-Fälle, die vor allem bei jungen Frauen auftraten, beschlossen, das Präparat in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahre zu verabreichen – für jüngere Menschen ist eine Impfung mit AstraZeneca nur nach Aufklärung über die Risiken auf eigene Gefahr und ausdürcklicher Einwillung möglich.

Die Prüfung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) – ob ein Zusammenhang zwischen den Hirnvenen-Thrombosefällen und einer Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca besteht – dauert weiterhin an.

In Deutschland waren bis Anfang vergangener Woche 31 Verdachtsfälle von Hirnvenenthrombosen nach einer AstraZeneca-Impfung gemeldet worden, wie das Paul-Ehrlich-Institut kürzlich berichtete. Etwa drei Millionen Menschen hatten das Mittel bis dahin verabreicht bekommen. In Großbritannien sind bei mehr als 18 Millionen Impfungen mit Astrazeneca insgesamt rund 30 Fälle von seltenen Blutgerinnseln gemeldet worden, wie die Medicines and Healthcare Regulatory Agency (MHRA) vergangene Woche mitteilte. Wie sich die verhältnismäßig höhere Zahl an Fällen in Deutschland erklären lässt, ist noch unklar.

Astrazeneca-Impfstoff: Britische Behörde prüft Thrombose-Fälle

Auch die britische Arzneimittelbehörde untersucht nun Fälle von Blutgerinnseln im Gehirn nach einer Impfung mit dem Präparat von Astrazeneca. Das teilte die MHRA mit. Zuvor hatte es einen Medienbericht gegeben, wonach die Behörde erwägt, das Präparat in Großbritannien nicht mehr für unter 30-Jährige zu empfehlen.

„Unsere gründliche und detaillierte Untersuchung zu Berichten von sehr seltenen und spezifischen Arten von Blutgerinnseln mit einer geringen Anzahl an Blutplättchen nach einer Impfung mit Astrazeneca wird fortgeführt“, sagte MHRA-Chefin June Raine der Mitteilung zufolge, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Eine regulatorische Entscheidung sei noch nicht gefallen, betonte sie jedoch. Die Behörde rief dazu auf, Impftermine weiterhin wahrzunehmen.

Impfstoff von AstraZeneca: Nach Thrombose-Wirrwarr - neue EMA-Einschätzung

Erstmeldung, 6. April um 14 Uhr: Die Diskussionen um den Impfstoff von AstraZeneca wollen einfach nicht abreißen. Erst im Januar erhielt das Vakzin - das neuerdings auf den Namen Vaxzevria hört - die bedingte Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA). Doch gefühlt genauso lange steht der Impfstoff auch in der Kritik.

Neben der vermeintlich geringeren Wirksamkeit und fehlenden Studiendaten - weswegen der Impfstoff zunächst nur für Menschen unter 65 zugelassen wurde - war der Impfstoff von AstraZeneca auch wegen mehrerer Thrombose-Fälle in Verruf geraten. Zeitweise wurde das Vakzin gar nicht mehr geimpft.

Impfstoff von AstraZeneca: Doch Zusammenhang mit Thrombose-Fällen?

Nach einer Überprüfung durch die EMA wurde der Impfbetrieb dann wieder regulär aufgenommen. Inzwischen haben jedoch einige Staaten auf erneute Thrombose-Fälle reagiert, so wird der AstraZeneca-Impfstoff in Deutschland jetzt nur noch Menschen über 60 geimpft.

Besteht also doch ein Zusammenhang zwischen der Impfung mit Vaxzevria von AstraZeneca und den Thrombose-Fällen? In der vergangenen Woche erklärte die EMA-Chefin Emer Cooke dazu noch: „Ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Impfstoff ist nicht bewiesen, aber er ist möglich und die weitere Analyse läuft.“

Impfstoff von AstraZeneca: Nach Thrombose-Wirrwarr - EMA mit neuer Einschätzung

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, scheint diese nun zu einer anderen Einschätzung seitens der EMA geführt zu haben. „Meiner Meinung nach können wir mittlerweile sagen, dass es klar ist, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt“, erklärte der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri der italienischen Zeitung „Il Messaggero“.

Besteht ein Zusammenhang zwischen den Impfungen mit AstraZeneca und mehreren Thrombose-Fällen?

In dem Interview mit „Il Messaggero“ deutete Cavaleri zudem an, dass sich die EMA noch im Laufe des Tages offiziell zu den neuen Erkenntnissen - zu einem Zusammenhang zwischen Thrombose-Fällen und einer Impfung mit AstraZeneca - äußern will. Ursprünglich war eine offizielle Stellungnahme erst für den Mittwoch geplant.

Gut möglich, dass sich auch die Einschätzung der EMA-Chefin Cook ändern wird, diese sagte in der vergangenen Woche: Nach dem jetzigen wissenschaftlichen Stand gibt es keine Belege, die dafür sprechen, die Verwendung dieses Impfstoffs in irgendeiner Bevölkerungsgruppe zu beschränken.“ Allerdings sollten auch hier neue Hinweise ausgewertet werden.

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