Impfstoff in Sicht

Corona-Impfstoff: Mediziner zerstört Hoffnungen –„Erhebliche Kenntnislücken“

  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
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Das Coronavirus breitet immer weiter aus. Doch bald wird womöglich ein Corona-Impfstoff auf den deutschen Markt kommen. Jetzt meldet sich aber ein Mediziner zu Wort und widerspricht optimistischen Vorhersagen.  

Das Coronavirus ist in Baden-Württemberg weiterhin auf dem Vormarsch. Täglich steigen die Infektionen in ganz Deutschland immer weiter in die Höhe. Zu Beginn der kalten Jahreszeit, und somit auch der Weihnachtszeit, gibt es wieder mehr Einschränkungen, die nicht gerade für vorweihnachtliche Stimmung sorgen. Um den permanent nach oben schnellenden Corona-Zahlen Einhalt zu gebieten, rief die Bundesregierung einen erneuten Lockdown-light mit deutlich strengeren Regeln aus, wie echo24.de bereits berichtete. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens sollten nur vier Wochen andauern. Der erneute Lockdown zeigte aber nicht die gewünschte Wirkung. Somit wurde der um einen Monat verlängert, aber dieses Mal mit Ausnahmereglung an Weihnachten und Silvester.

Corona-Impfstoff: Firmen reichen Antrag auf Zulassung ein - deutscher Mediziner zeigt sich besorgt

Und mit jeder erneuten Verlängerung des Lockdown schwindet die Hoffnung der Menschen, dass das Leben bald wieder so sein könnte, wie vor der Pandemie. Die große Hoffnung liegt nun auf einem Corona-Impfstoff. Und die Chancen stehen gut, dass noch in diesem Monat in Europa zwei Impfstoffe gegen Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Erreger zur Verfügung stehen könnten. Denn: Nur ein Tag nach der US-Firma Moderna haben nun auch Biontech und US-Partner Pfizer bekannt gegeben, dass sie für ihren Corona-Impfstoff einen formalen Antrag auf bedingte Marktzulassung bei der europäischen Arzneimittelagentur EMA gestellt haben.

Mit welchen Nebenwirkungen müssen die Menschen aber rechnen? echo24.de hat die bereits erwiesenen Nebenwirkungen in einem Artikel zusammengefasst. Jetzt meldet sich auch ein deutscher Mediziner in einem ORF-Interview zu Wort und stellt viele Aspekte des Corona-Impfstoffes infrage und rät entschieden von einer Impfpflicht ab. Zerstört er damit die letzte Hoffnung der Menschen auf die baldige Rückkehr zur Normalität?

Coronavirus: Impfstoff-Zulassung geht Vorsitzenden der Arzneimittelkommission einfach zu schnell

Die Arbeit an einem Corona-Impfstoff läuft momentan auf Hochtouren. Doch geht die Entwicklung, die unter einem Jahr stattgefunden hat nicht zu schnell für ein sicheres und wirksames Mittel? Dem Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig geht die Entwicklung und die mögliche Markteinführung des Impfstoffes eindeutig zu schnell. „Wir wissen nicht genau, wie viele ältere Patienten oder Probanden mit Begleiterscheinungen, also Risikogruppen, in diesen Studien untersucht worden sind. Wir wissen nichts dazu, wie lange diese Immunität anhält. Wir wissen relativ sicher, dass eine sogenannte sterile Immunität im Moment wahrscheinlich gar nicht erreichbar ist“, erklärte Ludwig in der ORF-Sendung „Im Zentrum“: „Das heißt, dass diejenigen, die sich impfen lassen, die Infektion nicht mehr weitergeben.“

Wie merkur.de berichtet, wurde der Mediziner virtuell in die Sendung zugeschaltet, die Gäste debattierten über eine mögliche Impfpflicht in der Corona-Pandemie in Österreich. Von einer Impfpflicht hält Ludwig offensichtlich nichts.

„Es gibt zwei Ziele bei diesen Impfungen: Das erste Ziel ist eindeutig, dass man sich selbst vor schweren Covid-19-Verläufen schützt. Das können wir im Augenblick nicht sagen, weil wir keine Angaben dazu haben“, sagte der deutsche Arzt weiter: „Das zweite Ziel ist, dass wir eine sogenannte Herdenimmunität induzieren. Das heißt, dass zwei Drittel der Bevölkerung immun sind und dadurch die Pandemie zum Stillstand kommt.“

Coronavirus: Mediziner zerstört Impfstoff-Hoffnungen - „erhebliche Kenntnislücken“

Nach derzeitigem Stand und angesichts des lückenhaften Wissen über den Corona-Impfstoff, sei eine Diskussion über eine Impfpflicht, aus medizinischer und ärztlicher Sicht, nicht akzeptabel, so Ludwig. Mit dieser Aussage spielt der Mediziner möglicherweise auf die noch nicht zur Genüge erforschen Nebenwirkungen und vor allem die Langzeitnebenwirkungen des Impfstoffs an.

Außerdem sei es sehr wichtig, die Menschen, die sich impfen lassen wollen, gründlich zu informieren. „Dazu brauchen wir die Daten. Alleine zu sagen, die Zulassungsbehörden in Europa und Amerika werden es schon richten, ist für mich nicht ausreichend. Wir sind im beschleunigten Verfahren, so wie wir es aus beschleunigten Verfahren für Arzneimittel kennen. Und wir wissen, dass wir im Rahmen dieser beschleunigten Verfahren häufig erhebliche Erkenntnislücken zum Zeitpunkt der Zulassung haben.“ Wolf-Dieter Ludwig ist außerdem der Meinung, dass die Corona-Pandemie nicht so schnell vorüber sein wird, wie alle hoffen: „Ich glaube, dass die Pandemie auch in einem Jahr nicht vollständig beseitigt sein wird, aber wir werden dann sicherlich sehr viel mehr über die Impfstoffe wissen und wir werden sie dann auch gezielter einsetzen können.“

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa

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