Corona-Impfung

AstraZeneca-Drama: Nächster Impfstopp? Vakzin bereits vielfach ausgesetzt

  • vonChristina Rosenberger
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Die Schlagzeilen um den Corona-Impfstoff von AstraZeneca nehmen kein Ende. Jetzt soll das Vakzin an eine bestimmte Personengruppe nicht mehr verimpft werden.

AstraZeneca – der britisch-schwedische Impfstoffhersteller hat mit seinem Präparat zur Corona-Impfung immer wieder massive Probleme. Bereits vor einem Monat hatte es erste Schlagzeilen gegeben, wonach mehrere Frauen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung Hirnvenenthrombosen erlitten hatten. Daraufhin hatte es einen kompletten Impfstopp mit dem AstraZeneca-Präparat gegeben – nur eine Woche später wurde es wieder regulär verimpft. Doch nach dem ganzen Hin und Her gibt es jetzt wieder eine erschreckende Änderung: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt das Vakzin nur noch für über 60-Jährige.

Auslöser dafür war der Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen. Hier hatte man bereits am Montag aufgehört, Frauen unter 55 Jahren mit dem Wirkstoff von AstraZeneca zu impfen, nachdem eine geimpfte Frau (47) vergangene Woche gestorben war. Außerdem wurde dem Kreis zusätzlich der Verdacht auf „eine schwerwiegende Erkrankung“ einer 28-Jährigen nach der Impfung mit dem britisch-schwedischen Vakzin gemeldet. Beide hatten wohl eine Sinusvenenthrombose erlitten.

Neuer AstraZeneca-Impfstopp? Wer ab sofort nicht mehr geimpft werden soll

Berlin ist dem Euskirchener Beispiel heute (30. März) Nachmittag gefolgt und setzt die Impfung vorsorglich sogar für alle Menschen unter 60 Jahren aus. Entsprechende Termine in Impfzentren werden Kalayci zufolge erst einmal abgesagt, das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Außerdem stoppen auch die Kliniken Charité und Vivantes in Berlin die Impfungen mit AstraZeneca bis auf Weiteres und verweisen auf Fälle von HIrnvenenthrombosen in Deutschland. Die Aussetzung in den Kliniken gilt für Frauen unter 55 Jahren. Das betrifft vor allem die eigene Belegschaft.

In Nordrhein-Westfalen sprachen sich außerdem die Leiter von fünf Uni-Kliniken für einen vorläufigen Stopp von Impfungen jüngerer Frauen mit AstraZeneca aus. Das Risiko von weiteren Todesfällen sei zu hoch, hieß es in einem gemeinsamen Brief an den Bundes- und Landesgesundheitsminister. Wie ntv berichtet, hat sich am Nachmittag außerdem München angeschlossen. Die Stadt setzt die Impfungen mit AstraZeneca für Personen unter 60 Jahren vorerst aus. Jetzt sollten erst mal die Fragen möglicher Impfkomplikationen geklärt werden, schreibt die Stadt auf Twitter.

Neuer AstraZeneca-Impfstopp? Gesundheitsminister beraten über das Vakzin

Die Ständige Impfkommission hat laut der Augsburger Allgemeinen Zeitung mittlerweile einen Beschlussentwurf zur Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung verfasst. Demnach sollen Impfungen mit dem britisch-schwedischen Vakzin nur noch nach ärztlichem Ermessen für unter 60-Jährige möglich bleiben. Wörtlich soll in dem Bericht stehen: „Auf Basis der derzeit verfügbaren, allerdings noch begrenzten Evidenz und unter Berücksichtigung der gegenwärtigen pandemischen Lage empfiehlt die Stiko, die Covid-19 Vaccine AstraZeneca für Personen im Alter über 60 Jahren zu verwenden“

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca steht wieder einmal in der Kritik. Droht Deutschland nun der nächste Impfstopp?

Heute Abend (30. März) wollen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern laut Bundesgesundheitsministerium um 18 Uhr erneut über den weiteren Einsatz von AstraZeneca beraten. Es heißt, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn werde dann einen Vorschlag für das weitere Vorgehen vorlegen.

Neuer AstraZeneca-Impfstopp? Besonders jüngere Frauen betroffen

In Deutschland sind bislang 31 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca bekannt geworden. Das Paul-Ehrlich-Institut berichtet, dass bis Montagmittag (29. März) 31 Fälle gemeldet waren – in 19 Fällen wurde zusätzlich eine Thrombozytopenie gemeldet. In neun Fällen war der Ausgang tödlich. Wie das PEI weiter berichtet, traten bis auf zwei Ausnahmen alle Fälle bei Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren auf. Die beiden Männer waren 39 und 57 Jahre alt.

Rubriklistenbild: © Jan Huebner/imago-images

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