Schock für Karl Lauterbach

Impfstopp für AstraZeneca in Deutschland? Behörden mit klarer Ansage

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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In Dänemark, Norwegen und Island wurden die Corona-Impfungen mit AstraZeneca gestoppt. Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach übt daran heftig Kritik.

Der Tod einer Krankenschwester nach der Impfung mit AstraZeneca in Österreich hält die Welt in Atem. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Skepsis der Menschen gegenüber AstraZeneca weiter wächst. Unlängst wurden auch in anderen Ländern vermeintliche Nebenwirkungen des Corona-Impfstoffs festgestellt. Die Länder Dänemark, Norwegen und Island haben bereits einen allgemeinen Impfstopp für das Vakzin von AstraZeneca verhängt.

Corona-Impfstopp für AstraZeneca: scharfe Kritik von Experte Karl Lauterbach

Vorausgegangen waren gemeldete Probleme mit Blutgerinnseln kurz nach der Impfung mit AstraZeneca. In Österreich traten nach der Impfung Lungenembolien auf. Einen allgemeinen Impfstopp für AstraZeneca hält Gesundheitsexperte Karl Lauterbach von der SPD trotzdem für den falschen Weg. Es sei aber richtig, die gemeldeten Fälle von Blutgerinnsel weiter zu untersuchen, schreibt Lauterbach auf Twitter. „Die ausgesetzte Impfung ist für viele tödlich, die jetzt verzichten.“

Neben Lauterbach kritisieren auch andere Experten die Vorgehensweise von Dänemark, Island und Norwegen. Die registrierten Blutgerinnsel nach der Corona-Impfung mit AstraZeneca kämen bei schwerstkranken Covid-19-Patienten sehr häufig vor, sagt Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Jena. Pletz ist sich sicher: Durch das Aussetzen der Corona-Impfungen mit AstraZeneca sei ein Anstieg der Covid-19-Kranken wahrscheinlich.

Corona-Impfstopp für AstraZeneca: So gut argumentieren die drei Regierungen

Pletz vermutet: Etwa fünf Prozent der Personen, die nun doch nicht mit AstraZeneca gegen das Coronavirus geimpft werden, könnten schwer an Covid-19 erkranken. Die Frankfurter Allgemeine berichtet, dass folglich auch mehr Thrombosen entstehen könnten. Pletz: „Die Entscheidung verursacht wahrscheinlich mehr Schaden, als dass sie potenzielle Impfkomplikationen verhindert, von denen wir derzeit nicht einmal wissen, ob es überhaupt solche Impfkomplikationen sind.“

Die Regierung in Dänemark sieht das ganz anders. Berichte über einen Todesfall und schwere Erkrankungen durch Blutgerinnsel nach der Corona-Impfung mit AstraZeneca hatten die dänische Regierung zum Handeln gezwungen. Aber: Ob ein Zusammenhang zwischen Vakzin und Blutgerinnseln bestehe, könne noch nicht festgestellt werden, heißt es aus Kopenhagen. Die Regierungen in Norwegen und Island schlossen sich der Entscheidung aus Dänemark zum Impfstopp an.

Kann Impfstopp in Dänemark, Norwegen und Island nicht nachvollziehen: SPD Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Corona-Impfstopp für AstraZeneca auch in Deutschland? Klare Ansage aus Hessen

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA ist die Problematik mit Blutgerinnseln nach der Impfung mit AstraZeneca bekannt. Das streitet die Behörde mit Sitz in Amsterdam auch nicht ab. Aber: Die Rate der an Thrombose Erkrankten nach der Impfung mit AstraZeneca gleiche der Rate der spontan Erkrankten an Thrombose in der Normalbevölkerung. Die Frankfurter Allgemeine berichtet, dass die EMA bis zum 10. März 30 Fälle von „thromboembolischen Ereignissen“ registriert habe.

Die registrierten 30 Fälle beziehen sich auf fast fünf Millionen Menschen, die mit AstraZeneca geimpft wurden. Auch aufgrund dieser Erkenntnis setzt Deutschland die Corona-Impfungen mit AstraZeneca nicht aus. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut mit Sitz in Hessen teilte mit, dass aus Sicht der Behörde und nach Überzeugung der EMA der Nutzen der Impfung die bekannten Risiken überwiege. Nur leider scheint das wenig zu helfen, wenn die Skepsis in der Bevölkerung überwiegt.

Rubriklistenbild: © Bodo Schackow/dpa

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