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Rente in weiter Ferne? Menschen werden mit 80 und 90 Jahren noch arbeiten, sagt ein Altersforscher

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Von: Judith Braun

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Ökonomen forderten, dass das Renteneintrittsalter an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt wird. Werden Menschen durch den Fortschritt der Medizin immer älter, könnten sie auch weiterhin arbeiten.

Im Sommer 2022 bekamen Ökonomen für ihre Forderung, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre zu erhöhen, heftigen Gegenwind. Selbst Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) lehnte diesen Vorschlag zum Eintrittsalter in die Rente damals ab. Aktuell liegt das höchste Renteneintrittsalter in Deutschland bei 67 Jahren. Betroffen sind davon alle Bürger und Bürgerinnen, die im Jahr 1964 oder später geboren sind.

Die Wirtschaftswissenschaftler empfahlen damals eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Nach dem Motto: Wer länger lebt, kann auch länger arbeiten. Auch die Altersforschung beschäftigt sich mit der Lebenserwartung von Menschen. Prof. Nir Barzilai vom Albert Einstein College of Medicine der Yeshiva University geht davon aus, dass Menschen in ferner Zukunft – wenn die Medizin es schafft, ein viel längeres und gesundes Legen zu ermöglichen – sogar noch länger arbeiten könnten.

Rente: Wir werden mit 80 Jahren noch arbeiten, sagt Altersforscher

Älterer Mann sitzt an einem Schreibtisch und tippt in einem Laptop.
Laut einem Altersforscher gibt es viele Professoren, die nicht in die Rente gehen, auch wenn sie es könnten. (Symbolbild) © Simona Pilolla/IMAGO

Barzilai untersuchte in einer Langzeitstudie mit sogenannten „Centenarians“ – Personen, die hundert Jahre oder älter waren –, die Ursachen für deren Langlebigkeit. So können nachweislich Faktoren wie Sport, ausreichend Schlaf und bestimmte Ernährungsweisen dem Altern entgegenwirken. Durch Intervallfasten kann die Regenerierung der Zellen beispielsweise gefördert werden, die richtige Ernährung kann also verjüngend wirken. Zwar erhöhen sich laut Barzilai damit die Chancen, es über die durchschnittliche Lebenserwartung von 78 Jahren zu schaffen. Für eine sehr hohe Lebenserwartung ist allerdings nicht der Lebenswandel ausschlaggebend, wie seine Studie ergab: Vielmehr sind es die Gene, erklärt der Forscher in einem Interview gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Unter den Studienteilnehmern befanden sich beispielsweise viele starke Raucher, die Hälfte der Teilnehmer war übergewichtig und weniger als die Hälfte habe auf regelmäßige Bewegung geachtet.

Das maximale Lebensalter liegt heutzutage statistisch gesehen bei 115 Jahren. Es wird jedoch an Wegen geforscht, es weiter zu erhöhen. Möglicherweise könnten dann Menschen, die heute geboren werden, 150 Jahre alt werden. „Es wird aber noch einige Zeit vergehen, bis wir Gewissheit darüber haben“, so der Forscher. Zudem stellen rüstige und gesunde Hundertjährige bis heute die Ausnahme dar. Grundsätzlich gelte, dass Altern Menschen krank macht. Auch wenn es unter anderem aufgrund des medizinischen Fortschritts gelungen ist, die Lebenserwartung enorm zu verlängern, gehen mit dem Älterwerden auch Krankheiten wie Krebs, Alzheimer, Herzschwäche oder Diabetes einher. „Diese Krankheiten sind der Preis dafür, dass wir älter werden“, sagt Barzilai.

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Altersforschung: Menschen, die 100 Jahre alt oder älter werden, sind meist gesünder

Interessanterweise zeigte sich allerdings, dass die Teilnehmer der Studie nicht nur länger lebten als der Durchschnitt, sondern auch gesünder waren. „Gewöhnliche Menschen werden üblicherweise krank, wenn sie zwischen 60 und 80 Jahre alt sind, die Centenarians erst Jahrzehnte später. Am wichtigsten ist: Bei ihnen gibt es eine Verkürzung der sogenannten Morbidität, sie sind gegen Ende ihres Lebens kürzer krank“, sagt der Mediziner. Damit verursachen sie nicht nur weniger Kosten für das Gesundheitssystem: Eine derart hohe Lebenserwartung könnte auch einen finanziellen Nutzen bringen, da ältere Menschen weiter am Wirtschaftsleben teilnehmen.

Der Altersforscher prognostiziert außerdem, dass sich die Sozialversicherungssysteme ändern müssen und werden. Demnach wird das Alter, in dem Menschen in Rente gehen, steigen. Seiner Auffassung nach wird es irgendwann normal sein, dass Menschen sogar mit 80 oder 90 Jahren noch arbeiten. Vorausgesetzt, die Medizin schafft es, ein viel längeres und gesundes Leben zu ermöglichen. In seiner Studie gab es beispielsweise einen Hedgefonds-Gründer mit 107 Jahren, der nicht mit dem Arbeiten aufhören wollte.

„Es gibt viele Professoren, die nicht in Rente gehen, auch wenn sie es könnten. Warum auch, wenn man gesund ist und seine Arbeit liebt?“, so der Forscher. Für Menschen in körperlich anstrengenden Berufen könnten andere Möglichkeiten gefunden werden, wie sie weiterhin etwas zum Nutzen der Gesellschaft beitragen könnten. In Deutschland bereitet allerdings jeder dritte Berufstätige einen frühzeitigen „Ruhestand“ vor.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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