Wie Familien die Vorteile staatlicher Förderungen nutzen können

+
Familien erhalten heute mannigfaltige staatliche Förderungen. Beim Antrag gibt es jedoch verschiedene Punkte zu beachten.

Gerade finanziell kann die Verwirklichung eines Kinderwunsches zur Herausforderung werden. Familien stehen mit ihren Sorgen nicht allein da.

Der Gesetzgeber hat in der Vergangenheit verschiedene Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung geschaffen. Welche Formen der Förderung und Unterstützung gibt es?

Allgemeine Familienförderung - Kindergeld und Co.

Familien mit Kindern genießen einen besonderen Status. Ganz nüchtern betrachtet ist der Nachwuchs Beitragszahler von übermorgen für die Sozialversicherung. Und zahlt irgendwann auch Steuern. Nur zwei Gründe, die das Interesse an der Familienförderung erklären. Eltern können bereits vor der Geburt eines Kindes erste finanzielle Unterstützung in Anspruch nehmen – Mutterschaftsgeld. Letzteres wird für einen Zeitraum von reguläre sechs Wochen vor bis acht Wochen nach der Entbindung gezahlt. Ansprechpartner ist unter anderem die Mutterschaftsgeldstelle beim BVA. 

Familienförderung geht nach der Geburt weiter, mit:

  • Elterngeld
  • Kindergeld
  • Kita-Förderung usw.

Gerade in den ersten Lebensjahren ist die Kinderbetreuung so aufwendig und zeitintensiv, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an Grenzen stößt. Um beides trotzdem unter einen Hut zu bekommen, hat die Bundesregierung das Elterngeld geschaffen. Letzteres ist eine Entgeltersatzleistung, die Familien eine flexible Förderung in die Hand gibt.

Elterngeld: Geschwisterbonus und Mehrlingszuschlag

Elterngeld realisiert eine finanzielle Unterstützung für Familien und Alleinerziehende. Berechnet über das zuletzt (in den 12 Monaten vor der Geburt) erzielte Einkommen, beläuft sich die Höhe zwischen 300 Euro und maximal 1.800 Euro. Durch die Einführung des ElterngeldPlus können Familien – bei Teilzeit-Arbeit und halber Elterngeldzahlung – den Bezugszeitraum für die Leistung verdoppeln.

Zu den Grundleistungen können unter gewissen Umständen Zuschläge geltend gemacht werden. Ein Geschwisterbonus wird Haushalten zuerkannt, wenn neben dem Neugeborenen ein Kind jünger als drei oder zwei Kinder unter sechs Jahren versorgt werden. Dieser Geschwisterbonus beträgt mindestens 75 Euro bzw. 10 Prozent. Zusätzlich greift bei Mehrlingsgeburten ein Bonus von 300 Euro monatlich.

Kindergeld: Zahlung bis 25

Finanzielle Unterstützung gibt es in Form des Kindergelds. Hierbei handelt es sich um eine Transferleistung, die im Regelfall bis zum 18. Lebensjahr gezahlt wird – sofern Kinder dann bereits eine Berufsausbildung beendet haben und erwerbstätig sind. Letzteres dürfte allerdings eher selten der Fall. Unterstützung in Form des Kindergelds gibt es laut § 2 Bundeskindergeldgesetz bis zum vollendeten 25. Lebensjahr.

Die Höhe ist nach der Anzahl der Kinder im Haushalt gestaffelt. Für

  • Kind 1 und 2 gibt es 194 Euro
  • Kind 3 gibt es 200 Euro
  • jedes weitere Kind gibt es 225 Euro.

Wichtig

Im Juli 2019 erhöht sich das Kindergeld um 10 Euro je Monat. Die Auszahlung erfolgt automatisch und muss nicht – anders als beim erstmaligen Bezug – beantragt werden. Es wird künftig also einfach der höhere Betrag überwiesen.

Förderung in Kita und Schule

Eltern können – über die bereits genannten Förderungen – weitere Unterstützung in Anspruch nehmen. So haben Kinder ab einem Jahr inzwischen einen rechtsverbindlichen Anspruch auf die Betreuung in einer Kita. Dieser Anspruch kann auch gerichtlich durchgesetzt werden und Schadenersatzansprüche nach sich ziehen. Aber Achtung: Die Unterbringung ist nicht kostenfrei. Familien müssen Kostenpauschalen für Betreuung und Verpflegung aufbringen.

Diese Elternbeiträge richten sich – bei der Betreuung – nach der Betreuungszeit sowie der Anzahl der Kinder. Kommunen ermäßigen regelmäßig die Kosten für Geschwisterkinder. So ist in Dresden ab drei Zählkindern die Betreuung beitragsfrei. Darüber hinaus kann in Härtefällen (finanzieller Notlage) auf die Erhebung von Gebühren komplett verzichtet werden. Ähnliche Grundsätze gelten häufig auch im Zusammenhang mit einer Unterbringung im Hort.

Darüber hinaus gibt es noch einige weitreichende Förderungen, die den Alltag für Familien erleichtern. Hierzu gehört zum Beispiel die Einrichtung von Frühort-Angeboten für alle Eltern, die bereits sehr frühzeitig im Büro sein müssen. Aber auch ermäßigte Fahrtkosten im öffentlichen Nahverkehr für Schulkinder sind eine Unterstützung staatlicher und kommunaler Stellen für Familien. Entsprechende Schülertickets müssen bei den Verkehrsbetrieben beantragt werden.

Förderungen im Alltag – ein Überblick:

  • ermäßigter 
  • Beitragserlass 
  • Schülertickets/schulbustransfer

Wir bauen ein Haus - auch hier profitieren Familien

Familien brauchen ein Dach überm Kopf. In Deutschland wird immer noch oft zur Miete gewohnt. Angesichts niedriger Bauzinsen haben sich viele Familien mittlerweile für Wohneigentum entschieden. Und nutzen hierfür sich bietende Förderungen. Zuletzt hohe Wellen hat die Einführung des Baukindergelds geschlagen. Hiermit fördert Staat die Schaffung von Wohneigentum durch Familien – die einen Zuschuss von 12.000 Euro je Kind erhalten.

Um Baukindergeld zu erhalten, sind natürlich einige Voraussetzungen zu erfüllen. So darf das Einkommen gewisse Grenzen nicht überschreiten. Eine Familie mit 250.000 Euro Jahreseinkommen wird kaum Chancen haben, die Förderung in Anspruch zu nehmen. Um die Bedingung zu erfüllen, darf das Einkommen nicht über 75.000 Euro liegen. Pro Kind wird ein Freibetrag von 15.000 Euro zugerechnet.

Heißt: Familien mit zwei Kindern dürfen nicht mehr als 105.000 Euro im Jahr verdienen. Zudem muss es sich um die erste Immobilie handeln. Ausgezahlt wird das Baukindergeld über die KfW als Zuschussprogramm 424.

Darüber hinaus lassen sich weitere Förderungen realisieren, die auf Landesebene oder durch kommunale Träger ausgereicht werden. Ein Beispiel hierfür ist das Familienwohnen der Sächsischen Aufbaubank. Im Paket stecken 50.000 Euro als zinsgünstiges Darlehen für jedes Kind unter 18 Jahren, das im Haushalt wohnt. Ähnliche Programme, die kredit- oder zuschussbasiert sind, existieren auch in anderen Bundesländern – wie Bayern. Parallel zur öffentlichen Hand gibt es in Deutschland auch Förderung der Kirchen für Familien, die ins Eigenheim ziehen wollen. Konditionen und Fördervoraussetzungen sind im Einzelnen zu prüfen.

Förderungen für die Altersvorsorge

Eltern geben für ihren Nachwuchs einen Teil der Karrierepläne auf und schränken sich finanziell ein. Dieser Verzicht macht sich auch im Alter bemerkbar. Gehen Eltern nicht mehr Vollzeit arbeiten, verringert sich hierdurch die spätere Rente. Der Staat hat mehrere Möglichkeiten geschaffen, um hierfür einen Ausgleich zu schaffen.

Ein Ansatz ist beispielsweise die Mütterrente. Diese soll Kindererziehungszeiten bis zum dritten Lebensjahr in besonderer Weise würdigen und wird inzwischen auch für Erziehungszeiten vor 1992 gezahlt. Die Regelung sieht vor, dass:

  • 3 Rentenpunkte für Kinder mit einem Geburtsdatum ab 1992 gelten
  • 2,5 Rentenpunkte für Kinder mit einem Geburtsdatum bis 1992 gelten.

Im Rahmen der Riester-Rente findet ebenfalls eine Familienförderung statt. Anspruchsberechtigte erhalten einen Kinderzuschlag – die Kinderzulage. Je nach Geburtsjahr liegt diese bei 185 Euro bzw. bei 300 Euro (Geburtsjahr ab 2008).

ÜbrigensÜber Wohnriester können Eltern die Förderung auch in den Erwerb von Wohneigentum investieren. Möglich sind in diesem Zusammenhang verschiedene Durchführungswege – wie Ansparen oder Tilgung. Letztlich muss aber immer klar sein, welche Konditionen für die Verwendung der Mittel gelten.

Fazit: Familien haben Anspruch auf umfassende Förderung 

Eine Familie gründen: Für viele Paare ein wichtiger Teil der gemeinsamen Lebensplanung. Kinder bedeuten aber auch, sich zeitlich und finanziell einschränken zu müssen. Die öffentliche Hand hat über Jahre ein engmaschiges Netz aus verschiedenen Förderungen für Familien entwickelt. Wer sich hier genau informiert kann das Leben seiner Familie in vielen Aspekten deutlich erleichtern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare