Elektromobilität

Umweltsünder E-Auto? Neue Studie mit erschreckendem Ergebnis

Ladesäule für Elektroautos
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Sind Elektroautos größere Umweltsünder, als bisher angenommen? (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Elektroautos sollen dafür sorgen, dass der Mensch mobil bleibt, dabei aber umweltfreundlicher lebt. Doch halten die Stromer wirklich, was sie versprechen?

Die Energiewende und der Umweltschutz stehen beim aktuellen Wahlkampf zur Bundestagswahl ganz oben auf der Agenda der Parteien. Nicht zuletzt wegen der verheerenden Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz steht die Bekämpfung des Klimawandels aktuell wieder hoch im Kurs. Ein wichtiges Mittel, um die Ziele zu erreichen, soll die Elektromobilität sein, deshalb haben auch Hersteller wie Audi* und Mercedes bereits angekündigt, auf Elektro umzustellen* - doch wie echo24.de* berichtet, sind auch E-Autos anscheinend wahre Umweltsünder.

Das Problem sind laut einer neuen Studie des Fraunhofer-Instituts allerdings gar nicht die aufwendige Batterieherstellung, vermeintliche Abgase oder der Wasserverbrauch, sondern ein ganz anderer Punkt. Die Forscher haben herausgefunden, dass die Reifen ihren Teil zur Umweltverschmutzung beitragen.

Elektroautos als Umweltsünder? Dieser Faktor macht die Stromer besonders schädlich

Genauer gesagt ist der Abrieb von Autoreifen Hauptverursacher des Mikroplastiks in Deutschland. Laut Fraunhofer-Institut machen die Partikel, die während der Fahrt durch Abnutzung auf der Fahrbahn bleiben, mehr als 50 Prozent des gesamten Mikroplastiks weltweit aus. In Zahlen sind das 150.000 Tonnen Reifenabrieb auf deutschen Straßen. Natürlich sind hier nicht nur die E-Autos, sondern auch die Verbrenner gemeint.

Jedoch scheinen Elektroautos weitaus schlimmere Mikroplastik-Schleudern zu sein als ihre Verbrenner-Pendants. Die Forscher des Fraunhofer-Instituts haben herausgefunden, dass das Gewicht der Autos und die kräftige Beschleunigung durch den Elektromotor den Verschleiß extrem verstärken. Gegenüber der Heilbronner Stimme erklärte Forschungsleiterin Dr. Ilka Gehrke: „Die E-Mobilität ist hinsichtlich des Reifenabriebs katastrophal.“

Elektroautos als Umweltsünder: Wie kann das Problem in Zukunft behoben werden?

Dennoch: Alle Autoreifen verlieren mit der Zeit enorme Substanz und die winzigen Gummipartikel, die auf den Straßen zurückbleiben, landen im Boden und in den Gewässern. Deshalb forschen die Fraunhofer-Wissenschaftler im Rahmen der Studie bereits seit mehreren Jahren an der Frage, wo in Deutschland der meiste Reifenabrieb produziert wird, was die Folgen für Gesundheit und Umwelt sind und - ganz wichtig - wie Reifenabrieb auch für künftige E-Fahrzeuge minimiert werden kann.

Heraus kam, dass der meiste Gummiabrieb von Fahrzeugreifen im städtischen Bereich an viel befahrenen Straßen und Kreuzungen sowie außerorts an stark befahrenen Autobahnen am größten ist. Denn laut Fraunhofer-Institut nutzen sich Reifen besonders bei hohen Geschwindigkeiten und bei drastischer Beschleunigung oder heftigem Bremsen abnutzen.

Elektroautos als Umweltsünder: Jeder Autofahrer kann seinen Beitrag leisten

Bedeutet im Umkehrschluss, dass jeder im Alltag die Entstehung von Mikroplastik durch eine moderate Fahrweise reduzieren kann. Wer langsamer fährt, sanfter bremst und gemütlicher anfährt, spart eine Menge Reifenprofil - und somit auch Mikroplastik. Außerdem hilft es auch schon sehr, wenn man den Reifendruck regelmäßig kontrolliert und Sommer- und Winterreifen rechtzeitig wechselt. Generell schreibt das Fraunhofer-Institut allerdings: Am besten hilft „generell weniger Autofahren“.

Deshalb arbeitet auch die Reifenindustrie am Thema Abrieb. Dr. Ilka Gehrke erklärte der Stimme weiter, die Hersteller würden sich engagieren. „Das große Ziel ist, Reifen so zu gestalten, dass weniger Reifenabrieb entsteht und sich dieser schneller abbaut.“ Doch eine wirkliche Verbesserung der Situation scheint sich in nächster Zeit noch nicht abzuzeichnen. Denn laut Gehrke ist es bisher nicht möglich, Autoreifen kunststofffrei herzustellen.

Einen Lichtblick gibt es allerdings: Es wird mit Hochdruck an Reifen geforscht, deren Gummimischungen sich schneller abbauen. Außerdem gibt es Überlegungen, Mikroplastik durch Filter an Gullys* und besondere Straßenkläranlagen direkt wieder von viel befahrenen Straßen aufzusammeln. Des Weiteren wären innerorts Tempolimits von 30 Kilometern pro Stunde denkbar. Denn bei 30 entsteht nur halb so viel Reifenabrieb wie bei Tempo 50. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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