Stromausfall in Dresden

Stromausfall bei Bosch und Infineon: Drastische Folgen – Halbleiter-Schock

Stromausfall in Dresden
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Das Umspannwerk Dresden-Süd sorgte am Montag für einen Stromausfall.
  • Simon Mones
    VonSimon Mones
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In Dresden gab es am Montag einen Stromausfall, der auch die Halbleiterhersteller Bosch und Infineon getroffen hat. Mit drastischen Folgen!

Am Montagnachmittag standen rund 300.000 Haushalte in Dresden und Umgebung plötzlich ohne Strom da. Für rund 20 Minuten ging nichts mehr - auch Straßenbahnen, Aufzüge und Ampeln waren betroffen. Wie die Polizei mitteilte, war ein handelsüblicher Folienballon an einem sensiblen Punkt in einer Schaltanlage eines Umspannwerkes im Dresdner Süden gelandet und hatte einen Kurzschluss ausgelöst.

Auch die Industriebetriebe in der Region waren von dem Stromausfall betroffen, darunter auch die Chiphersteller Bosch und Infineon. „Wir haben ein Notstromaggregat für sicherheitskritische Anlagen“, sagte Unternehmenssprecher Christoph Schumacher der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Infineon: Stromausfall legt Produktion lahm

Pumpen, Notbeleuchtungen sowie IT-Systeme seien weiter gelaufen. In der Produktion ging jedoch nichts mehr. Schumacher betone, dass man zwar kurzfristige Spannungsschwankungen abfedern könne, aber eben nicht einen zwanzigminütigen Stromausfall wie am Montag.

Wie hoch der Schaden ist, konnte der Infineon-Sprecher noch nicht sagen: „Wir haben alle Hände voll zu tun, den Schaden erst einmal einzudämmen.“ Es sei sehr aufwendig, die Halbleiterfertigung wieder hochzufahren. Laut Schumacher lasse sich der Stromverbrauch bei Infineon mit einer Kleinstadt wie Pirna vergleichen. Bei der Versorgung sei das Unternehmen abhängig vom öffentlichen Netz - es gebe keine separate Stromversorgung. Inzwischen laufe die Fertigung aber wieder an. Bis die Produktion allerdings wieder unter Volllast laufe, werde es noch dauern.

Auch Bosch betroffen - Produktion wieder hochgefahren

Auch das neue Bosch-Halbleiterwerk bekam die Auswirkungen des großflächigen Stromausfalls zu spüren: „Die vorhandene Notstromversorgung ist umgehend in Betrieb gegangen und konnte die allerwichtigsten Gebäude- und Sicherheitsfunktionen im Werk Dresden aufrechterhalten“, sagte eine Unternehmenssprecherin gegenüber der dpa.

Wie bei Infineon fiel auch bei Bosch die Produktion aus und wurde am Montagnachmittag wieder kontrolliert hochgefahren. Die Schäden werden derzeit analysiert. Mit Globalfoundries war zudem ein dritter Halbleiterhersteller von dem Stromausfall betroffen, dieser hat jedoch zwei eigene Energieversorgungszentren. „Das hat uns vor großem Schaden bewahrt“, sagte Unternehmenssprecher Jens Drews.

Stromausfall bei Infineon und Bosch: Nächster Rückschlag für Autoindustrie

Inzwischen sei die Produktion jedoch so weit gewachsen, dass nicht mehr alle Bereiche durch die dezentrale Energieversorgung abgedeckt werden könnten. Entsprechend habe der Stromausfall zu „geringen Auswirkungen“ unter anderem in der Produktion geführt. „Der Vorfall am Montag hat uns in unseren Anstrengungen bestärkt, in den nächsten fünf Jahren völlig unabhängig vom öffentlichen Netz zu werden“, sagte Drews.

Audi muss wegen des Halbleitermangels immer wieder Kurzarbeit anmelden. (Symbolbild)

Für die Automobilindustrie kommen der Stromausfall und die darauffolgenden Produktionsausfälle zur Unzeit. Denn bereits jetzt sind Halbleiter Mangelware. So gab es in diesem Jahr auch schon in den USA, Japan und Malaysia aus verschiedenen Gründen Produktionsausfälle. Audi musste deswegen für seine Standorte in Neckarsulm und Ingolstadt mehrfach Kurzarbeit anmelden und die Produktion anpassen. Auch Daimler muss immer wieder auf die aktuelle Situation reagieren.

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