Gesetz zum Ausbau von Ladesäulen

Mehr Schnellladesäulen: Bund fördert Elektromobilität – Kritik wird laut

  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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In Deutschland gibt es immer mehr Elektroautos, aber zu wenige Ladesäulen. Das soll sich bis 2023 ändern, der Bundestag hat dafür ein entsprechendes Gesetz beschlossen. Doch es gibt Kritik an dem Plan.

Wer bereits ein Elektroauto fährt, könnte dieses Szenario kennen: Die Akku-Ladung geht immer weiter zur Neige, aber keine Ladesäule ist in Sicht. Dabei müsste man dringend laden, weil die Reichweite nicht mehr bis zum Ziel reicht. Geht es nach der Bundesregierung, soll dieses Problem bald der Vergangenheit angehören, denn der Ausbau des Schnellladenetzes soll gefördert werden.

Bis 2023 sollen so an rund 1000 zusätzlichen Standorten Ladesäulen mit einer Leistung von über 150 Kilowatt entstehen. Dazu wurde am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, dass die Grundlage für die Ausschreibungen bildet. „Die nächste Schnellladesäule muss in wenigen Minuten erreichbar sein“, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Ladesäulen: Schnelles Laden soll ausgebaut werden - VDA reagiert positiv

„Gerade das schnelle Laden mit über 150 Kilowatt ist für eine uneingeschränkte Reichweite von Elektroautos entscheidend“, betonte Scheuer. Um die Menschen in Deutschland zu einem Umstieg auf klimafreundliche Elektroautos zu bewegen, sei laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine flächendeckende und nutzerfreundliche Ladeinfrastruktur unumgänglich.

Entsprechend positiv wurde die Entscheidung aus Berlin in der Automobilbranche aufgenommen. Für Hildegard Müller, Präsidentin des Automobilverbandes VDA, ist es „eine wichtige Unterstützung auf dem Weg zu einer uneingeschränkten Nutzbarkeit von Elektrofahrzeugen“.

Ladesäulen: Plan zum Ausbau des Schnellladenetz - Kritik von den Grünen

Wie die dpa berichtet, äußerte sich auch der Autoverband VDIK ähnlich. „Auch längere Fahrten werden künftig problemlos möglich sein, Reichweitenangst muss nicht mehr aufkommen“, sagte VDIK-Präsident Reinhard Zirpel. Allerdings müsse mit dem Ausbau - den auch Audi mit eigenen Ladepunkten unterstützt - möglichst schnell begonnen werden. Durch das Gesetz könnten nun die Ausschreibungen beginnen und bis 2023 ein flächendeckendes Netz geschaffen werden.

Während die Autoindustrie also jubelt, äußern sich die Grünen im Bundestag kritisch.  „Das Programm kommt drei Jahre zu spät und wird niemals im beabsichtigten Zeitraum bis Ende des Jahres 2023 abgewickelt sein“, sagte Fraktionsvize Oliver Krischer. Zudem sei die Leistung mit 150 Kilowatt zu niedrig und werde schon in wenigen Jahren nicht mehr zeitgemäß sein.

Ladesäulen: Plan für schnelles Laden - Wirtschaft besorgt

Wie dringend ein Ausbau aber ist, zeigen die Zahlen des Verkehrsministeriums. Demnach gibt es derzeit rund 800 Ladesäulen mit mehr als 150 Kilowatt, das sind in etwa 2,4 Prozent aller öffentlich zugänglichen Ladepunkte in Deutschland. Allerdings beklagt sich die Wirtschaft, dass es aktuell noch nicht möglich sei, Ladesäulen wirtschaftlich zu betreiben. Entsprechend sieht das Gesetz auch langfristige Verträge mit den Unternehmen vor, die die „Schnellladehubs“ nach einer europaweiten Ausschreibung errichten und betreiben sollen.

An der Schnellladesäule geht das Laden flott - nur muss man erstmal eine finden.

Dennoch befürchtet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) „einen Eingriff in das Marktgeschehen“. Daher müsse sichergestellt sein, dass der privatwirtschaftliche Ausbau der Ladesäulen nicht gebremst und  „keine zusätzlichen Anforderungen durch die Hintertür aufgeladen werden“.

Eine Sorge, die der Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) nicht teilt: „In Summe sorgen die Abgeordneten für fairen und lebendigen Wettbewerb“, sagte VKU-Chef Ingbert Liebing. Viel mehr sei es laut dpa positiv, dass sich nun auch mittelständische Stadtwerke an den Ausschreibungen beteiligen könnten.

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG

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