OLG-Urteil aus Frankfurt

Abgasskandal: Daimler unter Druck – Gerichte entscheiden für Kunden

Daimler/Stuttgart: Ärger um Dieselskandal - Wird's richtig teuer?
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Im Diesel-Abgasskandal könnten Kläger jetzt bessere Chancen haben. (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Immer mehr Daimler-Kunden fordern Schadensersatz wegen illegaler Abgas-Manipulation – jetzt bekommen immer mehr Kläger vor Gericht Recht.

Für Daimler wird es im Dieselskandal immer ungemütlicher. Nach der Abgasaffäre, die vor allem Volkswagen betraf – aber auch bei Audi und Daimler für fatale Schlagzeilen sorgte, verlangen unzählige Kunden Schadenersatz wegen illegaler Abgas-Manipulationen. Mittlerweile werden die Kläger immer häufiger für ihre Hartnäckigkeit belohnt und können Siege vor Gericht einfahren.

Einen großen Anteil daran hatte wohl ein „sensationelles Urteil des Frankfurter Oberlandesgerichts vom 20. Mai 2021“, das berichtet die halloAnwalt GmbH & Co. KG. Dabei handelte es sich um einen Kläger, der 2013 eine gebrauchte E-Klasse mit dem Diesel-Motor OM 642 für 37.000 Euro gekauft hatte. Später stellte sich heraus, dass das Auto in Sachen Abgaswerte frisiert war. Doch in erster Instanz vorm Landgericht Frankfurt wurde die Klage zunächst abgewiesen, also zog der Kläger vors Oberlandesgericht.

Daimler: Präzedenzfall gibt Klägern im Abgasskandal Hoffnung

Das OLG Frankfurt entschied schließlich, die Begründung des Klägers seien so konkret und schlüssig gewesen, dass die Abweisung ein „wesentlicher Verfahrensfehler“ war – und das Verfahren wurde erneut ausgerollt. „Sensationell daran ist, dass das OLG Frankfurt in einem vorherigen Verfahren für Daimler entschieden hatte, doch jetzt seine Meinung geändert hat“, erklärt der Verbraucheranwalt Dr. V. Ghendler. Seine Kanzlei „Kraus Ghendler Ruvinskij“ vertritt bundesweit tausende Mandanten im Abgasskandal gegen Daimler und andere Hersteller.

Diese Mandanten haben nun laut Ghendler deutlich bessere Chancen, vor Gericht Schadenersatz zu erstreiten. Denn für die E-Klasse aus dem Präzedenzfall aus Frankfurt gab es keinen offiziellen Rückruf durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Doch in der Klage war laut Ghendler genau beschrieben, wie das Fahrzeug manipuliert worden war, um Abgastests zu bestehen, während auf der Straße viel höhere Abgaswerte vorliegen. Daimler konnte – oder wollte – diese Argumente nicht widerlegen. Das verschlechtert Daimlers Chancen vor Gericht erheblich – und verbessert die Situation für Kläger.

Daimler: Anwalt mit Trick – wie bekomme ich vor Gericht vollen Schadenersatz?

Außerdem hat der Bundesgerichtshof BGH kürzlich entschieden, dass auch dann Schadenersatz gefordert werden kann, wenn der ursprüngliche Käufer seinen Wagen mittlerweile weiterverkauft hat – und diese Regelung könnte für Daimler nochmal um Einiges teurer werden.

DachgesellschaftDaimler AG
GeschäftsführerOla Källenius
HauptsitzStuttgart

Denn normalerweise – wenn man das betroffene Auto noch hat – stellt das Gericht die gefahrenen Kilometer oft dem Kläger in Rechnung – dadurch reduziert sich der Schadenersatz. Deshalb rät Verbraucherschutzanwalt Ghendler Betroffenen, ihr Auto weiterzuverkaufen: „Durch Weiterverkauf des Autos kann man dem jetzt entkommen und seinen Schadensersatzanspruch sichern“, erklärt er in einer Mitteilung.

Im Diesel-Abgasskandal haben mittlerweile tausende betroffene Käufer Klage gegen Daimler, Audi oder VW eingereicht. Viele Anwälte prüfen die Ansprüche auf Schadenersatz kostenlos in einer Erstberatung. Sollte man sich für eine Klage entscheiden, trägt eine Rechtsschutzversicherung das Kostenrisiko – allerdings nur dann, wenn sie schon bestand, als das betroffene Fahrzeug gekauft wurde.

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