In Heilbronner Waldstück abgelegt?

Suche nach Leiche: Was wir wissen - und was nicht

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Ein Polizeihubschrauber hebt vor der JVA Wuppertal in Richtung Heilbronn ab.
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Im Wuppertaler Mordprozess ohne Leiche könnte das mutmaßliche Mordopfer in Heilbronn abgelegt worden sein.

Es war lange ein absurder Fall, der derzeit in Wuppertal vor Gericht verhandelt wird. Ein Jahr langen trugen die Angeklagten herzlich wenig zum Mordprozess ohne Leiche bei. Bis einer vergangene Woche plötzlich alles änderte. Er legte ein Teilgeständnis ab und gab sogar den Ablageort der Leiche an: angeblich ein Waldstück in der Nähe von Heilbronn. Mit einem Hubschrauber hierher gebracht, soll die Suche mit der Polizei und einem der mutmaßlichen Täter bald beginnen. Doch trotz der spektakulären Wende bleiben weiter viele Fragen offen.

Warum ein Mordprozess, obwohl es keine Leiche gibt?

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal geht von einem Ehrenmord aus. Die sechsfache Mutter Hanaa S. verschwand vor zwei Jahren. Zuletzt war sie an ihrer Wohnung in Solingen gesehen worden. Dort hatte sie sich nach einer Trennung von ihrem Ehemann offenbar vor diesem versteckt. "Um die Familienehre wieder herzustellen." So heißt es in der Anklageschrift. Die 35-Jährige  soll dort oder in einem Hildener Waldstück getötet worden sein.

Wer ist Hanaa S.?

Die Verschwundene soll Irakerin jesidischen Glaubens sein. Offenbar war sie im Alter von 15 Jahren zwangsverheiratet worden und hatte vor der Trennung zuletzt mit der Familie in Düsseldorf gelebt. Ein ehemaliger Freund der 35-Jährigen hatte im Prozess ausgesagt, Hanaa S. habe große Angst vor ihrem Mann und dessen Familie gehabt.

Wer sind die Angeklagten und was wird ihnen vorgeworfen?

Wie das mutmaßliche Mordopfer sind auch alle Angeklagten Iraker: der Ehemann, der Sohn der Verschwundenen sowie eine Schwester und zwei Brüder. Alle sind zwischen 19 und 42 Jahren alt. Sie sollen Hanaa S. am Tag ihres Verschwindens in ihrer Wohnung aufgelauert haben. Dort soll es zu einem Kampf gekommen sein, Hanaa S. danach in einen Teppich gerollt weggebracht worden sein. Jeder der Angeklagten hat wohl einen Beitrag zum Mord geleistet haben.

Wie wurde bislang gesucht?

Nach dem Verschwinden des mutmaßlichen Opfers am 21. April 2015 hatte die Polizei bereits mit einem Großaufgebot nach Hanaa S. gesucht. Mit dabei: Einsatzhundertschaften, Polizeitaucher und Fliegerstaffeln. Damals waren Gewässer und Waldstücke in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg abgesucht worden. Beamte der "Forensischen Archäologie" hatten in einem Wald im Norden Baden-Württembergs gesucht. Der Verdacht, dass die Leiche dort zu finden sei, scheint sich nun zu bestätigen.

Wer brach sein Schweigen?

Einer der Schwager der Verschwundenen brachte nach 69 Verhandlungstagen die überraschende Wende im Prozess: "Ich bin bereit, diesen Ablageort zu zeigen." Der 26-Jährige gab an, dass die Leiche demnach in einem Waldstück nahe Heilbronn abgelegt worden war.

Wann und wie wird jetzt gesucht?

Wuppertaler und Heilbronner Polizei und Staatsanwaltschaft halten sich in diesem Punkt mehr als bedeckt. "Ich werde dazu auch weiterhin nichts sagen, um einer Beeinflussung vorzubeugen", erklärt Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt gegenüber echo24.de. Zumindest der Zeitrahmen für die Suche scheint begrenzt zu sein. Gestern flog ein Polizeihubschrauber den Angeklagten offenbar nach Heilbronn, wo er der hiesigen JVA überstellt wurde. So viel scheint gesichert. Fest steht auch, dass der nächste Verhandlungstag in Wuppertal am 6. Juli angesetzt ist.

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