Für Kinder und Tiere absolut tödlich

Wunderbaum: Giftige Zierpflanze - das müssen Gärtner unbedingt beachten

Die Samenkugeln eines Wunderbaums, seine Samenhülsen und ein Hinweis auf seine hohe Giftigkeit.
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Die Samen des Wunderbaums sind hochgiftig. Deshalb hat das Gewächs nichts als Zierpflanze im Garten verloren.
  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
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Der Wunderbaum liegt als schöne Zierpflanze vom im Garten-Trend - doch sein Gift wird sogar offiziell als biologische Kampfwaffe eingestuft.

Er ist ein stattlicher Bursche. In heimatlichen Gefilden kann er über zehn Meter hoch werden. Und er sieht gut aus. Deswegen wird der Wunderbaum (Ricinus communis) auch im Raum Heilbronn häufig als Gartenzierpflanze kultiviert. Doch das wunderschöne Wolfsmilchgewächs hat ein düsteres Geheimnis. Und wer es nicht kennt, kann mit dem Wunderbaum sein blaues Wunder erleben. DENN: Nur der Verzehr einer minimalen Menge seiner Samen ist tödlich - für Mensch und Tier.

Der Wunderbaum ist begehrt. In sämtlichen tropischen Länder wird er zur Gewinnung des anerkannten Abführmittels Rizinusöl angebaut. In Deutschland hat er als klimabedingter „Zwerg“ von ein bis zwei Metern Höhe lediglich optischen Wert. Und findet – wie auch dieser pflanzliche Killer – Verwendung in Gärten. Als Zierstrauch, der vor allem durch seine roten Stachelkapseln besticht. Doch genau in denen lauert der Tod. In Form von glänzend marmorierten Gift-Samen, die zudem äußerst wohlschmeckend sind.

Wunderbaum ist tödlich und sein Rizin Kriegswaffe! Bloß nicht in Gärten mit Kindern und Tieren

Und genau da liegt das Problem beim wunderschönen Wunderbaum, von dessen Kultivierung in heimischen Gärten der NABU Baden-Württemberg ebenso abrät wie beim Blauen Eisenhut. Denn die Optik-Geschmack-Kombination hat eine verführerische Wirkung - auf Kleinkinder und Haustiere. gift.de schreibt dazu: „Die Wirkung des Giftes hängt vom Zerkauungsgrad des wohlschmeckenden Samens ab. Vergiftungen werden nur bei intakter Schale überlebt.“ Denn die sei „praktisch ungiftig“ - im Gegensatz zu ihrem Inhalt...

Die Wirkung des Giftes hängt vom Zerkauungsgrad des wohlschmeckenden Samens ab. Vergiftungen werden nur bei intakter Schale überlebt.

Hinweis von gift.de

Das Gefährliche bei einem Verzehr der Samen des Wunderbaums: Symptome einer Rizin-Vergiftung treten erst nach mehreren Stunden bis zu zwei Tagen auf. Doch dann geht es rasant zu - vor allem im Magen-Darm-Trakt der betroffenen Menschen. Und zwar ungefähr in dieser Reihenfolge:

  • blutiges Erbrechen, blutige Durchfälle, Koliken
  • Austrocknung und Krämpfe
  • Nierenversagen, Pulsbeschleunigung, weite Pupillen

Der Tod tritt letztendlich durch Atemlähmung (ähnlich dem Konsum der Engelstrompete) und Herzversagen ein. Werden die Samen des Wunderbaums jedoch gänzlich ohne ihre Hülse konsumiert, kommt praktisch jede Hilfe zu spät. Denn reines Rizin verklumpt die roten Blutkörperchen bei Mensch und Tier. Das Tragische: Gegen solch einen Vergiftungsgrad mit dem reinen Rizin des Wunderbaums ist KEIN Gegenmittel bekannt. ACHTUNG: Für Kinder ist laut botanikus.de bereits der Verzehr EINES reinen Samenkorns tödlich.

PflanzeWunderbaum
FamilieWolfsmilchgewächse
HerkunftNordost-Afrika und Naher Osten
BlütezeitAugust bis Oktober
GiftstoffRizin

Kriegswaffe: Giftigen Wunderbaum bloß nicht als Zierpflanze im Garten kultivieren

Die Samen des Wunderbaums sind allerdings auch für folgende Tiere hochgiftig: Pferde (Achtung vorm Schwarzen Bilsenkraut), Rinder, Kühe, Schafe, Schweine, Ziegen, Hunde, Katzen, Hasen, Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen, Hühner und Gänse. Die Symptome einer Rizin-Vergiftung sind botanikus.de zufolge „Speichelfluss, Reizungen der Schleimhäute, Magen- und Darmentzündungen mit teils starkem Durchfall, Schwindel, Anstieg der Körpertemperatur, Muskelzucken, Krämpfe, Entzündung der Nieren mit starkem Drang zum Wasserlassen, Zerfall der roten Blutkörperchen sowie Leberschädigung“. 

Wer sich den giftigen Wunderbaum in den Garten stellt, sollte sich aber auch dessen bewusst sein, was das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Homepage schreibt: „Der Handel und Umgang mit Rizin als Reinsubstanz wird nach dem Chemiewaffenübereinkommen vom 19.04.1997 beschränkt. Ausgenommen hiervon sind forschungsbezogene, medizinische und pharmazeutische Arbeiten mit entsprechender Genehmigung. Darüber hinaus ist Rizin in der Kriegswaffenliste (Anlage zu § 1 Abs. 1 des Kriegswaffen­kontrollgesetzes) unter Punkt II, Biologische Waffen, aufgeführt.“

Daher hat der Wunderbaum seinen Namen

Der Name Wunderbaum geht auf die Bibel zurück, da die in heimischen Gefilden extrem schnell wachsende Giftpflanze zum Schutz des Propheten Jona in Ninive in einer Nacht zum Baum aufgeschossen ist - also in wundersamer Weise.

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