Nach Ausbruch von vier Straftätern

Erneute Flucht aus Psychiatrie: Heftiger Streit um Sicherheit entbrannt

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Aus der Psychiatrie des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg ist am Samstagabend erneut ein Mann geflüchtet. Das Thema Sicherheit steht nun scharf in der Kritik.

Update vom 12. Oktober: Die spektakuläre Flucht von vier Straftätern am 23. September aus dem Maßregelvollzug des Klinikums am Weissenhof hat für Wirbel gesorgt. Noch immer sind drei der vier Männer auf der Flucht, sie sollten von der Psychiatrie ins Gefängnis verlegt werden. Nun hat es noch eine Flucht gegeben, allerdings aus der offenen Station. Am Samstagabend (9. Oktober) ist ein 40-jähriger Mann aus der Weinsberger Psychiatrie entwischt und konnte bislang noch nicht wieder gefunden werden.

Die Flucht des 40-Jährigen hat nun erneut eine Diskussion über die Sicherheit in den Einrichtungen entfacht. Die SPD sieht sich durch den neuen Vorfall in ihrer Kritik an den Bedingungen bestärkt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Das Sozialministerium weist die Vorwürfe dagegen deutlich zurück und wirft der Partei vor, aus „Oppositionsreflexen heraus und wider besseres Wissen“ zu verunsichern.

Weinsbergs Bürgermeister Stefan Thoma und die Polizei wollen sich laut SWR am Dienstag treffen, um über die Vorfälle an der Klinik ausführlich zu sprechen.

Erneute Flucht aus Psychiatrie in Weinsberg: Sicherheit steht in der Kritik

Es gehe bei der jüngsten Entweichung in Weinsberg keineswegs um einen Ausbruch aus dem Sicherheitsbereich wie vor wenigen Wochen, sagte Sozialminister Manne Lucha (Grüne). Der Patient, ein verurteilter Einbrecher, sei vielmehr nach Lockerungsmaßnahmen nicht in die Klinik zurückgekehrt.

„Diese Lockerungen sind mit den Gerichten fest vereinbarte Stufen im Rahmen des therapeutischen Konzeptes mit dem Ziel der Wiedereingliederung in die Gesellschaft“, sagte Lucha. „Es ist unlauter, Entweichung und Ausbruch in der öffentlichen Kommunikation miteinander zu vermischen.“

Die Tage der offenen Tür in Weinsberg müssen beendet werden.

Strafvollzugsexperte Jonas Weber

Die SPD hatte nach dem Ausbruch der vier Männer vor mehr als zweieinhalb Wochen verlangt, die landesweit fünf Maßregelvollzugsanstalten gründlich zu überprüfen. Diese Forderung bekräftigte der Strafvollzugsexperte Jonas Weber nun und sagte, der erneute Vorfall trage nicht zum Sicherheitsgefühl der Menschen bei. Er unterstreiche vielmehr die Notwendigkeit, die Vorkehrungen in diesen Einrichtungen auf Herz und Nieren zu prüfen. „Die Tage der offenen Tür in Weinsberg müssen beendet werden“, sagte Weber.

Weinsberg: Weitere Details über den flüchtigen Mann (40) bekannt

Der flüchtige Patient war auf einer offenen Station untergebracht und wird seit Samstag gesucht. „Offen geführt bedeutet, dass die Station nicht rund um die Uhr verschlossen ist“, sagte ein Sprecher des Klinikums. Zwar sei eine „engmaschige Überwachung“ weiterhin Teil des Sicherheitskonzeptes, auch um Regelverstöße schnell festzustellen. Grundsätzlich sei aber zwischen einer Flucht oder „Entweichung“ von einer offenen Station und einem Ausbruch aus einer geschlossenen Station zu unterscheiden, sagte der Sprecher.

Nach Angaben des Sozialministeriums war der Mann wegen Einbruchsdiebstahls verurteilt worden. Er stand seit 1985 mit insgesamt 17 Eintragungen in den Akten, darunter auch Fahren ohne Fahrerlaubnis und Körperverletzung. Die Gerichte entscheiden jeweils über Gefängnis oder Therapie im Maßregelvollzug. Neue oder als besonders gefährlich eingestufte Patienten werden in besonders gesicherten Bereichen untergebracht.

Erneut Flucht aus Psychiatrie: Mann seit Samstagabend auf der Flucht

Update vom 11. Oktober: Auch am Montag sucht die Polizei weiter nach dem Mann, der am Samstagabend von einer offenen Station im Klinikum am Weissenhof in Weinsberg geflohen ist. Eine Sprecherin der Polizei bestätigte am Montagmorgen, das es bisher keinen Erfolg bei der Suche gegeben hätte. Einen Zusammenhang mit den vier geflohenen Männern aus dem Maßregelvollzug soll es nicht geben.

Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen aus Psychiatrien. Im vergangenen Jahr gab es in Baden-Württemberg nach früheren Angaben des Gesundheitsministeriums 47 solcher Fälle bei 1252 Patienten landesweit. Das Klinikum am Weissenhof in Weinsberg in der Nähe von Heilbronn ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg. Es bietet psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Behandlung und Betreuung psychisch kranker Menschen.

Erneut Flucht aus Psychiatrie: Mann seit Samstagabend weg – Mega-Suchaktion

Erstmeldung vom 10. Oktober: Die Flucht von vier Straftätern aus der Psychiatrie in Weinsberg machte am 23. September Schlagzeilen. Die vier Männer waren aus einer geschlossenen Station der Psychiatrie am Weissenhof entkommen, drei von ihnen sind noch immer auf der Flucht. Der krasse Ausbruch löste in Baden-Württemberg eine Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen im Umfeld der Kliniken aus. Am Samstag, 9. Oktober, ist nun erneut ein Mann aus der Psychiatrie in Weinsberg entkommen.

In einer Mitteilung an die echo24.de-Redaktion teilt die Polizei Heilbronn mit, dass der 40 Jahre alte Mann am Samstagabend aus der offenen Station des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg geflüchtet sei. Der Mann ist laut Polizei circa 166 Zentimeter groß, ungefähr 76 Kilogramm schwer und hat schwarzen Haare, die nach hinten gegelt sind. Man habe die Ermittlungen aufgenommen und bittet darum, keine Personen als Anhalter mitzunehmen, schreibt die Polizei Heilbronn.

Erneut Flucht aus Psychiatrie in Weinsberg: Polizei bittet um Hinweise

Nach der Flucht des 40-Jährigen am Samstagabend leitete die Polizei sofort eine Mega-Suchaktion ein, auch ein Hubschrauber der Polizei war im Einsatz. Bislang konnte der Mann allerdings nicht gefunden werden. Die Polizei teilt noch mit, dass es nach aktuellen Erkenntnissen keinen Zusammenhang zu der Flucht der vier Straftäter vom 23. September gibt. Zeugen, die Hinweise zu der oben genannten Person oder deren Aufenthaltsort geben können, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

HInweise können Zeugen der Polizei unter der Notrufnummer 110 melden.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/picture alliance/dpa

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