Tierquälerei? Von wegen!

So ist die Situation der Weihnachtscircus-Tiere wirklich

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Eines der Kamele kommt neugierig angeschlendert.
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Von Tierquälerei kann in Heilbronn keine Rede sein. Das wird von unabhängiger Stelle kontrolliert und ist für Laien ersichtlich.

Die Nüstern blähen sich auf. Mit einem freundlichen Schnauben begrüßt ein weißer Araber seine Besucher. Rings um ihn stellen alle Pferde die Ohren auf. Dann gibt es Streicheleinheiten für die schönen Vierbeiner. Die genießen das Kraulen so richtig. Vor allem von ihrem Besitzer Manuel Frank. Dass hier eine echte Liebe zwischen Tier und Mensch besteht, wird auf den ersten Blick klar.

Elefanten, Kamele, Pferde, Hunde - der Heilbronner Weihnachtscircus setzt mit seinen Tiernummern nach wie vor auf eine der klassischen Säulen des Zirkus'. Tierschützer bringt das auf die Palme. "Tierquälerei", "Gott, was seid ihr für Spinner", "Schämt euch" - solche und andere Kommentare hagelt es bei Facebook massenweise.

Grund dafür: der Weihnachtscircus und die Berichterstattung dazu. Die passte vielen echo24.de-Lesern so gar nicht, weil der Zirkus nach wie vor auf Wildtiere setzt. Ein heikles Thema für Zirkus, Tierschutz und Besucher. Grund genug, sich die Situation der Tiere einmal aus der Nähe anzuschauen.

Was halten Sie von Tieren im Zirkus?

Im ersten Moment ist der platte Vorwurf "Elefanten gehören nicht in den Zirkus" sicherlich erst einmal nachvollziehbar. Wie können solch große Wildtiere in einem Zirkus artgerecht gehalten werden? "Es gibt ganz klare rechtliche Rahmenbedingungen für die Haltung von Zirkustieren", erklärt ein Sprecher des Veterinäramts Heilbronn. "Beim Weihnachtscircus gibt es keine Verstöße." Ein Tierarzt kontrolliert die Bedingungen vor Ort. Dafür schaut er sich nicht nur die Unterbringungen, sondern "gegebenenfalls auch die Nummern" an. Elefanten sind erlaubt, Affen und Bären beispielsweise nicht mehr.

"Natürlich kann jeder für sich entscheiden, wie er zu Tieren im Zirkus steht. Aber wir behandeln unsere Tiere sehr gut. Die Tiertrainer arbeiten liebevoll mit ihren Schützlingen. Sie alle und auch ich lieben Tiere", bekräftigt auch Weihnachtscircus-Leiter Sascha Melnjak. Er verspricht: "Wenn ich wüsste, dass es den Tieren schlecht geht, würde ich sie nicht hier haben."

Die Kamele haben einen größeren Auslauf, die Pferdeboxen sind geheizt und größer als in jedem üblichen Reitstall. Die Elefanten bekommen in ihrem Gehege Abwechslung durch Äste und Spielzeug. Die Hunde tollen wild um ihre Besitzerin und freuen sich schwanzwedelnd über Besuch. Dazu kommt die enorme mentale Beschäftigung aller Vierbeiner. "Nirgendwo werden Tiere so stark beschäftigt, bekommen so viel Abwechslung, Aufmerksamkeit und Zuneigung, wie im Zirkus", erklärt Pferdetrainer Frank.

Bilder: Tiere im Heilbronner Weihnachtscircus

Das bestätigen auch Tierverhaltensforscher. Im Zirkus seien Tiere in der Regel gut aufgehoben. Auch weil sie meist schon in dieser Umgebung geboren seien. Dadurch wären die Tiere an alles gewöhnt und ihre Bedürfnisse wären mit wilden Tieren nicht vergleichbar. Frank: "Leider gibt es trotzdem immer wieder schwarze Schafe, die Tiere nicht gut behandeln."

Fälle wie in Buchen, als die Elefantendame "Baby" ausriss und einen Spaziergänger tötete, lösen zurecht Kritik aus. Melnjak: "In der Tat gibt es nur noch sehr wenige Elefanten in Zirkuseinrichtungen. Sie alle sind dort aufgewachsen und daran gewöhnt. Würden wir sie aus dem Zirkus nehmen, würden die Tiere zu Grunde gehen."

Die Tiere im Weihnachtscircus sehen allesamt gesund aus, kein manisches Hin- und Herlaufen. Keine traurigen Augen. Stattdessen: pure Neugierde, auf alles und jeden, der näher kommt. Auch bei dem echo24.de-Gewinnspiel konnten unsere Leser dies bestätigen. Tina Koos: "Die Trainer sind wirklich sehr liebevoll. Ich habe nicht das Gefühl, dass eines der Tiere etwas gegen seinen Willen tut." Auch Koos war mit einem eher skeptischen Gefühl zu dem Termin gekommen.

"Jedes große Tier würde sich sofort wehren, wenn es nicht wollte", sagt Melnjak. Gezwungen wird im Weihnachtscircus niemand - auch nicht die tierischen "Mitarbeiter". Tierschutz ist sehr wichtig. Das ist allen Beteiligten klar. Auch Melnjak hat für Kritik Verständnis. "PETA ist allerdings eher eine Sekte. Das Ziel dieser Organisation ist eine vegane Gesellschaft. Kein Tier soll in menschlicher Obhut sein. Auch keine Haustiere." Zudem würden vier Millionen Euro Spendengelder lediglich für Kampagnen draufgehen. "Da fließt nicht ein Euro direkt in Tierschutzprojekte."

Der Streit zwischen Tierschützern und Zirkus wird dennoch nicht abreißen. Und es ist sicherlich gut, wenn immer wieder gängige Praktiken hinterfragt werden. Der Weihnachtscircus ist aber der falsche Ort für allgemeine und unfaire Kritik. Trotzdem könnte es 2019 auch hier keine Tiere mehr geben. "Ohne jemals hier gewesen zu sein, hat der Gemeinderat beschlossen, dass wir nur noch drei Jahre Tier im Heilbronner Weihnachtscircus haben dürfen", sagt Melnjak. Das hieße: Arbeitslose Trainer und Tiere, die aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen würden. "Wir wollen das verhindern. Im Zweifelsfall werden wir klagen."

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