Diese Familie steht Kopf

Die spannende Geschichte der Messoudis

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Die Messoudi Brothers mit Papa Said im Hamburger Hafen.
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Eine Artistenfamilie gibt Einblick in ihr Leben. Und das hält einige Überraschungen bereit.

Yassin liegt auf dem Rücken, streckt die Beine in die Luft. Stille. Jetzt kommt der schwierige Teil: Soffien und Karim müssen sich auf seinen Füßen in der Waagerechten ausbalancieren. Sekundenlang trotzen die drei Brüder der Schwerkraft, ehe sie die wacklige Konstruktion aus menschlichen Körpern grazil auflösen. Eine kurze Schockstarre, doch dann brechen die Zuschauer in tosenden Applaus aus.

Die athletische Nummer der Messoudi Brothers ist DER Publikumsliebling beim Heilbronner Weihnachtscircus. Am Ende des Abends erhalten die drei Brüder regelmäßig die größte Aufmerksamkeit,  Standing-Ovations. Die Anerkennung durch das Publikum ist der größte Lohn für die harte Arbeit, das jahrelange Training für die Perfektion in der Manege. Karim: "Da fühlt man sich fast ein bisschen wie ein Star."

Bilder: Körperkunst der Messoudi Brothers

Als Yassin gerade einmal zweieinhalb Jahre alt war, trat er zum ersten Mal auf. Damals machte er einen Handstand auf Papa Saids Arm. Spielerisch wuchsen auch die beiden jüngeren Brüder ins Artistenleben. Karim: "Ich kann mich nicht daran erinnern, wie ich einen Handstand gelernt habe. Soweit ich weiß, kann ich das schon immer."

Doch was hinterher so leicht aussieht, bedarf harten Trainings. "Für einen Trick haben wir fast sieben Jahre geübt", erklärt Soffien. Überraschend ist: Heute üben die Brüder nicht mehr so viel. Soffien: "Die Nummern sitzen. Nur wenn wir uns länger nicht gesehen haben, proben wir nochmal." Mama Heidi ergänzt: "Aber sie trainieren täglich ihre Fitness."

Damit die Sixpacks deutlich hervorstechen und die Muskeln der großen Belastung standhalten, pumpen die Brüder jeden Abend nach der Show in einem Fitnessstudio. Größer ist aber die mentale Anstrengung. Soffien: "Wir müssen die Konzentration zu 100 Prozent aufrechterhalten. Über acht, neun, zehn Minuten." Andernfalls könnten die Folgen dramatisch sein. "Wenn ihnen etwas passiert, können sie nichts mehr in diesem Beruf machen", sagt Heidi.

Die Mutter der drei ist inzwischen die gute Fee hinter dem Vorhang. Denn sie weiß, worauf es ankommt. Sie selbst hat jahrelang alles Mögliche im Zirkus gemacht. Soffien: "Sie war ein richtiges Showgirl." In einem Ensemble in Malaysia lernten sich Heidi und Said kennen - und lieben. Dann wurde Yassin geboren, zwei Jahre später Soffien. Drei Jahre danach kam Nesthäkchen Karim zur Welt. Aus dem Pärchen Messoudi wurde die "Messoudi Family".

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Soffien: "Auch bei unserer Familie gibt es natürlich Streit, das ist ganz normal." Doch die Messoudis wissen genau, was sie aneinander haben. "Wir können aufeinander vertrauen. Das ist unter Artisten enorm wichtig", sagt Kerim. Und die enge Zusammengehörigkeit in der Familie hat einen weiteren Vorteil. Nur etwa vier Wochen im Jahr ist die Familie zu Hause. Der gleiche Beruf bedeutet in ihrem Fall auch: viel Zeit miteinander verbringen.

Genau diese Zusammengehörigkeit machte die Brüder zu einer der besten Handstandtruppen der Welt. Unter den wachsamen Augen ihrer Eltern konnten sie sich entwickeln. Mittlerweile gehören sie zu den Großen des Zirkus'. Während die Mama sich nach und nach aus der Manege zurückzog, konnte der Papa sich noch nicht losreißen. Karim: "Er ist streng darin, wie wir arbeiten. Er will, dass wir die besten sind." Doch im Grunde genommen fühlt Said nur eins, wenn er seine Söhne bei ihren akrobatischen Nummern beobachtet: Stolz.

Zurecht, denn was sie nur mit ihrem Körper leisten und wie sie sich in immer neue Handstandfiguren schwingen, ist einfach faszinierend. Dass das einmal vorbei sein könnte, daran denkt im Moment niemand. "Es ist unser Ziel, so lange wie möglich auf einem möglichst hohen Level zu arbeiten", erklärt Yassin. "Wenn wir das schaffen, sind wir zufrieden."

Das Artistenleben füllt die Messoudis eben voll und ganz aus. "Manchmal fragen wir uns, wie es wohl wäre, ein normales Leben zu führen, aber wir würden niemals wechseln", sagt Soffien. 34 Länder der Welt haben sie gesehen. Andere schwärmen von Italien, Russland oder China, die Messoudis waren meist schon da. Soffien: "Für uns ist es sehr schwer, an einem Ort zu bleiben. Wenn wir nicht reisen, ist uns langweilig."

Freizeit hat die Familie kaum. Doch für die Messoudis ist alles wie ein großer Urlaub. Sie haben ihr Heim in Deutschland, zu Hause sind sie überall. Der Zirkus hat Tradition in ihrer Familie. Die Modernität ist trotzdem längst bei ihnen angekommen. Bei Facebook, Instagram und Snapchat teilen sie ihr Artistendasein mit all denen, für die Zirkus aus maximal einer Vorstellung im Jahr besteht. Soffien: "Um etwas zu begreifen, musst du es sehen. Wir können genau das tun. Für uns haben wir den besten Job der Welt."

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