1. echo24
  2. Heilbronn

Trockenheit und Hitze: Ist die Wasserversorgung in Heilbronn gefährdet?

Erstellt:

Von: Lisa Klein

Kommentare

Heilbronn: Trockenheit begünstigt Waldbrandgefahr - Bauern und Förster schlagen Alarm.
In ganz Europa ist der Sommer zu trocken. In Norditalien wurde der Dürrenotstand ausgerufen. Droht uns auch in Baden-Württemberg eine Wasserknappheit? (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa

Der Sommer ist in ganz Europa zu trocken. In Norditalien wurde der Dürrenotstand ausgerufen. Droht uns auch in Baden-Württemberg Wasserknappheit?

Der Klimawandel ist in Europa aktuell deutlich zu spüren: Der Sommer ist heiß und vor allem zu trocken. In Italien herrscht derzeit die schwerste Dürre seit 70 Jahren, Anfang Juli wurde der Dürrenotstand in Norditalien ausgerufen. Der Wasserspiegel des Gardasees und des Lago Maggiore liegen deutlich unter dem Normalwert für diese Jahreszeit. Das Wasser ist knapp: In einigen Regionen wurde bereits das Trinkwasser rationiert. Auch Spanien und Portugal leiden in diesem Sommer unter extremer Trockenheit.

Wie eine Bilanz des Deutschen Wetter-Dienstes (DWD) zeigt, war bereits der Juni 2022 in Deutschland deutlich zu warm und zu trocken. Und der Trend setzt sich fort: Aktuell rollt eine Hitzewelle auf Baden-Württemberg zu. Die Wettermodelle sind sich noch uneinig, doch die Temperaturen könnten laut manchen Berechnungen Mitte Juli sogar die 40-Grad-Marke knacken. Niederschlag ist weit und breit nicht in Sicht. Wie sieht es angesichts der Hitze und Trockenheit mit der Wasserversorgung in Baden-Württemberg aus? Muss auch in der Region Heilbronn mit einer Wasserknappheit gerechnet werden?

Große Trockenheit: So steht es um die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg

Eine große Rolle bei der Wasserversorgung in Baden-Württemberg spielt der Bodensee: Rund vier Millionen Menschen in 320 Städten und Gemeinden werden mit Bodenseewasser beliefert, darunter auch Heilbronn. Das Wasser wird in etwa 60 Metern Tiefe aus dem Bodensee entnommen, in die circa 310 Meter höher gelegene Aufbereitungsanlage auf dem Sipplinger Berg befördert und anschließend verteilt.

„Der Bodensee liefert quasi Wasser im Überfluss. Der Alpenrhein liefert mit Abstand das meiste Wasser dafür“, erklärt Teresa Brehme, Sprecherin der Bodensee-Wasserversorgung, auf echo24.de-Anfrage. Das Faszinierende: „Auf den Pegel des Bodensees hat die Entnahme von Trinkwasser keinen messbaren Einfluss. Denn die Sonne trinkt weitaus mehr: Im Mittel ist die Verdunstung doppelt so hoch wie die Entnahme der Bodensee-Wasserversorgung.“

Trockenheit in Baden-Württemberg: Droht durch den Klimawandel in naher Zukunft eine Wasserknappheit?

Aktuell ist die Trinkwasserversorgung durch den Bodensee gesichert. Doch das Klima verändert sich. Laut einer Klimastudie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) nehmen je nach Ausmaß der zukünftigen globalen Erwärmung die Niederschläge im Mittelmeerraum ab. Auch in Mitteleuropa besteht die Gefahr verstärkter Trockenheit im Sommer. Droht uns eine Wasserknappheit in naher Zukunft? Wie Teresa Brehme erklärt, prognostizieren Klimamodelle für die Alpennordseite „eine zeitliche Verschiebung bei den Niederschlägen“ – höhere Niederschlagsmengen im Winter, geringere Mengen im Sommer.

Die Jahressumme der Niederschläge im Wassereinzugsgebiet des Bodensees wird laut Brehme in etwa gleich bleiben: „Die zusätzlich zufließende Menge durch schmelzende Gletscher zeigt nur geringfügige Auswirkungen auf den Gesamtzufluss. Schwankungen im Wasserstand sind ein natürlicher Vorgang im Bodensee und haben keine Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. Nach den heutigen Erkenntnissen werden wir auch in Zukunft genügend Wasser im Bodensee haben.“

Müssen Landwirte mit einer Wasserknappheit rechnen? So steht‘s um das Grundwasser in BW

Anders sieht es beim Thema Grundwasser aus. „Klimaprognosen bis 2050 zeigen, dass in manchen Teilen des Landes um bis zu 20 Prozent weniger Grundwasser neu gebildet wird“, schreibt das Umweltministerium Baden-Württemberg. Zudem ist insbesondere im Sommer mit einer deutlichen Temperaturzunahme, längeren Trockenperioden und häufigeren extremen Wetterereignissen wie Starkregen zu rechnen. So, wie wir es in diesem Sommer bereits erleben.

Das ist vor allem für die Landwirtschaft ein großes Problem. Die Wasserwirtschaft im Landratsamt behält die maßgebenden Pegel der Gewässer im Blick. Bei großräumiger Niedrigwassersituation können Wasserentnahmen auch im Rahmen einer Allgemeinverfügung eingeschränkt werden. Wie das Landratsamt Heilbronn auf echo24.de-Anfrage mitteilt, „gibt es beim Niederschlag große Jahr-zu-Jahr Variabilitäten und regionale Unterschiede. Es ist deshalb nicht vorhersehbar, ob wir in diesem Jahr mit Wasserknappheit in der Landwirtschaft rechnen müssen.“

Wasserknappheit in der Landwirtschaft? Grundwasser „auf unterdurchschnittlichem Niveau“

Eine Wasserknappheit wird demnach nicht ausgeschlossen. Dabei sind die Grundwasserstände von vielen Faktoren abhängig. „Ob für einen einzelnen Landwirt, der Grundwasser zur Bewässerung nutzt, in diesem Sommer tatsächlich eine Wasserknappheit zu befürchten ist, hängt beispielsweise von der Tiefe des genutzten Grundwasserleiters, der Größe des Einzugsgebiets, des technischen Zustands des Brunnens sowie der Entnahmemenge ab“, erklärt das Landratsamt Heilbronn.

Gemäß dem aktuellen Zustandsbericht der Baden-Württembergischen Landesanstalt für Umwelt bewegen sich die Grundwasserstände und Quellschüttungen in ganz Baden-Württemberg Ende Juni 2022 auf unterdurchschnittlichem Niveau. Statistisch über 20 Jahre betrachtet liegen die Verhältnisse überwiegend an der unteren Grenze des für einen Juni üblichen Niveaus (Untergrenze des Normalbereichs), vereinzelt auch darunter. Die Grundwasserverhältnisse waren im Juni trotz regional überwiegend überdurchschnittlicher Niederschläge insgesamt rückläufig und sind niedriger als noch im Juni 2021.

In den ersten Gemeinden wird bereits um eine Zurückhaltung bei der Wasserentnahme geben. Der Wasserpegel der Flüsse und Bäche im Hohenlohekreis ist in den vergangenen Wochen erheblich gesunken. Das Landratsamt Hohenlohekreis bittet daher um „einen verantwortungsbewussten Umgang bei der Wasserentnahme“. Andernfalls drohen Einschränkungen.

Auch interessant

Kommentare