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Tarifeinigung nach Warnstreik auch bei Audi: 7000 Euro mehr für Facharbeiter

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Von: Melissa Sperber, Lisa Klein

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Bei dem bundesweiten Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie ist es zur Einigung gekommen. Die Mitarbeitenden erhalten Einmalzahlungen und Lohnerhöhungen. Der Tarifabschluss bedeutet für Facharbeiter 7000 Euro mehr.

Update vom 18. November: Nachdem es in den vergangenen Wochen zu mehreren Warnstreiks – unter anderem auch bei Audi – gekommen ist, konnte nun eine Einigung bei dem Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie erzielt werden. Bis zu der Verhandlung am Donnerstag hatten laut Gewerkschaft rund 900.000 Beschäftigte bundesweit zeitweise die Arbeit niedergelegt. Zwölf Stunden wurde verhandelt, zwischenzeitlich drohte sogar ein Abbruch.

Tarifabschluss in Metall- und Elektroindustrie: 7000 Euro mehr für Facharbeiter

Für die 3,9 Millionen Beschäftigten der Branche sind Lohnsteigerungen von 5,2 Prozent zum Juni 2023 und noch mal 3,3 Prozent ab Mai 2024 bei einer Laufzeit von 24 Monaten vorgesehen. Dazu kommen steuerfreie Einmalzahlungen von insgesamt 3000 Euro. Das Ergebnis verkündeten beide Parteien am frühen Freitagmorgen in Ludwigsburg bei Stuttgart.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hat den Tarifabschluss in der Metall- und Elektrobranche positiv bewertet, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Die IG Metall sei mit dem klaren Ziel angetreten, die Tabellen signifikant zu erhöhen, sagte er in der Nacht zum Freitag nach den Verhandlungen in Ludwigsburg. Das sei gelungen: Am Ende der Laufzeit von 24 Monaten stehe eine Tabellenerhöhung von 8,5 Prozent. Inklusive der steuerfreien Einmalzahlung von 3000 Euro erhalte ein Facharbeiter so über die Laufzeit rund 7000 Euro mehr. „Das ist ein Wort.“

Metaller bekommen deutlich mehr Geld: Positiv auch für die Wirtschaft

Der erste Abschluss in der Elektro- und Metallindustrie ist nach Auffassung von Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf ein „kräftiger Vorschuss“ auf den künftigen Aufschwung, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Es sei ein teurer Abschluss, teilte Wolf am frühen Freitagmorgen in Ludwigsburg mit.

Das Ergebnis gilt als Pilotabschluss, der im Kern auch in anderen Bezirken umgesetzt werden soll. In der Branche sind bundesweit rund 3,9 Millionen Menschen beschäftigt. Wolf sprach von einem „langen und aufwendigen Weg“. Nun könne man sich auf die Arbeit konzentrieren. „Wir kommen schließlich nur zusammen nach vorn.“

Aus Sicht von Gewerkschaftschef Hofmann ist der Abschluss auch ein Beitrag, die Rezessionstendenzen in der deutschen Wirtschaft zu begrenzen. Die mangelnde Wirtschaftskraft sei vor allem durch einen Rückgang im privaten Konsum getrieben. „Mit einem Lohnabschluss wie diesem haben wir nicht nur eine gerechte Lastenteilung erreicht, sondern auch einen verantwortungsvollen Abschluss im Sinne der weiteren konjunkturellen Entwicklung.“

Warnstreik bei Audi: IG Metall ruft zur Arbeitsniederlegung auf

Erstmeldung vom 15. November: Es ist eine deutliche Ansage an die Verhandlungspartner: 15.000 Beschäftigte hat die IG Metall am Dienstag, 15. November, zu einer Tarif-Kundgebung vor der Audi-Zentrale in Ingolstadt aufgerufen. Mitarbeiter des Autobauers Audi, zuletzt einen wichtigen Zulieferer verloren hat, von Airbus und aller anderen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie im Raum Ingolstadt sollen daran teilnehmen.

Auch in der Region Heilbronn ruft die IG Metall zu Warnstreiks auf, wie der SWR schreibt. Bis zu 6.000 Mitarbeitende von Audi, Kolbenschmidt und HUAYU AluTech sollen zu einer Kundgebung auf dem Neckarsulmer Marktplatz kommen – und derweil ihre Arbeit niederlegen.

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, beriet der IG-Metall-Vorstand in Frankfurt am Main am Montagabend über das weitere Vorgehen in dem bundesweiten Tarifkonflikt. Die Gewerkschaft fordert acht Prozent mehr Lohn bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben bei 30 Monaten Laufzeit einmalig 3000 Euro netto sowie eine nicht bezifferte Erhöhung der Lohntabellen angeboten.

IG Metall kündigt Warnstreik an: Tarifparteien verhandeln am Donnerstag erneut

Nach vier ergebnislosen Verhandlungsrunden sind jetzt alle Augen auf Baden-Württemberg gerichtet. Dort haben sich die Tarifparteien angeboten, den Weg zu einem Pilotabschluss zu suchen, wie die dpa weiter berichtet. Sie wollen sich am Donnerstag zu ihrer fünften Verhandlungsrunde treffen.

Fortsetzung von Warnstreiks der IG Metall
Bereits vier Verhandlungsrunden sind bisher gescheitert. © Henning Kaiser/dpa/Archivbild

Bis dahin sind weitere große Warnstreiks zu erwarten. Horn hatte bereits angekündigt: „Ab Dienstag wird dann eine massive zweite Warnstreikwelle über die bayerischen Betriebe rollen.“ In Bayern arbeiten rund 855 000 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie, bundesweit sind es fast vier Millionen.

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