Marcel T. will sein Leben in den Griff bekommen

Bombendroh-Prozess: Das sind die Plädoyers

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Nach der Bombendrohung gingen die Besucher mit mulmigen Gefühlen aufs Volksfest.
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Dem 22-jährigen Angeklagten droht eine heftige Strafe - vor allem wegen der Brandstiftung.

Schon als Schüler hat Marcel T. an seiner Heilbronner Schule mit einem Amoklauf gedroht. Er wurde bestraft - die Einsatzkosten musste er blechen. Aber diese Quittung war wohl nicht heftig genug. Im Frühjahr 2016 hat er in seinem Wohnhaus in Bad Wimpfen gleich zwei Brände gelegt, dazu kommt noch die Volksfest-Bombendrohung in der Nacht auf den 30. Juli 2016. "Man hat ihm in seiner Jugend wohl zu viel durchgehen lassen", sagt der Verteidiger des 22-Jährigen heute vor dem Heilbronner Landgericht. Und die Plädoyers am fünften Prozesstag zeigen: Marcel T. muss sich auf eine saftige Strafe einstellen.

"Wenn ich an die Taten des Angeklagten denke, habe ich eine ganze Menge Bilder im Kopf", sagt die Staatsanwältin zu Beginn ihrer Zusammenfassung. Bilder von Rauchwänden, einem lichterloh in Flammen stehenden Keller, Senioren, die sich nur noch in letzter Minute auf den Balkon retten können und Kindern, die seit den beiden Bränden nur noch widerwillig zu Bett gehen. Aus Angst, es herrscht bald wieder Feueralarm.

Die Staatsanwältin betont erneut: Es grenze an ein Wunder, dass bei den Bränden niemand starb. "Es ist ein Glück, dass Senioren mit schwacher Blase im Haus wohnen, die den nächtlichen Brand gerade noch entdeckt haben. Sonst hätte zumindest bei der zweiten Brandstiftung das komplette Gebäude abbrennen können." Nicht auszudenken, wenn selbst nach der Brandentdeckung die Bewohner versucht hätten, sich durch den verrauchten Hausgang zu retten. Schon zwei Atemzüge der giftigen Dämpfe hätten zum Tode führen können.

Und auch, wenn bei der Bombendrohung niemand körperlich zu Schaden gekommen ist und der Sprengsatz nicht existiert hat: Die Angst ist geblieben, dass auch Heilbronn keineswegs immun gegen Terror und Anschläge ist. Die Staatsanwältin: "Wer noch zum Volksfest ging, musste zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen über sich ergehen lassen, es gab zusätzliche Security-Kräfte. Viele sind dem Volksfest aber gleich ferngeblieben. Und das spürten die Händler und Schausteller in ihren Kassen."

Auch wenn Marcel T. die ihm zur Last gelegten Taten gestanden hat, lautet der schwerwiegendste Vorwurf gegen ihn: versuchter Mord in 17 Fällen. Der 22-Jährige hat die Brände nachts gelegt. Er handelte damit heimtückisch, schließlich schliefen die Hausbewohner arglos in ihren Betten. Das Feuer war dabei zudem ein gemeingefährliches Mittel, schließlich hätte es der Angeklagte nicht unter Kontrolle bringen können - es hätte ja sogar noch andere Häuser lichterloh in Brand stecken können.

Für den versuchten Mord in 17 Fällen, die besonders schwere Brandstiftung, die Sachbeschädigung sowie die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat beantragt die Staatsanwältin eine Haftstrafe von acht Jahren. Zudem muss Marcel T. noch mit Zivilklagen rechnen, die von ihm den Ersatz des entstandenen Schadens fordern werden. Eine Summe, an der er wohl ein Leben lang zu knabbern haben wird.

Der Verteidiger betont in seinem Plädoyer, dass T. kein versuchter Mord zur Last gelegt werden könne. Schließlich habe dieser gar nicht die Absicht gehabt, mit seinem Feuer jemanden zu verletzen oder gar zu töten. Schließlich sei der 22-Jährige selbst geschockt gewesen, als ihm das mögliche Ausmaß seiner Taten klar geworden ist. Die Brände und die Drohung seien nur aus dem Drang entstanden, im Mittelpunkt zu stehen und Ernst genommen zu werden. Daher sei eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren angemessen.

In seinem letzten Wort betonte T. erneut, schwere Fehler gemacht zu haben. Er möchte alles dafür tun, sein Leben fortan in den Griff zu bekommen. Und das heißt: Ein Ende seines Cannabis-Konsums, nicht mehr vor Problemen fliehen, sondern diese konkret angehen, eine Ausbildung beginnen und ab sofort das Gesetz zu achten, anstatt es wiederholt zu brechen.

Doch bevor er diese Pläne in Freiheit in die Tat umsetzen kann, stehen voraussichtlich mehrere Jahre Gefängnis. Das Urteil fällt am kommenden Donnerstag um 11.30 Uhr.

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