"Heilbronn bewegt sich" am 2. April wurde schon abgesagt

Droht allen verkaufsoffenen Sonntagen das Aus?

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War's das bald mit Veranstaltungen wie "Jazz & Einkauf" in Heilbronn?
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Die Argumente von Ver.di scheinen völlig fadenscheinig.

"Heilbronn bewegt sich", "Jazz & Einkauf" – wer einmal bei einem verkaufsoffenen Sonntag in der Heilbronner Innenstadt dabei war, weiß: Es ist viiiel mehr geboten als nur schnöde Rabatte. Überall in der City sind Kurzweil und Programm geboten. Das Angebot der Händler nehmen die Zehntausenden Besucher dabei gerne wahr. Aber eben nebenbei.

Impressionen von "Jazz und Einkauf" in Heilbronn

Diese Prioritätenabfolge sieht die Gewerkschaft Ver.di aber genau andersherum – und geht juristisch gegen die verkaufsoffenen Sonntage in Heilbronn vor. "Heilbronn bewegt sich" am 2. April fällt bereits flach. Nun sind auch die anderen verkaufsoffenen Sonntage auf dem Prüfstand. Zunächst geht es Ver.di darum, die Arbeitnehmer zu vertreten - und den freien Sonntag als Ruhepol und Zeit für die Familie vom gewöhnlichen Alltagstreiben abzugrenzen. "Es kann nicht sein, dass wir den freien Sonntag wirtschaftlichen Einzelinteressen opfern", sagt Thomas Müssig von Ver.di Heilbronn-Neckar-Franken. "Die von der Stadt genehmigten verkaufsoffenen Sonntage halten wir klar für rechtswidrig."

Und wie sieht die Rechtssprechung aus? Drei verkaufsoffene Sonntage sind pro Jahr erlaubt. Dabei dürfen die geöffneten Geschäfte jedoch nur den Zusatz bilden. Hauptteil der Veranstaltung muss das Bühnenprogramm, die singenden Chöre und musizierenden Bands - verteilt in der Innenstadt - sein. Zudem muss die Veranstaltungsfläche größer als die Verkaufsfläche sein. Müssig: "Und das sehen wir in Heilbronn nicht gegeben."

Besuchen Sie verkaufsoffene Sonntage?

"Es wird auf Teufel komm raus ein Rahmen geschaffen, um die Geschäfte zu öffnen. Eine Tradition wie zum Beispiel beim Pferdemarkt und beim Weindorf kann ich bei Veranstaltungen wie 'Jazz & Einkauf' nicht erkennen. Seltsam auch, dass in der Innenstadt Bühnen aufgebaut sind - und kilometerweit weg die Geschäfte sonntags geöffnet haben."

Müssig betont aber auch: "Uns geht es nicht um die Veranstaltungen selbst, sondern rein um die Öffnung der Geschäfte. Wir möchten, dass die Beschäftigten ebenfalls an dem kulturellen Rahmen teilnehmen können."

Eine Argumentation, die Thomas Gauß, Vorsitzender der Stadtinitiative Heilbronn, nicht nachvollziehen kann: "Es kommen Zehntausende Besucher zu unseren verkaufsoffenen Sonntagen. Nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus Ludwigsburg, Mannheim und Stuttgart. Und die machen sich wohl kaum auf den Weg nach Heilbronn, weil der Handel geöffnet hat. Die Leute kommen wegen des ansprechenden Programms - ganz klar."

Zudem verbinde man Heilbronn ja auch mit Veranstaltungen wie "Jazz & Einkauf". Gauß: „Das gibt es jetzt seit fast 20 Jahren. 'Jazz & Einkauf' hat klar Tradition." Für den Vorsitzenden liegen die Gründe für den Gewerkschaftseinsatz ganz woanders: "Ver.di hat in den vergangenen Jahren massiv Mitglieder verloren und nutzt nun diese Klagen als billiges PR-Mittel."

Zudem sieht Gauß die Interessen der Beschäftigten durch das Vorgehen überhaupt nicht vertreten. Im Gegenteil: "Es ist Unfug, dass verkaufsoffene Sonntage die Mitarbeiter belasten." Schließlich gibt es für Sonntagsarbeit einen kräftigen Lohnzuschlag. Gauß, der ebenfalls Geschäftsführer von Intersport Saemann in Heilbronn ist: "Wenn ich den Dienstplan für die verkaufsoffenen Sonntage aufhänge, sind die Schichten im Nullkommanichts besetzt."

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