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„Eine ganz große Katastrophe“: Vater verzweifelt bei Suche nach Kinderarzt

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Von: Michaela Ebert

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Eine heftige Grippewelle macht besonders Kindern, aber auch Ärzten und Personal zu schaffen. Doch wie ergeht es den Eltern eigentlich, wenn Arztpraxen kaum noch telefonisch zu erreichen sind und die Aussicht auf einen Termin mehr als schlecht ist?

Husten, Schnupfen, Heiserkeit und eine glühende Stirn: Das sonst so lebhafte Kind ist heute alles andere als gesund. Es muss wohl eine Erkältung sein – oder doch die Grippe? Das hat natürlich gerade noch gefehlt. Dabei sind heftige Erkältungssymptome derzeit alles andere als eine Seltenheit: Viele unserer Kleinsten leiden gerade unter den fiesen Krankheitserregern.

Im Umlauf sind alte Bekannte: Corona, Grippe und RS-Virus sorgen für eine heftige Welle an Atemwegserkrankungen, die vielen Familien zu schaffen macht. Das Problem: Die Wartezimmer der Kinderärzte und Kinderkliniken sind voll, sogar übervoll. Ärzte und Personal stoßen vielerorts an die Belastungsgrenze, auch im Landkreis Heilbronn. Der Grund: zu wenig Personal bei zu vielen Patienten.

Wartezimmer voll, Kinderärzte oftmals telefonisch nicht mehr erreichbar: Eltern sind „hilflos“

Was also tun, wenn Eltern beim eigenen Kinderarzt keinen Termin mehr bekommen, wenn die Praxis nicht mal mehr per Telefon zu erreichen ist? „Die Situation ist eine ganz große Katastrophe“, schildert ein echo24.de-Leser die aktuelle Lage. Er selbst ist Vater von einer 10-Jährigen und einem 5-Jährigen. Beide Kinder erkrankten vor kurzem schwer.

„Den Kindern ist es wirklich nicht gut gegangen. Sie haben brechen müssen, hatten Bauchweh, Fieber, Husten, Schnupfen – das volle Programm eben. Die haben wirklich alles gehabt“. Kurze Zeit später identifiziert ein Arzt Influenza, die Grippe. Doch bis es dazu kommt, durchlaufen Eltern und Kinder eine wahre Odyssee.

Familienvater mit großer Sorge über erkrankte Kinder: „Sie haben nicht mal aufstehen können“

Beim Arzt anrufen habe nichts genutzt. Obwohl er die heftigen Symptome schildert, wird der Familienvater von mehreren Ärzten abgelehnt. Als dieser nach stundenlangem Durchklingeln und zahlreichen Absagen langsam sauer wird, räumt eine Sprechstundenhilfe Verständnis ein. Sie wisse, wie die aktuelle Situation sei und es tue ihr leid, wie es gerade läuft.

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Stopp: Viele Eltern verzweifeln beim Versuch, für ihr krankes Kind einen Termin beim Arzt zu bekommen. © Christian Charisius / picture-alliance / dpa

Doch die Machtlosigkeit beim Familienvater bleibt. „Da kommt man sich einfach wirklich hilflos vor, wenn man zum Arzt gehen will, aber man bekommt keinen Termin und kommt auch nicht durch. Den beiden ist es wirklich nicht gutgegangen. Sie haben nicht mal aufstehen können.“

Hilfe beim Notdienst: Nach Odyssee werden die kleinen Patienten untersucht

Trotzdem packt er die Kinder ein und fährt mit ihnen mehrere Stunden durch die Gegend, in der Hoffnung auf Hilfe. Nach Michelfeld (Landkreis Schwäbisch Hall) geht die Reise. Dort sitzt der einzige Arzt, der nach diesem langen und sorgenvollen Tag überhaupt noch geöffnet hat. Endlich untersucht der Notdienst die kleinen Patienten und kann schließlich die Grippe feststellen.

Ein bitterer Beigeschmack bleibt aber dennoch: „Es ist halt wirklich so, dass die total überlastet sind. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn wirklich jeder gleich zum Arzt gehen muss, wenn es mal nicht so gut ist. Aber wenn es halt dann drei, vier Tage lang geht, dann muss man auch erstmal einen Termin bekommen.“ Und klar ist auch: Wenn Kinder leiden, leiden auch die Eltern.

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