Gericht stellt besondere Schwere der Schuld fest

Mörder Abubaker C.: "Ich möchte die Todesstrafe!"

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Wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt: Abubaker C.
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Wollte der Pakistani nach dem Mord gleich weitertöten?

Lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge. Hinzu kommt die besondere Schwere der Schuld sowie die Erstattung der Verfahrenskosten. Der Schuldspruch gegen Abubaker C., den Mörder von Bad Friedrichshall, ist gestern Nachmittag gefallen. Und auch wenn das Urteil in der Großen Strafkammer des Heilbronner Landgerichts sehr emotional aufgenommen wurde, sehen es viele Anwesende im Saal ähnlich wie der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth. Der sagt am Ende seiner ausführlichen Urteilsbegründung: "Das Gericht ist überzeugt, ein gerechtes Urteil gefällt zu haben."

Für das Gericht war das Vorgehen des Pakistani "einfach nur grausam" und "abscheulich". Kleinschroth: "Man muss sich das nur mal vorstellen: eine völlig wehrlose Frau wird nachts im Schlafzimmer, in ihrem höchstpersönlichen Lebensbereich, kaltblütig ermordet, anschließend drapiert und zum Objekt degradiert. Selbst gestandene Polizisten hatten am Tatort mit den Tränen zu kämpfen."

Zweifel, dass C. die Tat in der Nacht auf den 19. Mai 2016 begangen hat, gebe es keine. Zu erdrückend sei die Beweislage aus der Beute in seinem Besitz, seiner DNA am Tatort und den GPS-Daten seines Handys aus Bad Friedrichshall-Untergriesheim zur Tatzeit. In C.s Handlungen stellte das Gericht unter anderem die Mordmerkmale Habgier und Heimtücke fest. Der Pakistani habe die 70-Jährige aus dem Weg geräumt, da sie die anderen Bewohner des Hauses auf den Raubzug C.s hätte aufmerksam machen können.

Die Tat selbst war dann unfassbar brutal und von absolutem Vernichtungswillen getrieben. Mit den arabischen Schriftzeichen am Tatort hätte er nur ablenken und die Tat in einen religiösen Zusammenhang bringen wollen, den es nicht gab. Der Grund für C.s Einbruch war das Rauben von Geld und Wertsachen. Doch bei seinem Beutezug entdeckte er die Schlafende. Und das wurde ihr zum Verhängnis. Der Versuch, den Verdacht noch am Tatort auf Dritte zu lenken zeige: C. handelte planvoll, bei vollem Bewusstsein.

Doch anstatt die Tat zu gestehen, nutzte der Mörder das Gericht während des Prozesses als Bühne, erlaubte sich Respektlosigkeiten gegen den Richter und die Angehörigen der Toten und bezeichnete sich als Opfer eines Komplotts. C. behauptete, er kenne die wahren Mörder - und die wolle er nach dem Prozess persönlich umbringen. Kleinschroth: "Sie haben jegliche Anstandsgrenzen überschritten." Sowohl das völlige Fehlen von Reue, das planvolle und brutale Vorgehen am Tatort sowie das bizarre Schauspiel vor Gericht begründen die besondere Schwere der Schuld.

Es lässt einen das Blut in den Adern gefrieren, wenn man sich an die Zeugenaussagen des Neuensteiner Pfarrers erinnert, der C. am Morgen nach der Tat getroffen hat. C. hatte sich dabei erkundigt, ob der Pfarrer eine alte Dame kenne, bei der er, C., übernachten könne. Wollte der 27-Jährige etwa gleich weitermorden? Und hat der Pfarrer, indem er C. in eine Flüchtlingsunterkunft nach Schwäbisch Hall brachte, vielleicht noch Schlimmeres verhindert?

Kleinschroth: "Können Sie sich vorstellen, welches Leid Sie über eine Familie gebracht haben? Oder ergötzen Sie sich vielleicht noch genau daran? Ich weiß es nicht." Weinend nimmt C. das Urteil zur Kenntnis und ruft nach der Urteilsbegründung: "Ich möchte die Todesstrafe! Außerdem möchte ich jetzt Zeit haben zum Weinen." Richter Kleinschroth antwortet: "Da haben Sie nun wahrhaftig alle Zeit dazu."

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