Jetzt muss sich der 22-Jährige endlich seinen Problemen stellen

Das Urteil als Chance für Marcel T.?

+
Marcel T. muss für sieben Jahre und sechs Monate in Haft.
  • schließen

Der junge Mann muss für sieben Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Auch wenn niemand körperlich zu Schaden gekommen ist: Die psychischen Folgen bleiben. "Man hat oft das Gefühl, dass es nur noch überall Terror gibt. Gerade auf Großveranstaltungen. Für viele ist nur noch die eigene Wohnung der Ort, an dem sie sich sicher fühlen. Und in beide Bereiche haben Sie entscheidend eingegriffen", sagt der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth bei der Urteilsbegründung gegen Marcel T am Heilbronner Landgericht.

Sieben Jahre und sechs Monate muss der 22-Jährige in Haft. Wegen versuchten Mordes in 17 Fällen in Tateinheit mit versuchter Brandstiftung mit Todesfolge, Sachbeschädigung, besonders schwerer Brandstiftung und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat.

Ein Urteil, das zwar einerseits heftig klingt für einen jungen Mann. Aber andererseits hat sich Marcel T. weit mehr als nur einen harmlosen Lausbubenstreich erlaubt. Und wer dieses Urteil hört, kommt hoffentlich ganz schnell von dem Gedanken ab, selbst herumzuzündeln oder die Polizei an der Nase herumzuführen.

Als der Bad Wimpfener in seinem Wohnhaus die beiden Brände gelegt hat, waren ihm die Gehbehinderungen einiger Hausbewohner sehr wohl bewusst. Richter Kleinschroth: "Sie haben leichtfertig mit der Gesundheit und dem Leben ihrer Mitbewohner gespielt."

Beim zweiten Brand im Haus im März 2016 sei der Rauch im Treppenhaus so dicht gewesen, dass nicht einmal die Bewohner im Erdgeschoss sich noch über die Haustür hätten retten können. Nur der Gang auf die Terrasse oder den Balkon verhinderte, dass die Bewohner erstickten. Kleinschroth: "Wie Sie skrupellos mit dem Vertrauen Ihrer Mitbewohner gespielt haben - das spottet jeder Beschreibung."

Fühlen Sie sich in der Region noch sicher?

T. sei intellektuell sehr wohl in der Lage gewesen, die Gefährlichkeit des unkontrollierbaren Brandes zu erfassen. Trotz seines regelmäßigen Cannabis-Konsums ist er voll schuldfähig.

Kleinschroth: "Durch Ihre Taten haben Sie Ihr Leben in den vergangenen Jahren verpfuscht. Aber heute beginnt für Sie die Chance, Ihr Leben in neue Bahnen zu lenken, sich endlich Ihren Problemen zu stellen und mit den Hochstapeleien und Lügen aufzuhören." Gegenüber seinen Freunden hatte sich der Bad Wimpfener fälschlicherweise als Selbständiger und Wohnungsbesitzer präsentiert und sich ein 60.000-Euro-Auto gekauft, das seine finanziellen Möglichkeiten weit überstieg.

Bemerkenswert im Prozess war, dass sich seine Freunde trotz aller Lügen noch nicht von T. abgewandt haben. "Sie müssen begreifen, dass Ihre Freunde nicht wegen, sondern trotz Ihrer Taten zu Ihnen stehen. Aber irgendwann reißt denen auch der Geduldsfaden", sagte Kleinschroth.

Im Strafermessen bewegte sich das Gericht nahe am unteren Rahmen und unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafe von acht Jahren. Kleinschroth: "Es war wirklich wichtig, dass Sie die Taten vollumfänglich gestanden haben. Auch Reue haben Sie während der Verhandlung gezeigt. Sonst wäre die Strafe erheblich höher ausgefallen. Aber Sie müssen nun an sich arbeiten, dass so etwas nie wieder passiert." Im Gefängnis hat er nun alle Zeit dazu.

Zudem muss Marcel T. die Kosten des Verfahrens tragen. Auch zivilrechtlich kommt voraussichtlich noch einiges auf den jungen Mann zu. Beim zweiten Brand in Bad Wimpfen ist ein Sachschaden von 80.000 Euro entstanden, der Großeinsatz der Polizei und der Verlust der Händler beim Volksfest beziffern sich auf insgesamt 152.000 Euro.

Die Top-Themen in Heilbronn und der Region 

Mehr zum Thema:

Volksfest-Bombendrohung: Das Urteil ist gefallen

Bombendroh-Prozess: Das sind die Plädoyers

Volksfest-Drohanrufer: "Ich wollte Aufmerksamkeit"

Bombendrohung: Die zwei Gesichter des Marcel T.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare