Platz wirft schlechtes Bild auf Heilbronner Eishockey-Club

Sex, Prügel, Pöbelei: Aufregung um Heilbronner Trinkertreff

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Seit September 2017 trifft sich die Heilbronner Trinkerszene neben der Kolbenschmidt-Arena.
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HEC-Jugendleitung schlägt vor: Die Gruppe könnte sich doch auch im Rathaus-Innenhof treffen.

Die Unterschiede könnten kaum krasser sein: In der Kolbenschmidt-Arena trainieren Eishockey-Profis und Hobbysportler. Es herrscht strenge Disziplin und Alkoholverbot. Und ein Katzensprung weiter trifft sich seit September 2017 die Heilbronner Trinkerszene, säuft, krakeelt herum, sorgt immer wieder für Chaos und Aufregung. "Je höher bei den Leuten der Alkoholpegel steigt, desto blöder wird es", sagt Michael Scheck, stellvertretender Jugendleiter des Heilbronner Eishockey-Clubs (HEC). "Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Polizei nicht vorbeischaut."

"Verpiss dich!"

Die Betrunkenen schreien wie verrückt, schwanken über den Arena-Parkplatz, entzünden meterhohe Lagerfeuer, pöbeln Passanten an. Einmal wurde ein Pärchen des Trinkertreffs sogar beim Sex in aller Öffentlichkeit beobachtet. Scheck: "Es kam auch schon vor, dass ein Eishockey-Schiedsrichter mit der Bemerkung 'Verpiss dich' begrüßt wurde. Im schlimmsten Fall reist der sofort wieder ab – und die Partie ist schon vor dem Anpfiff gelaufen."

Scheck stellt jedoch klar: "Neun von zehn Leuten, die sich dort treffen, sind keine schlechten Menschen, wir haben gegen sie nichts. Alkoholkranke brauchen natürlich einen Treffpunkt." Aber wenn Fans zu den Spielen kommen, Kinder mit ihren Eltern sich das Eishockey anschauen oder der HEC-Nachwuchs zum Training vorbeikommt, wirft das ein schlechtes Licht auf den Verein.

Wehrt euch!

Scheck erklärt: "Externe oder Eltern unserer Jugendspieler fragen uns immer wieder: 'Was ist denn bei euch los? Wehrt euch doch gegen den Säuferplatz neben eurer Arena.' Uns geht es vor allem um die Kinder. Bei den Trinker-Treffen fallen auch Beleidigungen, die wirklich nicht für die Ohren des Nachwuchses bestimmt sind." Und auch die Sponsoren werden sich bestimmt ihren Teil denken... "Der Super-GAU für uns wäre, wenn ein Kind mal von einer Flasche getroffen wird."

Seitens der Stadt war offenbar keine Standort-Alternative möglich. Jugendleiterin Corina Schifferdecker sagt: "Wir haben uns mit der Situation mittlerweile abgefunden, versuchen, das Beste draus zumachen. Als Erwachsener kommt man damit einigermaßen klar. Aber die Kinder haben immer wieder Angst."

180-Grad-Drehung

Manuel Del Campo bringt regelmäßig seinen Sohn zum Training in die Kolbenschmidt-Arena. "Mich stört der Trinkertreff nicht sonderlich. Aber manchmal ist es schon laut", sagt der Öhringer. Michael Scheck: "Was spricht dagegen, den Treff in den Innenhof des Rathauses zu verlegen? Dann wäre die vermeintliche Randgruppe ins Stadtzentrum integriert. Aber das ist dem Oberbürgermeister sicher unangenehm." Seit einigen Wochen ist der Zaun um den Platz höher und der Unterstellcontainer um 180 Grad gewendet. Scheck betont jedoch: "Man kann das Gebäude drehen wie man will. Das schlechte Bild bleibt."

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