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Tote, Verletzte und eine AK47 in Heilbronn? Diese Fake-News kursierten im Netz

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Von: Michaela Ebert

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In Heilbronn kommt es am Donnerstagabend zu einem Polizei-Großeinsatz: Ein Mann gibt in der Innenstadt Schüsse ab. Die Lage ist lange unklar – und auch bei Social Media kursieren viele Informationen, viele davon sind jedoch falsch. echo24.de klärt auf.

Flackerndes Blaulicht, schwer bewaffnete Polizisten und eine verbarrikadierte Innenstadt: Was am Donnerstagabend in Heilbronn los war, sorgt bei vielen Bürgern der Stadt für große Beunruhigung. Schnell kursieren bei Social Media die ersten Warnungen: Eine Person sei im Gebiet zwischen Neckar, Einkaufspassagen und dem Inselhotel unterwegs – bewaffnet mit einer Schusswaffe.

Die Unsicherheit und die unklare Lage ziehen sich über mehrere Stunden. Erst kurz nach Mitternacht und circa drei Stunden nachdem das erste Polizei-Auto ausgerückt war, kann die Polizei Entwarnung geben. Ein Verdächtiger wird festgenommen – die Tatwaffe „nur“ eine sogenannte Schreckschusswaffe.

Schüsse und SEK-Einsatz in Heilbronn: Hat der Täter eine AK47?

Diese Erkenntnis lässt viele aufatmen: Im Netz hatte zuvor das Gerücht kursiert, es handle sich um eine AK47, eine sowjetisch-russisches Sturm- und Maschinengewehren, das auch Kalaschnikow genannt wird. Und auch weitere Informationen verbreiten sich über die sozialen Medien rasend schnell - und nicht alle davon scheinen wahr zu sein. echo24.de fasst einige der „Fake News“ zusammen.

Was sind Fake News?

Als Fake News werden gezielte Desinformationen bezeichnet. Damit sind nicht die versehentlichen sprachlichen Ungenauigkeiten oder journalistischen Fehler gemeint, (welche jedoch auch dazu genutzt werden können), sondern bewusst irreführende Behauptungen, die ganz gezielt verbreitet werden. Der Unterschied liegt somit in der bewussten Intention hinter der Nachrichtenverbreitung.

Besonders die sozialen Medien können in dieser Hinsicht Fluch und Segen zugleich sein. Auf der einen Seite ermöglichen Twitter, Facebook und Co. die beinah schnellstmögliche Information von Betroffenen, wie etwa bei der Absperrung der Heilbronner Innenstadt am Donnerstagabend. Und die damit verbundene Reichweite scheint nahezu immens zu sein. Auf der anderen Seite gelten ebendiese Plattformen auch als Nährboden für bewusste oder unbewusste Falschinformation.

Videos von schießender Person taucht auf Instagram auf und verunsichert User

Im Falle des Polizei-Großeinsatzes in Heilbronn wird schnell klar: auch hier verbreiten sich Beiträge, Kommentare und Videos im Netz, die so nicht der Wahrheit entsprechen. Die Hintergründe für ein auf Instagram veröffentlichtes Video, welches jedoch bereits einige Tage vor der Tat entstand, konnte echo24.de bereits aufklären.

Auch in weiteren Netzwerken tauchen Informationen im Zusammenhang mit der Tat auf. Als eines der schnellsten Medien liefert die hyperlokale Community-App „Jodel“ erste Mutmaßungen zur Tat. Darin warnen Nutzer, die sich gerade im Umfeld des Geschehens aufhalten, in der Heilbronner Innenstadt nicht auf die Straße zu gehen, das Haus, wenn möglich, nicht zu verlassen. Sogar von Verletzten und Toten ist die Rede, die von der Polizei glücklicherweise nicht bestätigt werden können, spricht aber zum Zeitpunkt des Geschehens von einer „aktiven Gefahrenlage“.

SEK-Einsatz in Heilbronn: In den sozialen Medien kursieren Gerüchte zum Täter

Auf eine Nachfrage, warum denn gerade der Käthchenhof von der Polizei gesperrt sei, antwortet ein anonymer User: „Russische Jugendliche!“ Später sind weitere Mutmaßungen zu lesen: „Polizei hat jetzt Entwarnung gegeben. Einer von denen wurde angeblich festgenommen. Es waren anscheinend mehrere. Aber das Ganze neigt sich dem Ende zu“. Dabei entspricht diese Aussage nur der halben Wahrheit: Gegen 23:30 Uhr am Donnerstagabend kann das SEK einen einzelnen Tatverdächtigen festnehmen: Es handelt sich, anders als von den Usern angenommen, um einen 34-jährigen Mann. Ob es sich bei den Bemerkungen um ein Versehen handelte, oder ob sich einzelne User einen Spaß erlaubten, ist jedoch unklar.

Zeitgleich zum Geschehen am Donnerstagabend ist auch echo24.de vor Ort. Live über Facebook konnte somit über die aktuelle Lage berichtet werden. Zeitweise verfolgen über 9000 Personen gleichzeitig das Geschehen im Livestream – und kommentieren fleißig. Auch hier tauchen immer wieder falsche Informationen auf.

Unter anderem hätten einige Schüsse am Heilbronner Musikpark gehört. Dieser liegt jedoch etwa 20 Minuten fußläufig vom eigentlichen Polizei-Einsatzgebiet entfernt. Auch von Sontheim und dem Wertwiesenpark ist die Rede. Fakt ist jedoch, dass die Polizei das Geschehen ab 21 Uhr auf den Bereich Gerberstraße und Lohtorstraße in der Innenstadt eingrenzen kann.

Ein Kommentar fällt besonders auf: „187“ - Welche Bedeutung steckt dahinter?

Zeitweise taucht in den Kommentaren immer wieder eine Zahl auf, die viele verwundern lässt. „187“ kommentieren zahlreiche User. Doch was hat es damit auf sich? Die Bedeutung der Zahlenkombination lässt sich bis nach Kalifornien zurückverfolgen. Dort steht der kalifornische Polizei-Code 187, der im Strafgesetzbuch des Landes als Paragraf 187 vermerkt ist, für ein Tötungsdelikt, genauer: für Mord.

Spätestens seitdem sich eine Hamburger Rapper-Gang „187 Straßenbande“ nennt, ist die Zahl auch in der Jugendszene bekannt – und dort oftmals als Drohung zu verstehen. Dabei wird die Zahl übrigens nicht „einhundersiebenundachtzig“ ausgesprochen, sondern in den einzelnen Ziffern, also „eins, acht, sieben“.

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