Asiatische Buschmücke vermehrt sich im Raum Heilbronn

Dieses Insekt sieht aus wie die Tigermücke, ist aber noch gefährlicher

  • Olaf Kubasik
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Während sich die hochgefährliche Asiatische Tigermücke langsam in Heilbronn ausbreitet, ist ihr fieser Doppelgänger schon vermehrt da.

Tropenkrankheiten in Deutschland? Unmöglich! Doch was früher galt, ist heute längst hinfällig. Denn die Überträger tropischer Viren machen vor Grenzen nicht halt. Im Gegenteil: Als sogenannte Neozoen sind die tückischen Mücken längst bei uns heimisch geworden - auch in Heilbronn. Und dazu zählt die auf dem Papier hochgefährliche Asiatische Buschmücke, die sich rasant in Deutschland ausbreitet. Weil sie extrem anpassungsfähig ist, ihre Eier und Larven resistent gegen Kälte sind.

Die Asiatische Buschmücke gilt als äußerst aggressiv. UND: Ihre Stiche sind wesentlich schmerzhafter als die der einheimischen Mücken-Arten. Doch das ist längst nicht das Schlimmste an dem erstmals 2008 in Deutschland nachgewiesenen Insekt, das als Doppelgänger der tödlichen Asiatischen Tigermücke gilt. Denn Labor-Tests haben ergeben, dass die Asiatische Buschmücke ein potenzieller Überträger zahlreicher tropischer Viren sein kann, die beim Menschen eine schwere Gehirnentzündung (Enzephalitis) auslösen - wie manche Zeckenbisse ebenfalls.

Asiatische Buschmücke: Sieht aus wie Tigermücke, ist noch gefährlicher

Die erste durch Stechmücken übertragene Infektion mit dem West-Nil-Virus als Auslöser einer Meningo-Enzephalitis beim Menschen wurde erstmals 2019 in Deutschland nachgewiesen - wie das Robert-Koch-Institut berichtet. Dazu heißt es: „Der betroffene Patient ist ein 70-jähriger Mann mit ländlichem Wohn- und Arbeitsort in Sachsen, ohne vorherige Reise ins Ausland und ohne wesentliche Vorerkrankung.“ Welche Stechmücken-Art als Überträger fungierte, ist nicht hinlänglich bekannt. Könnte es eine Asiatische Buschmücke gewesen sein, die wie die Asiatische Tigermücke längst den Raum Heilbronn erreicht hat?

Die Asiatische Buschmücke kann Viren übertragen, ist jedoch in Deutschland als Überträger von gefährlichen tropischen Krankheiten noch nicht in Erscheinung getreten.

KABS-Biologe Thomas Weitzel

Dass eine Asiatische Buschmücke für die Übertragung des West-Nil-Virus auf den 70-jährigen Sachsen verantwortlich war, schließt Thomas Weitzel von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) mit Sitz in Speyer aus. Auf echo24.de-Anfrage teilt der Biologe mit: „Die Asiatische Buschmücke kann Viren übertragen, ist jedoch in Deutschland als Überträger von gefährlichen tropischen Krankheiten noch nicht in Erscheinung getreten.“ Im Gegensatz zur Asiatischen Tigermücke, mit der sie häufig verwechselt wird. Weitzel: „Daher werden auch meist keine Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung durchgeführt.“

NameAsiatische oder Japanische Buschmücke
FamilieStechmücken
HerkunftJapan, Korea, Südchina
Erster Nachweis in Baden-Württemberg2008
Mögliche Erkrankungen nach Stich (Labortests)Enzephalitis, West-Nil-Fieber, Dengue, Chikungunya

Tigermücke: Doppelgänger ist noch gefährlicher als sie

Allerdings ist das keine Garantie, vor der Übertragung einer gefährlichen tropischen Krankheit durch die Asiatische Buschmücke sicher zu sein. Denn: Je wärmer es in Deutschland wird, desto besser sind die Bedingungen, dass sich die Viren in Mücken vervielfältigen. Deswegen ist es wichtig, der stetig wachsenden Population der Asiatischen Buschmücke an den bruttypischen Stellen im eigenen Garten (siehe Infobox) wie bei der Tigermücke entgegenzuwirken. Vor allem Nelkenöl hat sich als wirksames natürliches Mittel gegen die kälteresistenten Eier Larven etabliert.

Fortpflanzung der Asiatischen Buschmücke

In einer Projektarbeit des Senckenberg-Biodiversität- und Klimaforschungszentrums heißt es, dass Weibchen der Asiatischen Buschmücke nach der Fortpflanzung und einer Blutmahlzeit Einzeleier auf Höhe der Wasserlinie ablegen. In Baumhöhlen oder Gesteinsauswaschungen, aber auch in Blumenvasen, Regentonnen oder Autoreifen. Die Anzahl ihrer Eier variiere dabei zwischen drei und 249 pro Weibchen.

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