Tierhilfe Heilbronn rettet Todeskandidaten

Dem Tod von der Schippe gesprungen! Sina ist eins von 2.000 Beispielen

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Sina wurde aus einer Tötung auf den Azoren gerettet.
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Die kleine Hündin hat eine schreckliche Vergangenheit. Jetzt wartet sie auf ihr persönliches Happy End.

Einmal im Raum ist der kleine weiße Mischling kaum noch zu halten. Sina wedelt kräftig mit dem Schwanz und dreht sich für Streicheleinheiten sofort auf den Rücken. Kaum sind die beendet, stellt sich der süße Vierbeiner auf die Hinterpfoten und bettelt schon um die nächste Aufmerksamkeit. Sina versprüht ihr offenes Wesen ab dem ersten Augenblick. Dabei hat die freundliche Hündin mit den schwarzen Knopfaugen schlimme Zeiten hinter sich.

"Sina ist etwa ein Jahr alt. Sie kommt aus einer Tötung auf den Azoren", erklärt die Gundelsheimerin Helga Degenhard. Was genau Sina erlebt hat bevor sie nach Deutschland kam, ist nicht nachvollziehbar. Der junge Hund war in seiner Heimat im Weg. Sollte buchstäblich einfach um die Ecke gebracht werden und sprang dem Tod dann doch noch von der Schippe.

Seit mehr als 20 Jahren rettet Helga Degenhard mit ihrem Verein, der Tierhilfe Heilbronn, und Freunden und Bekannten vor Ort Hunde vor dem endgültigen Schicksal. Sie persönlich war dennoch nie in einer Tötungsstation, einer Anlage in der herrenlose Hunde kurze Zeit verwahrt und dann umgebracht werden. Degenhard: "Unser Part ist sicherlich auch nicht einfach. Aber da weiß ich, dass ich das verkraften kann. Vor Ort - das weiß ich nicht, ob ich das könnte."

Helga Degenhards Dank gilt deshalb den direkten Rettern, dem Tierschutz in Deutschland allgemein, den neuen Familien ihrer aufgepäppelten Schützlinge - das betont sie immer wieder. Dabei opfert sich die Gundelsheimerin selbst ebenfalls liebevoll für jeden Einzelfall auf. Inzwischen sind das fast 2.000 Hundeschicksale. Sieben Hunde leben derzeit dauerhaft bei den Degenhards. "Das sind die, die einfach hierbleiben möchten oder zu ängstlich sind, um sie weiter zu vermitteln." Gut acht weitere Hunde bevölkern das Haus der Anwältin zusätzlich - mal mehr, mal weniger lang, in allen erdenklichen Fellfarben und Größen.

Rufus sollte in China im Kochtopf landen.

Keinem von ihnen ist die traurige Vergangenheit sofort anzusehen. Bei Rufus ist erst auf den zweiten Blick erkennbar, dass seine Hinterläufe deformiert sind. Er war ein Jahr lang eingepfercht in einem Käfig in China. "Er steckte im Morast und sollte im Kochtopf landen", erklärt Degenhard. Beim Laufen stören ihn die nach außen gebogenen Beine nicht. Bobtail Lilly war bereits mit heißem Öl übergossen worden, als sie aus einem Restaurant in China fliehen konnte. Ihr Fell ist beinahe vollständig nachgewachsen.

Sanero war wie ein Paket verschnürt und auf eine Gemüseplantage geworfen worden. Bewegte er die Beine, schnitt er sich so selbst in die Kehle. Bis auf die Knochen. Rettung eigentlich nicht in Sicht. Doch der Schnauzermischling wurde gefunden, operiert und fand ein neues Zuhause. Degenhard: "Er war nur kurz hier. Jetzt wohnt er bei sehr lieben Menschen in der Schweiz."

Das "Happy End" der Vierbeiner ist es, was Degenhard trotz der harten Momente immer wieder vorantreibt. "Ich habe mir als Kind einen Hund gewünscht und keinen bekommen. Straßenhunde haben mich aber schon immer berührt. Jetzt komme ich nicht mehr von ihnen los." Mit viel Durchhaltevermögen, Engagement und einer gehörigen Portion Tierliebe werden so Hunde vor allem aus dem europäischen Raum gerettet. Todeskandidaten wie Sina. Die bei Helga Degenhard wieder aufblühen. Und die dann endlich das gemütliche Zuhause bekommen, das sie verdient haben.

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