Haustier-Boom in der Corona-Pandemie

Corona-Lockerungen: Tierschützer fürchten überfüllte Tierheime

  • Lisa Klein
    vonLisa Klein
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Zahlreiche Lockerungen ermöglichen immer mehr Freiheiten in der Pandemie — ein Haustier kann dabei hinderlich sein. Ist das Tierheim Heilbronn schon bald überfüllt?

Die Inzidenzen in Baden-Württemberg sinken, inzwischen liegen alle Kreise des Landes unter dem Grenzwert von 100, wodurch zahlreiche Lockerungen und Öffnungen ermöglicht werden. Zudem hat fast 45 Prozent der Bevölkerung in Deutschland bereits eine Erstimpfung erhalten, rund 20 Prozent sind bereits vollständig gegen das Coronavirus geimpft (Stand: 4. Juni). So langsam kehrt wieder etwas mehr Normailität ein.

Tierschützer befürchten, dass nun zahlreiche Menschen bemerken, dass sie — sobald der Alltag zurückkehrt — eventuell doch nicht genügend Zeit für ein Haustier haben und sich ein Leben mit Hund oder Katze anders vorgestellt haben. Denn Haustiere bedeuten oft auch zahlreiche Einschränkungen, in den verschiedensten Lebensbereichen. Tierschützer rechnen deshalb in den kommenden Wochen mit vermehrten Abgaben von in der Corona-Pandemie angeschafften Haustieren.

Zahlreiche Lockerungen in Heilbronn: Wird das Tierheim schon bald überfüllt sein?

„Die Tierheime berichten bereits von einigen Corona-Abgaben“, sagte Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. „Eine größere Abgabewelle gibt es aber zum Glück noch nicht. Dennoch ist die Sorge groß“, sagte Schmitz.

In Heilbronn sieht es bislang gut aus: „Wir haben noch keine Rückläufer. Ich glaube auch nicht, dass die Leute ihre Tiere im Tierheim abgeben werden, da viele teure Welpen vom Züchter gekauft haben“, spekuliert Silke Anders, Vorsitzende des Tierschutzvereins Heilbronn auf echo24.de-Anfrage. Wer viel Geld für einen Rassehund ausgibt, versucht das Tier eher wieder zu verkaufen — beispielsweise über Kleinanzeigen — statt es im Tierheim abzugeben.

Im Tierheim Ludwigsburg soll es laut der Tierschützerin bislang erst einen Rückgabe-Fall gegeben haben. Wie es in den kommenden Monaten im Tierheim Heilbronn aussehen wird, könne allerdings nur schwer eingeschätzt werden.

Alltag kehrt zurück: Tierschützer fürchten überfüllte Tierheime

Anders sieht es in Berlin aus: „Wir sind uns leider sehr sicher, dass wir Ende des Jahres die Tierheime bis unters Dach mit abgegebenen Tieren voll haben werden“, so Annette Rost vom Berliner Tierschutzverein. Das Tierheim in der Hauptstadt gilt als das größte Europas. Über eine Fläche von 16 Hektar werden dort im Schnitt 1.300 Tiere täglich von 180 festangestellten Mitarbeitern und über 600 Ehrenamtlichen versorgt.

„Wir haben Gekkos, Ponys, Riesenwürgeschlangen, aber auch Hunde, Katzen, Hamster sowie Enten, Gänse und eine sehr große Vogelstation“, sagte Rost. In den letzten Wochen seien bereits die ersten in der Pandemie angeschafften Hunde abgegeben worden. „Wir haben einen Fall, da wurde ein Schäferhund-Husky-Mix abgegeben, weil der Hund in der Pubertät ein kleiner Draufgänger geworden ist“, sagte Rost. Ein großes Problem sei auch der illegale Welpenhandel.

Viele haben sich während der Corona-Pandemie ein Haustier angeschafft. Der Alltag kehrt zurück, werden nun viele merken, dass ein Haustier doch nicht in ihr Leben passt? (Symbolbild)

Eine ähnliche Entwicklung wie in Berlin zeigt sich zum Beispiel auch in München. In den letzten Wochen wurden bereits einige Tiere aufgenommen, „die von bisherigen Haltern erst während der letzten 12 bis 14 Monate, also während der Pandemie, neu angeschafft wurden“, sagte eine Sprecherin des dortigen Tierschutzvereins.

Trotz der gestiegenen Nachfrage in Zeiten von Corona verzeichnen etwa die zuständigen Stellen in Hamburg, Dresden oder Frankfurt am Main bislang keine vermehrten Abgaben. „Da es aber in Deutschland jetzt erst zu leichten Lockerungen kommt, muss man hier noch abwarten, wie es sich entwickelt“, sagte eine Sprecherin vom Tierschutzverein Frankfurt am Main.

Lockdown-Ende: Nachfrage nach Katzen und Hunden geht stark zurück

Nach Informationen des Kölner Tierschutzvereins ging dort zum Beispiel die Nachfrage nach Katzen und Hunden „stark zurück“. Auf eine mögliche Abgabewelle können sich Einrichtungen demnach meist „nur schlecht“ vorbereiten. Sollten die Befürchtungen eintreffen, sei nicht auszuschließen, dass einzelne der mehr als 550 Tierheime in Deutschland die Tiere nicht sofort aufnehmen könnten und möglicherweise Hunde oder Katzen ausgesetzt würden.

Wenn sich Hundehalter mit ihrem Tier überfordert fühlen, empfiehlt die Stiftung Vier Pfoten, eine Hunde- oder Welpenschule mit dem Schützling zu besuchen. „Zur Überbrückung voller Arbeitstage können zum Beispiel Hundetagesstätten aushelfen“, ergänzte eine Sprecherin auf dpa-Anfrage. Damit sowas künftig weniger passiert, soll es in Baden-Württemberg künftig einen Hunde-Führerschein geben — wer einen Hund halten will, soll sich Wissen aneignen müssen.

Nach Einschätzung der Tierschutzstiftung werden erfahrungsgemäß Hunde vermehrt zur Urlaubssaison abgegeben. Wer sich die Corona-Zeiten mit einem Welpenkauf erträglicher machen wollte, steht nun vor „unbedachten Herausforderungen“, wie die Sprecherin sagte. „Die Leidtragenden sind stets die Tiere.“

Rubriklistenbild: © dpa

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