Tiergestützte Therapie für Kinder und Erwachsene

Deshalb sind Pferde die besten Therapeuten

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Carolin  (von links) und Linda Schäufele(4), Pferd Nessy, Simone Kühlmann und Wolfgang Klos sind während der Therapie ein eingespieltes Team.
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Tiere können Menschen auf einer ganz besonderen Ebene erreichen. Das zeigt sich auch bei der Reit-Therapie auf dem Hof des Reitclubs in Heilbronn-Horkheim.

In der Reithalle ist es noch richtig kalt: Gerade einmal auf fünf Grad ist das Thermometer bisher geklettert und nur zaghaft durchdringen die ersten Sonnenstrahlen den Nebel, der sich über die Felder bei Heilbronn-Horkheim gelegt hat. Das alles stört Nessy überhaupt nicht - die zwölfjährige Stute steht schnaubend in der Halle und wartet darauf, dass es endlich losgeht. Denn Nessy hat einen ganz besonderen Job! Sie ist eines der Therapiepferde, das für die tiergestützte Therapie auf dem Gelände des Reitclubs Horkheim im Einsatz ist.

Dort finden durch die "Interessengemeinschaft Tiergestützte Therapie"  zweimal in der Woche, jeweils montags und samstags, Therapien für Kinder und Erwachsene mit körperlichen, neurologischen oder psychischen Beschwerden statt. Dafür sind insgesamt vier Therapeuten aus den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie sowie eine Erzieherin im Einsatz. "Die eigentlichen Therapeuten sind aber die Pferde. Sie nehmen den Patienten oft Ängste", erklärt Simone Kühlmann, die als systemische Körperphysiotherapeutin arbeitet.

Tiergestützte Therapie in Heilbronn-Horkheim: Pferde als Therapeuten

Auf dem Pferderücken führen die Patienten verschiedene Übungen durch.

Die Pferde leben auf dem Hof des Reitclubs Horkheim. Ihr Job im Alltag: Schulpferd. Bestehen sie eine Gelassenheitsprüfung, die sicher stellt, dass sie in stressigen Situationen nicht die Nerven verlieren, werden sie auch für die Therapien eingesetzt. Diese dauern 30 Minuten pro Einheit und beinhalten verschiedene Übungen, die auf die Bedürfnisse des Reiters angepasst sind. Kühlmann: "Durch die Berührung mit dem Tier kommen die Patienten oft zur Ruhe." Und: Durch die Wärme und Bewegung des Pferdes wird die Muskulatur entspannt - denn es wird ohne Sattel geritten. "Die Menschen bewegen sich auf den Pferden, wie es Physios in einer Praxis nie schaffen würden", erläutert Siegfried Schemp, erster Vorsitzender der Interessengemeinschaft.

Viele Patienten entwickeln durch die Therapie eine Beziehung zu "ihren" Pferden. Schemp: "Oft wollen sie dann nur ein ganz bestimmtes Tier reiten und bringen zur Belohnung Karotten oder Äpfel mit." So auch die vierjährige Linda Schäufele aus Cleebronn. Sie absolviert auf Nessys Rücken verschiedene Übungen und steckt Wäscheklammern von der Pferde-Mähne an den Hut ihrer Therapeutin Kühlmann. Das schult die Motorik - und macht obendrein auch Spaß!

Barrierefreiheit ermöglicht tiergestützte Therapie auch Rollstuhlfahrern

Über eine mobile Rampe kann (bei Bedarf) das Aufsitzen aufs Pferd erleichtert werden.

Damit auch Rollstuhlfahrer an den Therapien teilnehmen können, besitzt die Interessengemeinschaft eine mobile Rampe. Damit kann das Aufsitzen deutlich erleichtert werden. Ein weiterer Pluspunkt: Die komplette Anlage des Reitclubs ist barrierefrei! Und durch die offizielle Anerkennung - nach §45 a Sozialgesetzbuch - erhalten Patienten mit Pflegestufe erhebliche finanziell Zuschüsse. Schemp: "Das Land übernimmt zwei Drittel der Kosten, manche Krankenkassen zahlen den Rest." Das sei wichtig, denn viele Familien der Patienten könnten sich ansonsten die 160 Euro für vier Therapieeinheiten im Monat nicht oder nur schwer leisten.

Wichtige Bedingung der offiziellen Anerkennung ist auch, dass die Leistungen nur durch Fachpersonal durchgeführt werden. Das sichert die Professionalität des Angebots - ist aber auch sehr personalintensiv. Deshalb freut sich die Interessengemeinschaft über geeignete Therapeuten, die gerne mit Kindern und Erwachsenen arbeiten - und natürlich mit einem Co-Therapeuten wie Nessy.

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