Hier ist die Hilfe nur einen Anruf entfernt

Telefonseelsorge: Offenes Ohr für alle

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Entscheidungen muss jeder selbst treffen. Die Seelsorge hilft bei der Entscheidungsfindung.

Mein Mann und ich streiten uns nur noch – von Liebe kann keine Rede mehr sein. Ich bin total unglücklich. Soll ich die Scheidung einreichen? Mit wem soll ich nur darüber sprechen? Schließlich sind alle in meinem Umfeld nicht nur meine, sondern auch seine Freunde – einen neutralen Zuhörer werde ich hier nicht finden.

Viele Leidtragende wissen gar nicht, dass es für Hilfe nur einen Anruf braucht und dass es diese Hilfe am Ende der anderen Leitung gibt. Unvoreingenommen und neutral haben die Mitarbeiter der Telefonseelsorge für jede Person, egal mit welchen Sorgen, ein offenes Ohr. Und das rund um die Uhr: 365 Tage im Jahr, an jedem Tag 24 Stunden – seit mehr als 39 Jahren.

Diese kostenlose und absolut anonyme Hilfe bieten die Mitarbeiter auch an Weihnachten, Silvester oder Sonntagen an. Der Leiter der Telefonseelsorge, Dr. Jürgen Weber, erklärt: "Im Jahr bekommen wir 20.000 Anrufe – davon werden 11.000 Gespräche geführt, wenn wir die Scherz- und Sexanrufe abziehen." Dabei drehen die Gespräche sich um alle möglichen Notlagen – angefangen von Beziehungsproblemen bis hin zu Suizidgedanken – die Telefonseelsorge ist für alle da. Weber: „Unser Anliegen: jeden so zu nehmen, wie er ist. Für alle da zu sein, die einsam sind oder einen neutralen Zuhörer brauchen. Wir treffen für niemanden eine Entscheidung, aber wir helfen bei der Entscheidungsfindung."

Würdet ihr auch so spät noch studieren?

Die 56(!)-jährige Studentin Astrid Barnowsky könnte sich für ihr Praxissemester keine bessere Einrichtung als die Heilbronner Telefonseelsorge vorstellen. Dabei ist ihr Alter recht ungewöhnlich für eine Studentin. Bereits als junges Mädchen hat sie den Wunsch, zu studieren. Nach einer Ausbildung zur Bauzeichnerin, einer Umschulung und einer nicht vollständig abgeschlossenen Ausbildung zur Ergotherapeutin ist sie lange Zeit Musikerin und Mutter. Mit 52 Jahren wird ihr klar: "Jetzt will ich studieren!"

Nach Absprache mit ihren Kindern geht es für Barnowsky aufs Berufskolleg. Am ersten Tag denken ihre Mitschüler, sie sei eine Lehrerin. Sie wird akzeptiert, doch unabhängig davon will sie ihren Traum durchziehen. Als das geschafft ist, bewirbt sich die gebürtige Heilbronnerin für den Studiengang Soziale Arbeit. Schnell ist ihr klar: in Richtung Beratung soll’s gehen. Als dann die Telefonseelsorge in einer Vorlesung vorgestellt wird, ist Barnowsky sofort begeistert.

Jetzt hat sie das fünfte Semester hinter sich und bereut ihre Entscheidung überhaupt nicht: "Es ist ein großes Abenteuer. Ich habe Freundinnen gefunden, die so alt sind wie meine Tochter. Ich empfehle jedem, nicht stehenzubleiben. Wenn es ein Herzenswunsch ist, zu studieren, dann spielt das Alter keine Rolle. Das Ehrenamt bei der Telefonseelsorge ist was ganz Besonderes – es geht um eine starke Gemeinschaft, die man gemeinsam schafft." 

Information: Die Telefonseelsorge in Heilbronn sucht Verstärkung. Wer ein sinnvolles Ehrenamt leisten möchte, für den gilt auch hier: Es ist nur einen Anruf entfernt. Telefon: 07131/86566; E-Mail: ts.heilbronn@t-online.de

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