Die Lebensmittel-Retter

DAS sind die Helfer im Hintergrund bei der Tafel

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Roland Feyrer aus Heilbronn-Sontheim hilft seit sechs Jahren bei der Tafel.
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Vor dem Tafelladen warten Bedürftige darauf, einkaufen zu dürfen. Bis die Lebensmittel im Regal stehen, packen viele Helfer mit an.

Es ist sieben Uhr, als Andreas Kurz und Roland Feyrer in den Transporter steigen. Kurz fährt, Feyrer gibt Anweisung, damit sie keinen der Supermärkte auf der Route vergessen. Die Männer unterstützen die Heilbronner Tafel, indem sie selbst mit anpacken. Ehrenamtliche Helfer wie sie sorgen dafür, dass die Regale in den Tafelläden in der Region stets gefüllt sind.

Erster Halt: Kaufland, Weinsberg. Dort gibt es an diesem Morgen aber nichts zu holen. "Das ist mir auch noch nie passiert", wundert sich Kurz. Seit sieben Jahren hilft der Böckinger einmal die Woche rund fünf Stunden. "Wenn Kaufland wegfällt, gibt's heute nicht so viel", sagt er zu Feyrer.

Der schaut auf dem Zettel nach: Lidl, Aldi und Rewe stehen noch an. Wieder steigt Feyrer aus, läuft zielstrebig auf die Mitarbeiter der Supermärkte zu. Bei seinem freundlichen "Guten Morgen" antworten sie schon: "Ich bin gleich da!" Jedes Mal stehen die Lebensmittel im Lager bereit - auf Paletten sind Pappkisten gestapelt. Darin: Bananen, Salat, Paprika, Milch - selbst Sahne-Heringe und Sushi!

Bildergalerie: Blick in den Tafel-Alltag

Supermärkte und Bauernhöfe geben Ware ab

"Die fauligen Tomaten können wir hier direkt wegwerfen", sagt der Sontheimer Feyrer. Alle anderen laden die Männer ein. Transporter zu, weiter zum nächsten Halt: Aldi, Weinsberg. Kurz erklärt: "Die Kunden rechnen damit, dass wir jeden Tag kommen und die Ware holen." Manchmal wird die Tafel nicht nur von Supermärkten versorgt, sondern auch von Bauernhöfen in der Region. Vor ein paar Tagen gab es 600 Eier von einem Hof.

Insgesamt sechs Touren durch die Region fahren die Ehrenamtlichen für die Tafel. Mal kommt mehr zusammen, mal weniger. Nach Feiertagen gibt es besonders viel Ware. Ein Helfer sagt lachend: "Ich kann die Schokohasen jetzt nicht mehr sehen!" Entladen werden die Transporter im Zentrallager. Dort geht die Arbeit erst richtig los.

Tafelladen, Tierfutter oder Biomüll?

Die Helfer stehen schon bereit, im Handumdrehen räumen sie die Ladeflächen der Transporter leer. Sie ordnen die Ware nach Lebensmittel, Kühl-, Tiefkühl- und Trockenware. Die Kisten mit Obst und Gemüse stapeln sich neben dem Förderband. Wie hier sortiert wird, das behält Maria Müller stets im Blick. Sie sagt: "Da können wir nicht großzügig sortieren, weil wir Obst und Gemüse im Tafelladen immer weg bekommen." Nur was wirklich hinüber ist, wandert in den Müll. Welke Blätter oder braune Stellen werden weggeschnitten.

Salat, Karotten und Äpfel landen oft in einem extra Behälter. Maria Müller sagt: "Das wird dann Tierfutter, das freut die Bauern." Auch Hakan Eyi aus Heilbronn hilft beim Sortieren. Als er die erste Obstkiste gefüllt hat, strahlt er übers ganze Gesicht. "Das sieht aus wie frisch, oder? Diese Arbeit macht mich glücklich!"

Fahrtafel auf Tour

Kurz darauf fahren Martin Tränkle und Herbert Auracher im Transporter vor. Die Männer aus Großbottwar kümmern sich um die Fahrtafel. Jeden Mittwoch fahren die beiden mit einem voll beladenen Transporter nach Auenstein, Beilstein, Oberstenfeld und Großbottwar. Pro Haltestelle hat die Fahrtafel eine halbe Stunde lang geöffnet. 60 bis 70 Leute kaufen dann insgesamt bei ihnen ein.

"Wir werden immer schon erwartet", erzählt Auracher. Die Kunden helfen sogar beim Auf- und Abbauen, damit die Männer pünktlich zur nächsten Station kommen. Auracher: "Für uns ist das schon ein langer Tag. Aber ich mache das gerne! Als ich in den Ruhestand kam, war es mir ein Anliegen, Bedürftigen tatsächlich zu helfen."

Von Lisa Reiff

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