Die Band Amna wurde offenbar zu schnell zu erfolgreich

Nach Millionen von Klicks: Spotify löscht Songs von Heilbronner Band

  • Daniel Hagmann
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Gezielte Marketing-Aktionen machten die Heilbronner Band Amna schlagartig bekannt. Nun läuft ein Streit mit Spotify.

Es hat geklappt. Nur offenbar viel zu gut. Noch vor einem Jahr war die Sängerin Amna aus Heilbronn kaum bekannt. Doch seit Anfang dieses Jahres geht sie – zusammen mit ihren drei Musikern unter dem Bandnamen Amna – durch die Decke: 150.000 Facebook-Fans, rund 90.000 Instagram-Follower, bis zu 50.000 monatliche Hörer auf dem Musikstreaming-Dienst Spotify. Doch dann folgte der Crash beim Streaming-Marktführer. Amna erklärt: „Die beiden Singles meiner Band wurden gesperrt, sind nicht mehr streambar.“ Der mutmaßliche Grund: Spotify kam der rasche Amna-Aufstieg fragwürdig vor.

Vom No-Name im Musikgeschäft zum Millionenstream auf Spotify? Das geht sehr wohl mit rechten Dingen zu, berichtet Amna. Ihr Ehemann, der Heilbronner Werbe-Unternehmer Arkadi Neb, hat seit Anfang dieses Jahres viele gezielte Marketing-Aktionen gestartet, um die Musik seiner Frau Amna und ihrer gleichnamigen Band in der Corona-Zeit bekannter zu machen. Neb erklärt: „Werbestrategien, die bei Firmen funktionieren, machen auch Künstler erfolgreich.“ 

Heilbronn: Spotify löscht Songs der Band Amna nach Millionen Streams

Neb hat 3.000 Shirts mit dem Amna-Logo verschenkt, kostenlos Spotify-Jahreskarten verteilt, Anzeigen geschaltet, Gewinnspiele organisiert und über die sozialen Medien dazu aufgerufen, Amnas Songs bei dem Musikstreaming-Dienst Spotify zu supporten und so oft wie möglich zu streamen. Weiterer Vorteil: Neb ist gut vernetzt. Unterstützung gab’s von befreundeten Stars aus dem Sport- und Musikgeschäft. In einem YouTube-Video mit Dragonforce-Gitarrist Herman Li trägt der schwedische Musiker Mattias Eklundh ein Amna-T-Shirt, unterhält sich über die Heilbronner Band. Neb: „Danach haben die Streams bei Spotify nochmal deutlich angezogen.“ 

Wir lassen uns nicht unterkriegen.

Amna, Musikerin aus Heilbronn

Und nun? Steht für die Heilbronner Band Amna erstmal fast alles wieder auf Null. Zumindest bei dem Streaming-Anbieter Spotify hat Amna, die erstmals mit einem aufrüttelndem Song in Erscheinung trat, derzeit nur knapp über einem Dutzend Hörer - seit die ersten beiden Singles des anstehenden, monumentalen Progressive-Rock-Albums „The Truth“ von Spotify gelöscht wurden. Von den Ausschüttungen für die Streams ist ebenfalls noch kein Geld aus Schweden nach Heilbronn geflossen. Bitter, weil die Singles „B’reshit (The Beginning)“ und „Athra“ in drei Monaten mehr als 2,2 Millionen Abrufe erreicht haben.

Musikstreaming-Dienst Spotify löscht Tausende Songs von Newcomern

Amna verrät: „Wir sind im Austausch mit Spotify, damit die Songs bald wieder verfügbar sind. Nach Rücksprache mit unserem Digitalvertrieb wissen wir, dass der Musikstreaming-Anbieter Spotify monatlich Tausende Songs von Newcomern löscht – wegen Verdachts auf Streaming-Manipulation. So bleibt mehr Geld für die großen Acts übrig.“ Im August soll mit „Nkiluhto (Der Verrat)“ die dritte Single der Band aus Heilbronn erscheinen. Auch auf als Musikstream auf Spotify. Amna: „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“ Am Ende setzt sich schließlich meist die Qualität durch. Und harte Arbeit. 

Spotify

Das Unternehmen Spotify ist ein Musikstreaming-Dienst aus Schweden. Auf der Streaming-Plattform können die Nutzer mehr als 70 Millionen Musiktitel abspielen. Die User können dabei zwischen einer kostenlosen Nutzung des Dienstes mit eingespielten Werbe-Unterbrechungen oder einem werbefreien und kostenpflichtigen Bezahlmodell wählen. Spotify ist mit weltweit mehr als 350 Millionen Nutzern der Musikstreaming-Marktführer und erwirtschaftete im Jahr 2020 fast acht Milliarden Euro Umsatz. Geschäftsführer von Spotify ist Daniel Ek.

Rubriklistenbild: © Marcel Borck

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