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RS-Virus breitet sich in Heilbronn aus: „Eltern fühlen sich allein gelassen“

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Von: Juliane Reyle

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In Kitas herrscht wegen des RS-Virus teilweise Notbetreuung, Gruppen müssen geschlossen werden. Eltern und auch Ärzte sind verzweifelt: Bei vielen Kindern schlägt verschriebenes Antibiotikum nicht an.

Das RS-Virus ist eine häufige Ursache für Atemwegsinfektionen und kann besonders bei Säuglingen und Kleinkindern schwerwiegende Komplikationen verursachen. In den vergangenen Monaten hat sich die Zahl der Erkrankten stark erhöht. Nicht alle Kinder mit Erkältungs-Symptomen werden auf das Virus getestet, doch Kinderkliniken und Krankenhäuser sind derzeit wegen einer Vielzahl von Atemwegserkrankungen überfüllt.

Kindergärten und Kitas sind von dem Virus ebenfalls schwer getroffen erklärt eine Sprecherin des „Kindergarten Brombeerweg“: „Seit ca. 2 Monaten bekommen wir das Virus nicht mehr aus der Einrichtung raus.” Sehr viele Kinder des Kindergartens in Lauffen am Neckar sind derzeit krank und leiden „besonders an Angina und Scharlach“.

„Regelmäßig alle zwei bis drei Wochen Antibiotika“ – Kinderärzte und Eltern können es sich nicht erklären

Doch besonders schlimm sei, dass es viele Kinder gäbe, „wo das Antibiotikum einfach nicht anschlägt“. Sie bekommen das Antibiotikum nach Arztempfehlung, doch werden den Erreger so einfach nicht los. „Nach zwei, drei Tagen in der Einrichtung leiden die Kinder wieder unter Symptomen“, deshalb bekommen sie „regelmäßig alle zwei bis drei Wochen Antibiotika“.

Ob die Kinder unter einer viralen oder bakteriellen Infektion leiden, kann nur ein Arzt eindeutig feststellen. Doch Antibiotika kann im Falle des RS-Virus nicht wirken. Bei einer Infektion mit dem RS-Virus müssen antivirale Medikamente eigesetzt werden und keine Antibiotika.

„Kinderärzte und Eltern können es sich nicht erklären“, warum die Kinder immer wieder erkranken, erklärt die Sprecherin des Kindergartens Brombeerweg. Eltern würden sogar erzählen, dass die Kinderärzte sie abwimmeln: „Eltern fühlen sich alleingelassen von den Ärzten und Hilfestellungen“ und „manche haben sich ans Krankenhaus gewendet – mit acht Stunden Wartezeit“.

„Bisher nur auf Drängen der Eltern hin auf das RS-Virus“ getestet: Verharmlosen Ärzte die Krankheit?

Um die Situation nicht weiter zu verschlimmern, rät der Kindergarten, dass Kinder, die Antibiotika einnehmen, nicht in die Einrichtung kommen sollen. Vielmehr sollten die Kinder nach der Antibiotikaeinnahme erneut getestet werden, um sicher zugehen, dass „das Antibiotikum angeschlagen hat und der Erreger weg ist“. Doch bisher sei von den Kinderärzten nur auf Drängen der Eltern hin auf das RS-Virus getestet worden. Auf Schilderungen der Eltern der erkrankten Kinder hin, befürchtet der Kindergarten, dass „die Ärzte das RS-Virus verharmlosen“.

Inzwischen Notbetreuung: Teilweise mussten bereits Gruppen geschlossen werden

Hinzu kommt auch noch, dass Eltern ihre „Kinder bereits nach einigen Tagen Antibiotikagabe wieder in die Einrichtung bringen, weil die Krankheitstage zu Ende gehen“. Doch „auch Erwachsene sind von dem Virus betroffen und die werden gar nicht auf das Virus getestet“. Auch auf das Personal wirke sich die Krankheit aus, erklärt die Sprecherin des Kindergartens Brombeerweg. Inzwischen haben sie „Notbetreuung und teilweise mussten bereits Gruppen geschlossen werden“, dies würde wiederum für Unzufriedenheit sorgen.

Um der Ausbreitung des Virus entgegenzutreten, „wird wieder vermehrt auf Hygiene geachtet“ und „Informationen an Eltern weitergegeben“. Zum Beispielen „wann Kinder Fieber haben und über Angina und Scharlach“. Morgens, wenn die Kinder in die Einrichtung kommen, werden erst einmal die Hände gewaschen.

Nicht alle Einrichtungen gleichermaßen von RS-Virus betroffen: Teilweise keinerlei Infos

Doch nicht jede Kita oder Kindergarten scheint von dem RS-Virus gleich stark betroffen zu sein, denn eine Sprecherin des evangelischen Kindergartens Rosenau in Heilbronn erklärt, dass sie derzeit „noch keinerlei Infos“ hätten, dass Kinder an dem RS-Virus erkrankt wären. „Einmal haben Eltern angerufen, dass ihr Kinder unter Grippesymptomen leidet und sie den Verdacht haben, dass es das RS-Virus ist“, doch dies wurde dann nicht weiter kommuniziert.

„Im Moment sind tatsächlich viele Kinder wieder da“, fügt die Sprecherin hinzu. „Vor circa zwei bis drei Wochen waren einige krank, doch es war eher eine Magen- und Darmgrippe. Im Moment normalisiert sich das Ganze.“ Die Symptome des RS-Virus unterscheiden sich jedoch kaum von denen einer Grippe.

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